Deutsche Börse Schweizer geben Seifert einen Korb

Die Schweizer Börse (SWX) will selbstständig bleiben und nicht mit der Deutschen Börse fusionieren. Das entschied der SWX-Verwaltungsrat am Freitag ohne Gegenstimme. Die Expansionspläne von Börsenschef Werner Seifert erleiden damit einen Rückschlag.

Hamburg/Frankfurt/Zürich - Die Schweizer Börse (SWX) will selbstständig bleiben und lehnt eine Fusion mit der Deutschen Börse  ab. Sie sei aber weiter offen für Kooperationsgespräche, teilte das Unternehmen am Freitag nach Handelsschluss in Zürich mit. Wie manager-magazin.de aus informierten Kreisen erfuhr, hatte sich der Verwaltungsrat der SWX während seiner heutigen Sitzung ohne Gegenstimme gegen Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Börse entschieden.

Die beiden Börsen betreiben seit Jahren gemeinsam die Terminbörse Eurex, die aus der Zusammenlegung der schweizerischen Soffex und der deutschen DTB entstanden war. Sie hat sich innerhalb kürzester Zeit zur größten Terminbörse der Welt und einem der wichtigsten Wachstumstreiber der Deutschen Börse entwickelt.

Nach Informationen von manager-magazin.de verhandelten der Frankfurter Börsenbetreiber und die Schweizer Börse bereits seit 16 Monaten über eine engere Kooperation, die in der Branche als durchaus sinnvoll erachtet wird. Mitte Juli nun hatte Börsenschef Werner Seifert in einem Brief an die deutlich kleinere SWX auch ihre Übernahme zur Diskussion gestellt. Über diesen Richtungswechsel hätten sich nicht nur die rund 55 Mitglieder der Schweizer Börse irritiert gezeigt, sondern auch Schweizer Großbanken.

Schweizer sorgten sich um das Bankgeheimnis

Offenbar war es Seifert bei seinen jüngsten Besuchen in Zürich nicht gelungen, die Mitglieder der Schweizer Börse zu überzeugen. Einwände gegen eine Fusion habe es vor allem aus Angst um das Bankgeheimnis gegeben. Die SWX wird von den Banken kontrolliert. Für die Geldhäuser ist das Schweizer Bankgeheimnis ein wichtiger Wettbewerbsfaktor im Geschäft der Vermögensverwaltung.

Dabei hatte Seifert Mitte August in einem Interview mit der "Neuen Züricher Zeitung am Sonntag" noch erklärt, die Zusammenarbeit werde das Schweizer Bankgeheimnis nicht berühren. Auf einer Handelsplattform seien keine Endkunden-Daten zu finden. Die Regulierung solle unter Schweizer Hoheit bleiben. Eurex zeige, dass sich unterschiedliche Rechtsrahmen nicht vermischen müssten, hatte der Chef der Deutschen Börse dem Zeitungsbericht zufolge erklärt.

Rückschlag für die Frankfurter Expansionspläne

Rückschlag für die Frankfurter Expansionspläne

In Frankfurter Finanzmarktkreisen bewertete man die erneute Absage eines möglichen Fusionspartners als einen Rückschlag für die Deutsche Börse. Seifert hatte in der Vergangenheit mit seinen Expansionsplänen nie hinter dem Berg gehalten und stets betont, der Frankfurter Handelsplatz wolle eine führende Rolle bei der Konsolidierung des europäischen Börsensektors einnehmen, wenn sich die Chance dazu biete.

Angesichts der schwachen Entwicklung der Aktienmärkte in den vergangenen Jahren sowie der damit einhergehenden geringeren Handelsvolumina wird eine Konsolidierung des europäischen Börsensektors seit längerem erwartet.

Etwa 80 Prozent des Geschäfts in Europa befinden sich in der Hand weniger Anbieter. Diese Konzentration werde in den kommenden zwei bis drei Jahren weiter fortschreiten, hatte Seifert unlängst erklärt. Kleinere Anbieter könnten dem Kostendruck nicht standhalten.

Die Londoner Börse (LSE), die Vier-Länder-Börse Euronext sowie die Deutsche Börse betreiben gegenwärtig die größten Finanzmarktplätze in Europa. Trotz der gescheiterten Fusion der LSE mit der Deutschen Börse im Jahr 2000 halten die Spekulationen um eine Fusion der Londoner Börse mit einer anderen Gesellschaft weiter an.

Von Finanzexperten wird erwartet, dass neben Euronext, LSE und der Deutschen Börse auch die Handelsplätze in der Schweiz, Spanien und Italien eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft spielen werden.

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