Intel Prognosen deutlich zurückgeschraubt

Der weltgrößte Chiphersteller schockt mit einer Gewinn- und Umsatzwarnung. Wegen schleppender Nachfrage hat der Konzern seine Erwartungen für das laufende Quartal erneut nach unten geschraubt.

Santa Clara - Intel hat zum zweiten Mal binnen zwei Monaten seine Gewinnmargen-Ziele für das dritte Quartal gekappt und auch seine Umsatzerwartung gesenkt. Die Nachfrage nach Computer- und Speicherchips für Telekom-Produkte sei schwächer als erwartet, meldete die amerikanische Gesellschaft am Donnerstagabend nachbörslich in Santa Clara. Zudem bauten Kunden Lagerbestände ab.

Die im Leitindex Dow Jones und im NASDAQ-100-Index notierte Intel-Aktie brach ein. Rund zwei Stunden nach Handelsschloss verzeichnete sie bei hohen Umsätzen ein Minus von 7,71 Prozent auf 19,98 Dollar. Seit Ende Juni hat die Aktie knapp ein Drittel ihres Wertes eingebüßt.

Für das kommende vierte Quartal wollte Finanzchef Andy Bryant bei einer Telefonkonferenz keine Aussagen machen. Er werde abwarten, wie sich der September entwickle. Der Juli sei zwar "nicht schlecht" gewesen, der August dann aber schwach. Intel habe infolge gesenkter Preise mit einem stärkeren Boom gerechnet. Die Preise seien ausreichend reduziert worden, aber die Nachfrage habe gefehlt, sagte Bryant. Sie habe weltweit geschwächelt - in China, Europa, in ganz Amerika und auch in Japan. Der Finanzchef ergänzte, dass die Nachfrage vor allem im Verbraucher- und Einzelhandels-Bereich zu wünschen übrig lasse.

Prognosen der Analysten sind nicht zu halten

Für das Ende September auslaufende dritte Quartal erwartet der Konzern nun einen Umsatz von 8,3 bis 8,6 Milliarden Dollar statt bisher 8,6 bis 9,2 Milliarden Dollar, wie Intel nachbörslich meldete. Damit würde der Chipbauer weniger umsetzen als Analysten gegenwärtig erwarten. Vom Finanzdienstleister Multex befragte Branchenexperten sagen derzeit im Schnitt Erlöse von 8,91 (Vorjahr: 7,83) Milliarden Dollar voraus. Den Gewinn je Aktie schätzen sie auf 0,31 (0,25) Dollar pro Titel.

Bei der Quartals-Bruttomarge rechnet der Chipbauer nun mit etwa 58 Prozent statt ursprünglich etwa 60 Prozent. Im Juli hatte Intel diese Prognose bereits von 62 auf 60 Prozent gekappt. Auch für das Gesamtjahr zeigte sich die Gesellschaft pessimistischer und geht nun von einer Gewinnspanne von 58 bis 60 Prozent aus. Bisher hatte Intel hier eine Bruttomarge von 60 Prozent angepeilt. Finanzchef Bryant prognostizierte zudem, dass die Lagerbestände im dritten Jahresviertel um 100 bis 150 Millionen Dollar anwachsen.

"Der Markt ist in Sorge"

Der Chipbauer rechnet damit, dass die Aufwendungen im dritten Quartal 2,4 Milliarden Dollar betragen. Bisher waren 2,5 Milliarden Dollar eingeplant. Beim Steuersatz geht Intel nun von 29,5 Prozent aus. Ursprünglich hatte der Mikroprozessoren-Hersteller 31 Prozent geschätzt. Im Schlussquartal dürfte der Steuersatz bei 30,5 Prozent statt der bisher prognostizierten 31 Prozent liegen. "Alle anderen Erwartungen bleiben unverändert", hieß es in der Mitteilung.

Mitte Juli hatte der enttäuschende Ausblick von Intel auch auf das dritte Quartal die Furcht vor einem baldigen Abflauen des Branchen-Wachstums neu entfacht und die Aktienkurse von Technologiewerten in ganze Europa belastet. Vor dem aktuellen Ausblick auf das laufende Jahresviertel hatten viele Analysten damit gerechnet, dass Intel seine Prognosen zusammenstreicht. "Der Markt ist in Sorge", hieß es. Einige Investmentbanken hatten ihre Quartalsschätzungen gesenkt.