Chipbranche "Gute Kunden wichtiger als schwarze Zahlen"

Der Chipausrüster Aixtron übernimmt den US-Konkurrenten Genus und hebt zudem seine Umsatz- und Gewinnprognose an. Dennoch bleiben Anleger vorsichtig: Analysten bemäkeln den Kaufpreis für den defizitären US-Chipausrüster.

Frankfurt am Main - Nach anfangs deutlichen Gewinnen sind die Aktien des Halbleiterausrüsters Aixtron  am Freitag ins Minus gerutscht. Aixtron hatte am Morgen seine Umsatz- und Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben und die Übernahme des US-Unternehmens Genus angekündigt. Am Morgen hatte die Aixtron-Aktie noch um knapp 5 Prozent zugelegt.

Aixtron hat seine Umsatz- und Gewinnprognose für das Gesamtjahr erhöht. Das Unternehmen erwarte auf Grund der "erfreulichen Geschäftsentwicklung" im ersten Halbjahr in 2004 einen Umsatz von 130 bis 140 Millionen Euro, hieß es.

Die Aachener wollen zudem das amerikanische Unternehmen Genus per Aktientausch für insgesamt 117,7 Millionen Euro übernehmen. Die Übernahme soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden.

Übernahme von Genus per Aktientausch

Die Genus-Aktionäre sollen je Aktie 0,51 Aixtron-Hinterlegungsscheine (American Depository Receipt/ADR) erhalten, wobei ein ADR einer Aixtron-Aktie entspricht. Bis zur endgültigen Übernahme strebt Aixtron eine Notierung seiner ADRs an der US-Technologiebörse Nasdaq an.

Nach Abschluss der Transaktion werden die Aixtron-Aktionäre rund 74 Prozent und die Aktionäre von Genus rund 26 Prozent an der vereinigten Gesellschaft halten. Genus wird hundertprozentige Aixtron-Tochter.

"Kunden und Technologie wichtiger als schwarze Zahlen"

"Kunden und Technologie wichtiger als schwarze Zahlen"

Bei dem Halbleiterausrüster Genus handelt es sich um ein Unternehmen, das rote Zahlen schreibt. 2003 verzeichnete Genus nach eigenen Angaben einen Nettoverlust von 3,5 Millionen US-Dollar. Der Umsatz lag bei 56,9 Millionen Dollar. "Genus hat gute Kunden und gute Technologien - das ist für uns wichtiger als schwarze Zahlen", sagte Aixtron-Finanzvorstand Chris Dodson auf Anfrage.

Vorstandsvorsitzender Paul Hyland sagte, beide Unternehmen ergänzten sich perfekt. "Aixtron bringt sein Know How bei komplexen Materialsystemen für Halbleiter und Genus sein Wissen bei neuen Beschichtungs-Technologien für diese Materialien ein. Damit sind wir für den nächsten Investitionszyklus in der Halbleiterindustrie hervorragend aufgestellt."

Analysten bemängeln Kaufpreis

Im Jahr 2003 betrug der Umsatz beider Unternehmen zusammen rund 142 Millionen Euro. Vorstand und Aufsichtsrat von Aixtron und der Vorstand von Genus haben der Transaktion bereits zugestimmt. Nun steht noch die Zustimmung der Aktionäre beider Unternehmen sowie der zuständigen Aufsichtsbehörden in den USA an.

Analyst Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) bestätigte die Aktie nach den Nachricht mit "Underperformer". Die Umsatzgrößen übertrafen die LRP-Schätzungen zwar leicht, allerdings lag das von dem Unternehmen erwartete Nettoergebnis von 2 bis 5 Millionen Euro unter den LRP-Prognosen von 5 Millionen Euro, wie aus der Studie vom Freitag hervorgeht.

Auch die Übernahme des US-Unternehmens Genus bewertete Hofmann negativ. Der Kaufpreis sehr "nur auf den ersten Blick relativ günstig aus". Schließlich habe Genus selbst im Boomjahr 2000 keine Gewinne erwirtschaftet, damit relativiere sich die Offerte wieder.

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