Ölpreis Opec rechnet mit fallenden Preisen

Der Ölpreis hat sich wieder deutlich von seinen Höchstständen entfernt. Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro macht den Märkten Mut und rechnet mit einem weiteren Rückgang.

Wien/Hamburg - Der Ölpreis ist in der vergangenen Woche kräftig gefallen: Ein Barrel (159 Liter) Opec-Öl kostete im Schnitt 38,89 Dollar nach 41,33 Dollar eine Woche zuvor. Am Freitag setzte sich der Rückgang allerdings nicht fort, der Ölpreis stieg am letzten Handelstag der Woche auf 39,12 Dollar, wie die Organisation Öl exportierender Länder (Opec) am Montag in Wien mitteilte.

Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro sagte unterdessen in Jakarta weiter fallende Ölpreise voraus: "Die internationalen Ölpreise im September werden wahrscheinlich sinken." Er begründete seine Erwartung damit, dass die Ölanlagen in Irak besser geschützt werden sollen, und dass der Konflikt zwischen dem russischen Ölkonzern Yukos und den Steuerbehörden gelöst werde.

Im Irak erschütterten in den letzten Wochen immer wieder Anschläge die Ölanlagen und unterbrachen die Förderung. Die irakische Regierung verstärkt nun den Kampf um mehr Sicherheit der Pipelines und Fördertürme: Das Ölministerium des Landes hat nach eigenen Angaben eine 14.000-Mann-Truppe zur Bewachung der Anlagen aufgestellt und will örtlichen Clan-Führern Geld dafür zahlen, dass sie auf die Anlagen aufpassen. Die Ölleitungen führen über weite Strecken durch unbewohnte Wüsten und sind deshalb schwer zu schützen. Die Ölexporte machen 95 Prozent der Einnahmen des irakischen Staates aus.

Neben der Lösung des Yukos-Skandals  in Russland könnten auch die Präsidentenwahlen in den USA zu sinkenden Preisen beitragen, falls es dabei zu keinen Zwischenfällen komme. Der Opec-Präsident bezifferte das weltweite Überangebot an Rohöl gegenwärtig auf 1,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag. Die Opec-Staaten produzieren derzeit täglich rund 30 Millionen Barrel Öl, rund vier Millionen Barrel mehr als die offizielle Quote von 26 Millionen Barrel.

Richtpreis auf dem Prüfstand

Unterdessen mehren sich die Stimmen in der Opec für eine Erhöhung des so genannten Preisbandes. Ein Vertreter der saudi-arabischen Ölindustrie erklärte, sein Land habe keine Bedenken gegen eine Anhebung. Er nannte aber keine Zahlen. Zurzeit gilt ein Preisband von 22 bis 28 Dollar pro Barrel Opec-Öl. In diesem Rahmen soll sich der Ölpreis nach Vorstellung der Förderländer bewegen, ansonsten wollen sie mit Fördersteigerungen oder -senkungen darauf reagieren.

Nun will Venezuela beim nächsten Opec-Treffen am 15. September eine Anhebung auf 28 bis 35 Dollar anregen. Der tatsächliche Ölpreis liegt seit Monaten weit über dem Band, ohne dass mehrere Fördererhöhungen der Opec viel daran geändert hätte.

China will am hohen Ölpreis nicht schuld sein

Unterdessen hat die chinesische Regierung die Verantwortung für den hohen Ölpreis zurückgewiesen. Es sei in den vergangenen Monaten viel darüber gesprochen und geschrieben worden, dass die hohe Ölnachfrage Chinas den Ölpreis in die Höhe getrieben habe, sagte Zhang Guobao, der stellvertretende Vorsitzende der staatlichen Entwicklungs- und Reformkommission, am Montag bei der Welt-Energiekonferenz in Sydney. "In Wirklichkeit ist die internationale Spekulation für den Preisanstieg verantwortlich", sagte Zhang. China werde zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Der Regierungsfunktionär machte gleichzeitig deutlich, dass sein Land einen enormen Energiebedarf habe und er lud internationale Unternehmen ein, in China zu investieren. In den besonders wachstumsstarken Regionen Chinas steige der Energieverbrauch in Jahresraten von 25 Prozent. Andererseits hätten viele ländliche Regionen gar keinen Zugang zu elektrischer Energie.

"Engpässe in der Versorgung haben Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung und das Wachstum", sagte Zhang. Daher werde China in alle Formen der Energieerzeugung investieren und Kernkraftwerke, Wasserkraftwerke, Windenergieanlagen und solar betriebene Kraftwerke bauen. Basis der chinesischen Energieversorgung werde jedoch zunächst die Kohle bleiben, wo China der weltweit größte Produzent und Verbraucher ist.

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