Tagesausblick Intel vermiest den Wochenausklang

Schade eigentlich. Angesichts positiver Vorgaben aus New York und einem Dax, der den Donnerstag überraschend im Plus beendete, hätte es ein erfreulicher Freitag werden können. Wäre da nicht Intel.

Hamburg - Intel  hat zum zweiten Mal binnen zwei Monaten seine Gewinnmargen-Ziele für das dritte Quartal gekappt und auch seine Umsatzerwartung gesenkt. Die Nachfrage nach Computer- und Speicherchips für Telekom-Produkte sei schwächer als erwartet, meldete der weltgrößte Chiphersteller am Donnerstagabend nachbörslich in Santa Clara. Zudem bauten Kunden Lagerbestände ab.

Die Intel-Aktie brach prompt ein. Rund zwei Stunden nach Handelsschluss verzeichnete sie bei hohen Umsätzen ein Minus von 7,71 Prozent auf 19,98 Dollar. Seit Ende Juni hat die Aktie knapp ein Drittel ihres Wertes eingebüßt.

Für das kommende vierte Quartal wollte Finanzchef Andy Bryant bei einer Telefonkonferenz keine Aussagen machen. Er werde abwarten, wie sich der September entwickle. Der Juli sei zwar "nicht schlecht" gewesen, der August dann aber schwach. Intel habe infolge gesenkter Preise mit einem stärkeren Boom gerechnet.

Intel torpediert gute Vorgaben

Das Intel-Desaster hinterließ Spuren in Tokio. Die Aktienbörse hat dort am Freitagvormittag schwächer tendiert. In Folge von Verlusten bei Halbleiterwerten gab der Nikkei-Index  für 225 Standardwerte um 29,86 Punkte oder 0,27 Prozent auf den Zwischenstand von 11.122,89 Punkten nach. Der breit gefasste Topix büßte 3,64 Punkte oder 0,32 Prozent auf 1133,95 Punkte ein.

Am Devisenmarkt notierte der US-Dollar um 11.00 Uhr Ortszeit fester mit 109,50-57 Yen nach 109,41-44 Yen am späten Vortag. Der Euro tendierte im frühen Geschäft leichter bei 1,2163-66 Dollar nach 1,2190-93 Dollar am späten Vortag.

Damit negierte Intel die guten Vorgaben aus den USA, denn der New Yorker Aktienmarkt tendierte am Donnerstag gut behauptet. Der Dow Jones  legte um 1,2 Prozent beziehungsweise 122 Punkte auf 10.290 Punkte zu. Der S&P-500-Index verbesserte sich um 1,1 Prozent beziehungsweise zwölf Zähler auf 1118. Der Nasdaq-Composite-Index  verzeichnete ein Plus von 1,2 Prozent beziehungsweise 23 Stellen auf 1873.

Bleibt zu hoffen, dass sich der Dax nicht von der Intel-Enttäuschung anstecken lässt. Die leichte Aufwärtstendenz vom Donnerstag wäre dahin. Der deutsche Aktienmarkt hat zuletzt leicht hinzugewinnen können. Der Dax  schloss mit 0,41 Prozent im Plus bei 3.833,45 Punkten. Der MDax  verabschiedete sich fast unverändert mit 4.889,52 Zählern. Der TecDax  legte um 0,41 Prozent auf 472,00 Punkte zu.

Die Märkte dürften heute wegen der Intel-Zahlen allerdings unter Druck geraten. Das "stark unter den Erwartungen" gebliebene Midquarter-Update wird Händlern zufolge die Technologiewerte am Freitag europaweit deutlich belasten. "Damit könnte uns der ganze Markt heute um die Ohren fliegen", sagt ein Marktteilnehmer.

Banger Blick auf den US-Arbeitsmarkt

Banger Blick auf den US-Arbeitsmarkt

Nicht nur Intel dürfte sich heute als Taktgeber erweisen. Die Börsen erwarten gespannt die aktuellen Daten vom US-Arbeitsmarkt, was die zuletzt geringen Umsätze an den Börsen erklärt. "Jeder, der wirklich etwas am Markt vorhat, wird wahrscheinlich auf die Zahlen warten", sagte Jay Finkel von Lord, Abbett & Co.

Uneinheitlich fielen die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen zur Entwicklung der US-Wirtschaft aus. Der stark gestiegene Auftragseingang in der US-Industrie im Juli habe die Furcht vor einer Fortsetzung der Konjunkturabschwächung in das laufende dritte Quartal des Jahres gedämpft, hieß es in New York. Allerdings stieg die Produktivität der Wirtschaft im zweiten Quartal schwächer als erwartet. Auch die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA war überraschend gestiegen.

Ölpreis stabilisiert sich auf hohem Niveau

Erneut dürften sich die Blicke der Börsianer auch auf den Ölpreis richten. Der hat sich am Freitagmorgen im asiatischen Handel nach dem Höhenflug der Vortage deutlich unter der Marke von 45 Dollar stabilisiert. Um 7.20 Uhr kostete ein Barrel Rohöl (159 Liter) zur Oktoberauslieferung am New Yorker Warenterminmarkt Nymex 44,16 Dollar.

Ein erneuter Anschlag auf eine Ölpipeline im Irak und ein drohender Produktionsstopp des russischen Ölkonzerns Yukos hatten den Ölpreis am Donnerstag zeitweise deutlich über 45 Dollar je Barrel getrieben. Die Sorge vor möglichen Versorgungsstörungen hat sich Beobachtern zufolge inzwischen wieder etwas abgeschwächt. "Die Befürchtungen sind nicht ausgeräumt, sie haben sich nur abgeschwächt", sagte ein Händler in Singapur.

Abu Dhabi will Volkswagen-Anteil billiger bekommen

Erneut gerät Volkswagen  in die Schlagzeilen. Das Emirat Abu Dhabi will einem Pressebericht zufolge den Preis für den geplanten Einstieg beim Wolfsburger Autobauer nachverhandeln.

Hintergrund sei der inzwischen deutlich gesunkene Kurs der Volkswagen-Aktie berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) in ihrer Freitagausgabe ohne Nennung von Quellen. Das arabische Emirat will im Zusammenhang mit der Übernahme der niederländischen Leasinggesellschaft Lease Plan knapp 10 Prozent erwerben, die Volkswagen im Eigenbesitz hält.

Als dieser Plan Ende April bekannt gegeben wurde, war dieses Aktienpaket laut "FAZ" an der Börse rund 1,6 Milliarden Euro wert. Wegen des inzwischen erfolgten Kursverfalls habe sich der Wert auf rund 1,3 Milliarden Euro verringert.

Boeing schießt gegen Airbus

Der Streit zwischen den beiden weltgrößten Flugzeugherstellern Boeing  und Airbus über staatliche Beihilfen geht derweil in eine neue Runde. Der Vizepräsident des US-Konzerns, Thomas Pickering, klagte am Donnerstag in Berlin über massive Wettbewerbsverzerrungen durch direkte Subventionen der Europäer für Airbus. Das Thema soll nun zwischen den USA und der EU-Kommission bei einem Treffen Mitte September in Brüssel angesprochen werden.

Die Hilfen für die Flugzeugindustrie haben in den transatlantischen Handelsbeziehungen schon mehrfach für Verstimmungen gesorgt. US-Präsident George W. Bush drohte kürzlich sogar mit einer Klage vor der Welthandelsorganisation (WTO).

Index-Neuordnung - Tui darf bleiben

Index-Neuordnung am Freitag

Schließlich tagt heute auch noch der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse. Nach der Schlussglocke in New York sollen die Entscheidungen über die Neuordnung der Indices veröffentlicht werden.

Die Aktie der Tui  bleibt wohl im Dax. Per Schlusskurs von Dienstag, 31. August, habe sich Tui in der entscheidenden August-Rangliste einen knappen Vorsprung vor Celesio  gesichert und damit den entscheidenden Platz 35 in der Rangliste verteidigt, heißt es von Indexexperten unter Verweis auf die Regularien der Deutsche Börse . Das Papier von Puma  kommt damit zunächst nicht in den führenden nationalen Index.

Während die Börse Veränderungen im Dax auf Grundlage der Ranglisten nach Börsenumsatz und Marktkapitalisierung nur noch formal zustimmen wird, zieht sie für MDax, TecDax und SDax auch so genannte weiche Kriterien wie die Kontinuität zu Rate.

Die Aufsteiger in den MDax dürften feststehen: Wincor Nixdorf die Postbank  werden aller Voraussicht nach in das Segment aufrücken. Sicherer Absteiger aus dem MDax ist Wella , daneben wird Zapf Creation  als "heißester Abstiegskandidat" gehandelt.

Gefährdet sind auch Koenig & Bauer  und Comdirect . Als möglicher zusätzlicher Aufsteiger werden Deutsche Euroshop  gehandelt. Aus dem TecDAX dürften SAP SI , FJH, Repower  und SCM Microsystems (SCM) absteigen. Nachfolger könnten Bechtle , Funkwerk , Medigene  und Morphosys  sein.