EZB Abwarten heißt die Devise

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen in der Euro-Zone wie erwartet unverändert gelassen, gleichzeitig aber die Wachstumsprognosen angehoben. Volkswirte erwarten, dass EZB-Chef Jean-Claude Trichet noch länger mit einer Zinserhöhung warten wird.

Frankfurt am Main - Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beließ den Schlüsselzins am Donnerstag auf dem seit Juni 2003 geltenden Niveau von 2,00 Prozent.

Zudem hat die EZB ihre Wachstums- und Inflationsprognosen für die Eurozone angehoben. Erwartet werde ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent (bisher 1,7 Prozent) in diesem Jahr und von 2,3 Prozent (2,2%) im kommenden Jahr, sagte EZB-Präsident, Jean-Claude Trichet, am Donnerstag nach einer Ratssitzung in Frankfurt.

Wegen der hohen Ölpreise hob die Notenbank auch ihre Inflationsprognosen an. Erwartet wird für 2004 eine Jahresinflationsrate von 2,2 Prozent (2,1%) und für 2005 von 1,8 Prozent (1,7%). Volkswirte hatten erwartet, dass die Notenbank wegen der hohen Ölpreise ihre Vorausschätzung zur Inflation leicht anheben wird.

Analysten rechnen mit Zinsanhebung erst 2005

Die meisten Analysten rechnen mit einer Zinserhöhung erst im kommenden Jahr, wenn sich der moderate Wirtschaftsaufschwung fortsetzen und das Risiko eines zu starken Preisauftriebs damit steigen sollte. Viele Volkswirte befürchten, dass der massive Ölpreisanstieg den Aufschwung weltweit und in der Euro-Zone bremst. Die Inflation würde damit weiter moderat bleiben.

"Die EZB muss die Zinsen mittelfristig erhöhen, aber sie hat keinen Grund, jetzt aus der Hüfte heraus zu schießen", sagte Thomas Hueck, Volkswirt von der HVB Group in München. Das Wachstum sei noch moderat und die Inflationsrate werde nur vorübergehend über zwei Prozent liegen.

Hoher Ölpreis dämpft die Stimmung

In Zentralbankkreisen hieß es, die Währungshüter seien stärker über den preistreibenden Effekt der Ölpreise besorgt als über mögliche konjunkturdämpfende Folgen. Die EZB beobachtet vor allem, ob die Energieverteuerung über starke Lohnsteigerungen oder Preiserhöhungen der Industrie auf das gesamte Preisniveau übergreift.

Bisher gingen die Währungshüter davon aus, dass der zurzeit bei rund 42 Dollar je Barrel liegende Ölpreis wieder sinken wird. Seit Jahresbeginn hat sich der Energierohstoff um rund 50 Prozent auf das Rekordhoch von mehr als 45 Dollar im August verteuert.

Die Inflationsrate, die seit fünf Monaten etwas über zwei Prozent beträgt, sollte deshalb im Lauf des kommenden Jahres nach Erwartung der EZB wieder unter diese Grenze sinken. Nach EZB-Definition ist Preisstabilität bei Teuerungsraten nahe, aber unter zwei Prozent erreicht.

Übersicht über die EZB-Leitzinsänderungen

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