Tui BaFin beobachtet Kursverläufe

Das Auf und Ab der Aktie wird jetzt von der deutschen Wertpapieraufsicht geprüft. Spekulationen um eine Übernahme und einem Verbleib im Eliteindex Dax haben den Aktienkurs kräftig in Bewegung gesetzt.

Frankfurt am Main - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bestätigte am Dienstag einen Vorabbericht des "Tagesspiegel", dass sie die Tui-Aktie vor dem Hintergrund möglicher Kursmanipulationen und Insiderhandels seit einigen Tagen genauer unter die Lupe nehme.

"Dies ist eine routinemäßige Überprüfung. Das ist noch keine förmliche Untersuchung und über eine solche ist damit auch noch nicht entschieden", sagte eine BaFin-Sprecherin. Die Voruntersuchung müsse klären, ob es überhaupt einen konkreten Verdacht gibt und könne einige Wochen dauern. Tui wollte den Vorgang zunächst nicht kommentieren.

Die Tui-Aktie war in den vergangenen Wochen unter anderem durch Übernahme-Spekulationen stark im Kurs gestiegen. Sie stand auch am Dienstag mit einem Plus von 2,8 Prozent auf 15,78 Euro erneut an der Spitze der Gewinner im Dax . Gehandelt wurden wie bereits in den Tagen zuvor erneut mehr als drei Millionen Tui-Aktien, was fast zwei Prozent des Grundkapitals (178 Millionen Aktien) entspricht. Am Mittwoch startete das Papier schwächer in den Handel.

Der Kursanstieg der vergangenen Tage hat nach Berechnungen von Indexexperten die Chancen auf den von Tui erhofften Verbleib im Dax, dem Index der 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen, deutlich erhöht. Als Gründe wurden die anhaltenden Übernahme-Gerüchte, positive Unternehmens-Nachrichten von Tui und Aktienkäufe von so genannten Hedgefonds genannt.

Die WestLB bestätigte am Morgen, dass es für ihr Tui-Paket von 31,4 Prozent mehrere Anfragen gebe sowohl aus dem Finanzsektor als auch aus dem Branchenumfeld der Touristik mit strategischem Hintergrund. Konkrete Angebote gebe es aber noch nicht. Eine schnelle Verkaufsentscheidung sei nicht zu erwarten. Die in Medienberichten genannten spanischen Hotelketten Sol Melia, NH Hoteles und Barcelo bestritten ein konkretes Kaufinteresse an Tui.

Barcelo könnte noch ein Interesse haben

Das Familienunternehmen Barcelo, das bereits am britischen Reiseunternehmen First Choice mit 22 Prozent beteiligt ist, erklärte, derzeit finanziell nicht in der Lage zu sein, bei Tui einzusteigen. Allerdings sehe Barcelo es grundsätzlich weiterhin als sinnvoll an, dass sich spanische Hotels vermehrt an Reiseveranstaltern beteiligen, um das Urlaubsgeschäft wieder stärker in Richtung Spanien zu lenken.

In Branchenkreisen hieß es, trotz des Dementis sei für eine Hotelkette, die wie Barcelo im Urlaubsgeschäft aktiv ist, ein strategisches Interesse an Tui denkbar. Am Aktienmarkt wurde den Dementis der Hotelketten nach den Worten eines Händlers wenig Glauben geschenkt.

Hedgefonds müssen Tui-Aktien teuer zurückkaufen

Aktienhändler erklärten die Kursgewinne unter anderem damit, dass etliche Hedgefonds, die geliehene Tui-Aktien in der Hoffnung auf einen fallenden Kurs vor Wochen verkauft hatten, nun die Aktien zurückkaufen müssten, um nicht zu große Verluste in ihrem Spekulationsgeschäft zu machen. Das Vorgehen der Hedgefonds war Ende Juli bekannt geworden, als die Investmentbank Morgan Stanley mitteilte, sie verfüge über 10,1 Prozent der Tui-Stimmrechte auf der Hauptversammlung. Diese, nach Angaben aus Bankenkreisen größtenteils auch von Morgan Stanley geliehenen Aktien, wurden an die Hedgefonds weiterverliehen.

Die Tui-Aktie steht bei der WestLB mit 16,50 Euro in den Büchern. Im Juli noch notierte Tui bei knapp 13 Euro. Zu dem Zeitpunkt galt Tui als wahrscheinlicher Dax-Abstiegskandidat.

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