Mastercard Kunden zahlen drauf

Bezahlen mit der Kreditkarte könnte ab Januar teurer werden. Mastercard erlaubt künftig Händlern, bei Kartenzahlung einen Preisaufschlag zu verlangen. Das Unternehmen will so die Akzeptanz seiner Karten erhöhen – und die EU-Kommission in einem Wettbewerbsverfahren gnädig stimmen.

Frankfurt - Viele Einzelhändler sehen es nicht besonders gerne, wenn Kunden ihre Einkäufe per Kreditkarte bezahlen. Denn die Händler müssen zwischen 1,5 und 4 Prozent des Kartenumsatzes als Gebühr an die Kreditkartengesellschaften weitergeben.

Mit Mastercard stellt ihnen nun erstmals ein Kartenanbieter frei, diese Gebühr in Form von Preisaufschlägen an die Kunden weiterzugeben. Mastercard gibt damit als erstes Unternehmen einen Teil seiner Gebührenkontrolle aus der Hand - und kippt in Deutschland die so genannte "No Surcharge"-Regelung, die eine Weitergabe der Gebühren an die Kunden bislang ausschloss.

Mastercard hofft, mit dieser Freigabe mehr Händler dazu zu bewegen, Kreditkarten als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Ob allerdings die Kunden auch höhere Preise für den Mastercard-Einsatz hinnehmen, ist offen. Schließlich können sie für das bargeldlose Bezahlen auch die EC-Karte nutzen.

Deren Einsatz an der Kaufhauskasse ist im Euro-Raum nach wie vor gebührenfrei. Auch für die Händler ist das weit verbreitete EC-Lastschriftverfahren, bei dem die Kunden an der Kasse nur eine Unterschrift leisten müssen, kostenlos.

Nur beim so genannten Electronic-Cash, bei dem die Kunden ihre Geheimzahl eingeben müssen, werden die Händler - ähnlich wie bei den Kreditkarten - zur Kasse gebeten: 0,3 Prozent des Kartenumsatzes sind dabei als Gebühr fällig.

Beschluss intern umstritten

Die Entscheidung, Händlern Preisaufschläge bei Kreditkartenzahlung zu erlauben, war bei Mastercard intern offenbar heftig umstritten. "Ich kann nicht sagen, dass es eine einstimmige Entscheidung der Geschäftsführung war", zitiert die "Financial Times Deutschland" einen Mastercard-Manager. Er hoffe, "dass der Handel von der Möglichkeit der Preisaufschläge nicht besonders regen Gebrauch macht".

Ein entscheidender Hintergrund für den Mastercard-Beschluss dürfte auch in einem derzeit laufenden EU-Wettbewerbsverfahren gegen den Kartenanbieter liegen. Im Oktober 2003 hatte die EU-Kommission Mastercard verwarnt, weil sie die Transaktionsgebühren bei grenzüberschreitenden Zahlungen für unangemessen hoch und die Gebührenstruktur insgesamt für zu undurchsichtig hielt. Die Kommission forderte den Kartenanbieter auf, diese so genannte "Interchange Fee" zu senken. Mit der Entscheidung, Händler bei der Kartenzahlung zu entlasten, versucht Mastercard nun offenbar, der EU Entgegenkommen zu signalisieren.

In Ländern wie Großbritannien, Schweden und den Niederlanden mussten die großen Kartenanbieter auf Druck nationaler Aufsichtsbehörden ohnehin bereits von ihrer "No-Surcharge"-Regelung abrücken.