Kühne & Nagel Nationale Lösung statt China-Partnerschaft

Der Schweizer Logistikkonzern Kühne & Nagel (K & N) gibt die Zusammenarbeit mit seinem asiatischen Partner Sembcorp Logistics (Semblog) auf. Das Unternehmen plant, die freiwerdenden Anteile an die Börse zu bringen – und sorgt für neue Spekulationen über die Zukunft der Tui-Reedereitochter Hapag-Lloyd.

Hamburg - "Die Beteiligung an Semblog hat strategisch wie operativ unsere Erwartungen nicht erfüllt", sagte Kühne & Nagel-Hauptaktionär Klaus-Michael Kühne gegenüber der "Financial Times Deutschland". Grund für das Ende der Geschäftsbeziehungen seien kulturelle Unterschiede sowie abweichende Auffassungen über die Qualität von Dienstleistungen. Stattdessen will der Konzern noch 2004 eine eigene China-Tochter gründen und seine Geschäfte dort im Alleingang ausbauen.

Seit dem Jahr 2000 hält Kühne & Nagel 5 Prozent an Semblog, die Asiaten sind mit rund 20 Prozent an K & N beteiligt. Ende 2005 soll diese Überkreuzbeteiligung enden. "Mein Wunsch wäre es, den Anteil von Semblog bei Gelegenheit an die Börse zu bringen", sagte K & N-Verwaltungsratschef Kühne.

Den Erlös könnte K & N für eine Beteiligung an der Reederei Hapag-Lloyd verwenden. Bei der Hamburger Tui-Tochter halten sich seit Monaten Gerüchte über einen Börsengang oder sogar einen kompletten Verkauf. Denn die WestLB will ihre Tui-Beteiligung loswerden. Neue Investoren könnten den Touristikkonzern dann drängen, seine Anteile an der Reederei Hapag-Lloyd abzustoßen.

Kühne & Nagel schließt zwar aus, Hapag-Lloyd zu übernehmen. Eine Beteiligung könnte sich Hauptaktionär Kühne aber vorstellen. "Mittelfristig gehe ich leider davon aus, dass Hapag-Lloyd verkauft wird", so Kühne. "Wenn es darum geht, Hapag-Lloyd als nationale Reederei zu erhalten, wären wir bereit, uns mit 5 bis 10 Prozent daran zu beteiligen", so Kühne. Verhandlungen gebe es bislang aber nicht.

Kühne & Nagel ist ein wichtiger Hapag-Lloyd-Kunde. Im Oktober 2003 übernahmen die Schweizer von Hapag-Lloyd die Großspedition Pracht.

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