KarstadtQuelle "Diese Zahlen sehen furchtbar aus"

Der Handelskonzern hat im ersten Halbjahr seinen Verlust unerwartet ausgeweitet und die Erwartungen für das Gesamtjahr nach unten korrigiert. Im operativen Geschäft wird ein dreistelliger Millionenverlust prognostiziert.

Düsseldorf - Der neue Vorstandschef Christoph Achenbach hatte dem größten europäischen Warenhaus- und Versandhandelskonzern bereits "zwei ganz harte Jahre der Sanierung und Konsolidierung" angekündigt. Die vorgelegten Geschäftszahlen lassen daran nun keinen Zweifel mehr.

Für das laufende Jahr erwartet KarstadtQuelle  jetzt einen Verlust vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) von 160 bis 200 Millionen Euro. Der Konzernumsatz werde zwischen 4,5 und fünf Prozent schrumpfen, hieß es in einer Unternehmensmitteilung am Mittwochmorgen. Bisher hatte das Unternehmen als schlimmsten Fall einen Rückgang um drei Prozent angenommen.

Der operative Verlust (Ebta) sei zwischen Januar und Juni auf 388,5 (Vorjahreszeitraum: minus 97,3) Millionen Euro gestiegen. Inklusive Sonderaufwendungen liege das Halbjahres-Ebta sogar bei minus 439,5 Millionen Euro. Bereinigt um positive Sondereffekte habe die Vergleichszahl im Vorjahr aber nicht bei minus 97,3 Millionen Euro, sondern bei minus 289,3 Millionen Euro gelegen. Von Reuters befragte Analysten hatten im Quartal ein Ebta von minus 177 Millionen Euro und im Halbjahr von minus 336 Millionen Euro erwartet.

Der Umsatz sei im Konzern im Halbjahr um 6,0 Prozent auf 6,87 (7,31) Milliarden Euro gesunken. Branchenexperten hatten mit einem geringeren Einbruch auf rund 6,98 Milliarden Euro gerechnet.

Im zweiten Quartal weitete sich der operative Verlust (Ebta) auf 217,6 (minus 141) Millionen Euro aus. Inklusive Sonderbelastungen betrug der Verlust sogar 268,7 (minus 62) Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie belief sich zum 30. Juni auf minus 2,81 (minus 0,50) Euro.

Neuausrichtung "ohne Tabus"

Achenbach kündigte deutliche Einschnitte in vielen Bereichen des angeschlagenen Handelsriesen an. "Es darf und es wird bei dieser Neuausrichtung keine Tabus geben", sagte er im Halbjahresbericht. KarstadtQuelle werde sich wieder auf seine Kerngeschäftsfelder konzentrieren, zugleich aber auch das bislang eher schwach entwickelte Auslandsgeschäft vorantreiben. "Zu meinen Prioritäten gehört die zügige Forcierung der Internationalisierung."

Händler warnen vor der Aktie

Der Markt reagierte auf die Zahlen mit einem Abschlag. Die Aktie verlor im frühen Handel rund 1,7 Prozent auf 16,26 Euro.

"Diese Zahlen sehen furchtbar aus", sagte ein Börsianer. Vor allem der Ausblick sei negativ zu werten - er sei, so wörtlich, "desaströs". Die schlechten Umsatzzahlen fielen auf. "Karstadt braucht eigentlich nichts sehnlicher als Umsatzzuwächse", sagte ein weiterer Händler.

"Man sollte die Finger von der Aktie lassen", sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer wollte die Ergebnisse jedoch nicht überbewerten. Die Zahlen seien ja schlecht erwartet worden, sagte er. Es komme nun darauf an, ob KarstadtQuelle generell den Turnaround schaffe. "Das neue Management muss beweisen, ob es das Ganze umkrempeln kann", sagte er.