Thilenius-Kolumne Fünf vor Zwölf

Der Vergleich mit historischen Marktkrisen lässt kaum Gutes ahnen. Mit einem nachhaltigen Aufschwung der Technologiewerte sollten Anleger nicht rechnen. Die Erholungsphase ist vorbei - höchste Zeit auszusteigen.

Hamburg - Was haben der Börsencrash von 1929, der Absturz der Öl- und Goldpreise im Jahr 1980 und der Einbruch der japanischen Börse ab 1989 mit dem tiefen Fall der Technologiewerte seit dem Jahr 2000 gemeinsam?

Auf den ersten Blick nichts, da diese Ereignisse über Jahrzehnte verteilt in verschiedenen Märkten stattgefunden haben. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch eine erstaunliche Parallele: In all diesen Fällen haben sich die Preise drei bis vier Jahre nach dem Einbruch wieder kräftig erholt. Teilweise konnten sie bis zu 50 Prozent ihres früheren Wertes zurück gewinnen.

Bei den ersten drei Beispielen zeigte sich später jedoch, dass dieser Aufschwung nur eine Zwischenerholung war. Nach einer Phase des Aufschwungs fielen die Kurse wieder auf die früheren Tiefstände zurück.

Das Urteil über die Erholung der Technologiewerte steht noch aus. Wenn sich die Geschichte wiederholt, und dafür spricht einiges, dürfte ihnen aber dasselbe bevorstehen. Trotz ausgezeichneter Ergebnisse vieler Technologieunternehmen im zweiten Quartal befinden sich die Kurse im Sinkflug.

Weitsichtige Investoren sollten deshalb aus TecDax- sowie anderen Hard- und Software-Werten - auch an der Nasdaq  - aussteigen und nicht auf eine neue Erholung warten.

Nach der allgemeinen Sättigung der Märkte verhält sich die Technologiebranche genauso wie andere Industrien, beispielsweise die Automobilbranche. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) eines erstklassigen Automobilunternehmens wie BMW  liegt derzeit bei 10,7, bei Continental  beträgt es 8,6 und bei Beru  11,6.

Das mittlere KGV der Unternehmen im TecDax  liegt derzeit bei etwa 15, bezogen auf das Jahr 2005. Im Laufe der Zeit dürfte es sich aber eher dem durchschnittlichen KGV der Automobilwerte annähern.

Anleger sollten deshalb trotz der unerfreulichen Entwicklung der letzten Wochen aus diesen Werten aussteigen und sich nicht dem Risiko eines wahrscheinlichen weiteren Kursverfalls aussetzen. Aus markttechnischer Sicht ist in den nächsten Wochen mit einer Zwischenerholung zu rechnen, die eine letzte Möglichkeit zum geordneten Rückzug darstellen könnte.