Die Steuer-Kolumne Nach der Arbeit das Vergnügen

Wer seinen Heim-PC auch beruflich nutzt, kann das Gerät steuerlich absetzen. Zwar sträubte sich in der Vergangenheit das Finanzamt häufig, mittlerweile hat der Bundesfinanzhof jedoch für klare Verhältnisse gesorgt.
Von Hartmut Fischer

Der PC gehört heute zur Ausstattung der meisten Haushalte. Da das Gerät in vielen Fällen sowohl für private als auch für dienstliche Zwecke genutzt wurde, kam es immer wieder zu Streitereien mit den Finanzämtern, ob das Gerät steuerlich absetzbar ist oder nicht. Der Bundesfinanzhof hat hierzu ein interessantes Urteil gefällt.

Die Kernaussagen des Urteils lauten:

  • Ein privat angeschaffter und in der privaten Wohnung aufgestellter PC kann ein Arbeitsmittel sein. Eine private Mitbenutzung ist unschädlich, soweit sie einen Nutzungsanteil von etwa 10 Prozent nicht übersteigt
  • Die Kosten eines gemischt genutzten PC sind aufzuteilen
  • Die Peripherie-Geräte einer PC-Anlage sind regelmäßig keine geringwertigen Wirtschaftsgüter
In der Urteilsbegründung bestreitet das Gericht die Annahme der Finanzbehörde, dass bei einem in privaten Räumen aufgestellten PC grundsätzlich von einer rein privaten Nutzung auszugehen sei. Der Bundesfinanzhof vertritt hier die These, dass es sich bei einem PC um Werbungskosten handelt, wenn ein objektiver Zusammenhang zwischen dem angeschafften PC und dem Beruf des Inhabers besteht und das Gerät tatsächlich für berufliche Zwecke genutzt wird.

Für das Gericht war also nicht die theoretische Möglichkeit entscheidend, dass der PC privat genutzt wird, sondern die tatsächliche Verwendung.

Privat ist erlaubt - aber nur in Maßen

Dabei kann der PC durchaus auch privat genutzt werden. Der Anteil der privaten Nutzung darf jedoch 10 Prozent der Gesamtauslastung nicht überschreiten. Daraus lassen sich zwei Rückschlüsse ziehen:

  • Personen, die einen Beruf ausüben, in dem der Einsatz eines PCs zwingend notwendig ist, können die Kosten hierfür steuerlich geltend machen, wenn sie nachweisen, dass der Rechner zu mindestens 90 Prozent für berufliche Zwecke genutzt wird
  • Rechner, die in betrieblichen Räumen stehen, sind grundsätzlich als Arbeitsmittel anzusehen. Werden diese zu 10 Prozent oder weniger privat genutzt, wirkt sich dies steuerlich nicht aus. Die Einnahmen müssen also nicht um den privaten Nutzungsanteil erhöht werden
Das vorinstanzliche Gericht hatte ausgeführt, dass bei einem privat installierten Rechner von einem beruflichen Nutzungsanteil von circa 35 Prozent auszugehen sei. Dieser Wert war vom Gericht geschätzt worden.

Der Bundesfinanzhof fühlte sich hieran nicht gebunden, da diese Schätzung nach seiner Meinung auf unzutreffenden Voraussetzungen beruhe, da es einen allgemeinen Erfahrungssatz als Basis der Schätzung nicht gebe.

Drucker und Scanner sind keine geringwertigen Wirtschaftsgüter

Probleme beim Schätzen des Nutzungsanteils

Für den beim Gericht anhängigen Streitfall legte das Gericht fest, dass das vorinstanzliche Gericht den Fall neu verhandeln müsse und dabei - falls der Nachweis der nahezu ausschließlichen beruflichen Nutzung nicht geführt werden könne - eine Schätzung vorzunehmen sei. Dabei darf das Gericht allerdings keine überhöhten Werte annehmen.

Dabei räumt der erkennende Senat des Bundesfinanzhofes durchaus ein, dass es in der Praxis bei der Bestimmung eines beruflichen Nutzungsanteils zu Problemen kommen kann. Deshalb legte er in der Urteilsbegründung fest:

Kann ein Steuerpflichtiger indes nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, dass er einen PC (jedenfalls) in einem nicht unwesentlichen Umfang beruflich nutzt beziehungsweise genutzt hat, so erscheint es - auch aus Vereinfachungsgründen - regelmäßig vertretbar, dass (seitens der Verwaltung) typisierend und pauschalierend von einer jeweils hälftigen privaten beziehungsweise beruflichen Nutzung des PCs ausgegangen wird. Will der Steuerpflichtige oder das Finanzamt von diesem Aufteilungsmaßstab abweichen, so bedarf es zusätzlicher Anhaltspunkte und Umstände, die von dem betreffenden Beteiligten jeweils näher darzulegen sowie nachzuweisen beziehungsweise glaubhaft zu machen sind.

Aufteilung muss noch geklärt werden

Übersteigt der private Nutzungsanteil 10 Prozent der Gesamtnutzung, so kann eine Aufteilung der Kosten stattfinden. Allerdings hat der Bundesfinanzhof in diesem Bereich die Klage zurückgegeben, da er diesen Teil nicht abschließend entscheiden könne.

Das vorinstanzliche Finanzgericht hatte nämlich keine Feststellungen zum tatsächlichen Umfang der beruflichen Nutzung des häuslichen PCs durch den Kläger getroffen. Dies muss jetzt nachgeholt werden. Kommt das Gericht dabei zu dem Ergebnis, dass der Kläger den PC in nicht unwesentlichem Maße auch privat genutzt hat (also über 10 Prozent) sind die Aufwendungen nach Vorgabe des Bundesfinanzhofes entsprechend aufzuteilen. Paragraf 12 Nr. 1 Satz 2 EStG steht einer solchen Aufteilung nicht entgegen.

Drucker sind keine geringwertigen Wirtschaftsgüter

Da man nur im Ausnahmefall einen PC in einer Preisklasse unter 410 Euro (Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter) erhält, stellt sich die Frage nach der Einstufung des Rechners nicht. Anders verhält es sich mit Druckern und Scannern. Doch auch hier stellt der Bundesfinanzhof klar, dass es sich nicht um geringwertige Wirtschaftsgüter handelt.

Um geringwertige Wirtschaftsgüter handelt es sich nämlich nur dann, wenn das Gut "einer selbstständigen Nutzung" fähig ist. Dazu führt der Finanzhof aus: "Ein Wirtschaftsgut ist einer selbständigen Nutzung nicht fähig, wenn es nach seiner betrieblichen Zweckbestimmung nur zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern genutzt werden kann und die in den Nutzungszusammenhang eingeführten Wirtschaftsgüter technisch aufeinander abgestimmt sind (Paragraf 6 Abs. 2 Satz 2 EStG)."

Eine Ausnahme sieht das Gericht bei so genannten Kombigeräten, die zum Beispiel nicht nur als Drucker sondern - unabhängig vom Rechner - auch als Kopierer oder Faxgerät genutzt werden können. Die Festlegung gilt ebenfalls nicht für externe Datenspeicher, die auch unabhängig zum Beispiel für den Transport der Daten genutzt werden können.

Somit kann ein Kombigerät bei einem Netto-Anschaffungspreis von unter 410 Euro im Jahr der Anschaffung als geringwertiges Wirtschaftsgut abgeschrieben werden.

Man sollte unbedingt an Hand des Urteils prüfen, ob nicht die Möglichkeit besteht, die Kosten der heimischen PC-Ausstattung zumindest zu einem Teil steuerlich geltend zu machen.

Das Urteil wird in einer ausführlichen Pressemitteilung des Bundesfinanzhofes besprochen, die Sie hier aufrufen können  . Das Urteil vom 28. April 2004, das jetzt veröffentlicht wurde, trägt das Aktenzeichen VI R 135/01.

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