Infineon Börse bewertet die Zahlen positiv

Deutlich erhöhte Rückstellungen für ein US-Wettbewerbsverfahren haben Infineon die Bilanz verhagelt. Der Konzern rutscht im dritten Quartal in die Verlustzone. Beobachter zeigen sich uneins über die Zahlen. Die Aktie dreht am Vormittag ins Plus.

München - Der Konzernfehlbetrag belief sich im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2003/2004 auf 56 Millionen Euro, wie die Infineon Technologies AG  am Dienstag in München berichtete. Der Umsatz stieg auf 1,908 Milliarden Euro nach 1,47 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Infineon hat nach eigenen Angaben die Rückstellungen hinsichtlich der laufenden Untersuchungen im DRAM-Halbleiter-Verfahren in den USA sowie mit Blick auf mögliche Zivilklagen um 184 Millionen Euro auf 212 Millionen Euro erhöht. Diese Rückstellungen führten zu dem Konzernfehlbetrag im Vergleich zu einem Überschuss von 39 Millionen Euro im Vorquartal und einem Fehlbetrag von 116 Millionen Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Börsianer zeigten sich in ersten Reaktionen über die Zahlen uneins. Außer dem Umsatz hätten alle Daten deutlich unter den Erwartungen gelegen, sagte ein Händler. "Die Zahlen sind absolut negativ, mehr gibt es nicht zu sagen." Analysten hatten zuvor mit einem Plus beim Ergebnis gerechnet.

Bereinigt um die überraschende Rückstellung seien die Zahlen "auf breiter Front" besser ausgefallen als erwartet, sagte ein anderer Marktteilnehmer. Nach einem nervösen Auftakt drehten die Aktien von Infineon  am Vormittag mit rund 1,5 Prozent auf 9,44 Euro ins Plus und setzten sich damit an die Spitze des Dax . Der Index selbst gab zunächst rund ein halbes Prozent nach, reduzierte die Verluste am Vormittag dann aber auf 0,2 Prozent oder 3806 Zähler.

Weitere Rückstellungen nicht ausgeschlossen

Weitere Rückstellungen schließt das Dax-Unternehmen nicht aus. "In Anbetracht der Unsicherheiten über den möglichen Ausgang der fortlaufenden Untersuchungen und der damit verbundenen Strafen und Schadenersatzansprüche sowie möglicher künftiger Kosten kann Infineon zur Zeit die vollen finanziellen und anderen Auswirkungen dieser Untersuchungen, Klagen und Ansprüche nicht vorhersehen", hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung.

Das US-Justizministerium hatte Infineon zufolge im Juni 2002 eine Untersuchung wegen möglicher Verletzungen von US-Wettbewerbsgesetzen in der DRAM-Industrie begonnen. Auch Infineons nordamerikanische Tochtergesellschaft wurde befragt. Nach dem Beginn der Untersuchung seien insgesamt 25 Sammelklagen gegen Infineon und andere DRAM-Hersteller bei verschiedenen US-Bundesgerichten und Gerichten von US-Bundesstaaten erhoben worden.

Die Klagen behaupten Verletzungen von bundes- oder einzelstaatlichen Kartell- und Wettbewerbsrecht und streben "erheblichen Schadenersatz" an, wie Infineon weiter meldete. Infineon sei ebenfalls von einigen seiner wichtigen Kunden wegen Schadenersatzansprüchen angesprochen worden, die aus Infineons vermeintlich wettbewerbsschädlichen Verhalten resultierten.

Auch in Europa muss sich Infineon Fragen stellen. Der Konzern beantworte ein Auskunftsersuchen der Europäischen Kommission vom April 2003 in Bezug auf den europäischen Markt für Speicherprodukte.

Optimistischer Ausblick

Optimistischer Ausblick

"Der weltweite Halbleitermarkt hat im Verlauf der letzten drei Monate beträchtlich an Dynamik zugelegt", erklärte Infineon-Interimschef Max Dietrich Kley am Dienstag in München. "Dass wir - ohne die für das Wettbewerbsverfahren gebildeten Rückstellungen - von dieser Entwicklung profitieren konnten, spiegelt sich in unseren verbesserten Finanzergebnissen wieder."

Infineon sei auf dem richtigen Weg, sagte Kley, der spätestens im September von Continental-Manager Wolfgang Ziebart abgelöst wird. "Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2003/04 erwarten wir weitere Zuwächse bei Umsatz sowie beim Konzernüberschuss."

Vor Steuern und Zinsen (Ebit) verbuchte Infineon von April bis Juni einen Gewinn von zwei Millionen Euro nach 71 Millionen Euro im Vorquartal. Ohne Berücksichtigung der Rückstellungen habe sich ein operativer Gewinn von 186 Millionen Euro ergeben.

Automobil- und Industriehalbleiter bleiben stark

Den Quartalsumsatz bezifferte der Konzern auf 1,91 Milliarden Euro nach 1,67 Milliarden Euro im Vorquartal - rund 100 Millionen Euro mehr als von Reuters befragte Analysten im Schnitt geschätzt hatten. Beim Ebit waren die 29 Experten von 141 Millionen Euro ausgegangen.

Im dritten Quartal entwickelten sich sowohl die Sparte Automobil- und Industriehalbleiter sowie der Bereich Chips für den Mobilfunk wie erwartet stark. Das Segment Festnetzkommunikation fiel wegen Abschreibungen operativ mit 35 Millionen Euro tiefer in die Verluste. Die Speichersparte schrieb vor Steuern und Zinsen einen Verlust von 50 Millionen Euro nach einem Plus von 13 Millionen Euro im Vorquartal, wobei hier die gebildeten Rückstellungen zu Buche schlugen.

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