Thilenius-Kolumne Das Trauerspiel Nokia

Ist der Handy-Hersteller Nokia in einer lang anhaltenden Krise gefangen, oder ist das Tal der Tränen vielleicht schon durchschritten? Der Vergleich mit anderen Branchenführern macht Mut, Investoren können auf einen Turnaround hoffen.

Ein sehr versierter Börsenfachmann hat die Kursentwicklung der Nokia-Aktie kürzlich als Trauerspiel bezeichnet. Die Aktie des weltweit führenden Handyherstellers war im Sog des Abschwungs der Technologiewerte im Jahr 2003 bis auf unter zwölf Euro gefallen. Im Zuge der Erholung der Technologiewerte erholte sich der Kurs im Frühjahr wieder auf knapp 19 Euro.

Aber anders als andere große Technologiewerte, die unter Schwankungen ihre Kurserholung fortsetzten, brach der Nokia-Kurs aufgrund schlechter Nachrichten im ersten Quartal und zweiten Quartal 2004 wieder ein. Aktuell notiert der Titel unter der Marke von zehn Euro. Hierin liegt das Trauerspiel.

Dies kann jedoch für den geduldigen Investor eine Chance sein. Denn die Vergangenheit lehrt, dass erstklassige Unternehmen, die kurzfristig in Turbulenzen geraten, im Anschluss zu neuen Kurssteigerungen ansetzen. Häufig sind derartige Unternehmen - vom Erfolg verwöhnt - ein wenig träge geworden. In dieser Lage werden sie dann von neuer Kongruenz oder anderen unangenehmen Entwicklungen überrascht.

Prominente Beispiele für derartige Entwicklungen sind General Electric  in den 1980er Jahren vor der Ankunft von Jack Welsh, DaimlerChrysler  und Porsche  in der Autokrise vom Anfang der 1990er Jahre. Diese und viele andere Unternehmen blieben Marktführer in ihren Branchen, haben die hausgemachten oder von Außen kommenden Krisen überwunden und wenig später zu neuer Stärke zurückgefunden.

Nach dem Ausverkauf ist die Aktie günstig

Die Entwicklung der Aktienkurse dieser Unternehmen verlief nach Überwindung der Krise sehr dynamisch. Erst gab es jedoch in den meisten Fällen einen regelrechten Ausverkauf, bei dem niemand mehr die Aktie haben wollte - so wie derzeit bei Nokia.

Nokia ist nach wie vor Marktführer im Handygeschäft trotz der großen Konkurrenz von Samsung  und anderen asiatischen Herstellern. Die Finnen haben zudem, anders als viele andere Technologieunternehmen, immer Gewinne verbucht.

Für das Jahr 2005 wird derzeit ein Gewinn von 0,69 Euro pro Aktie erwartet. Das bringt die Aktie bei der derzeitigen Bewertung auf ein Kursgewinnverhältnis (KGV) von etwa 14. Das KGV von 2005 für den Dax liegt bei 12 für den Eurostoxx 50 bei 11,5.

Der Handy-Markt wächst noch immer

Das erstklassige Unternehmen Nokia ist damit nicht sehr weit von der durchschnittlichen Bewertung der Indizes entfernt. Dies ist für die Aktie ein historisch niedriger Wert, schließlich wächst der Handymarkt noch immer dynamisch, wenn auch Sättigungserscheinungen zu sehen sind.

Die sukzessive Einführung der neuen Geräte für UMTS bringt zusätzliches Marktpotential. Für diese Geräte werden auch höhere Gewinnmargen erzielt als die bisherigen Geräte, die nur Sprache übertragen. Weiter am Horizont stehen weitere technische Neuentwicklungen, von denen Nokia auf absehbare Zeit weiter profitieren sollte.

Wer Zeit hat, und sich auch von weiteren kurzfristigen Enttäuschungen der fundamentalen Entwicklung nicht beirren lässt, kann hier einen Qualitätswert zum langjährigen Tiefkurs kaufen. Das Erholungspotential ist beachtlich. Übrigens: Der Kurs von Nokia-Kronkurrent Ericsson  hat sich nach einem ähnlichen Ausverkauf und der Überwindung einer Unternehmenskrise seit dem Ausverkauf 2002 mehr als vervierfacht.

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