Märkte Stresstest für den Dax

In den USA sind im Juni deutlich weniger Jobs entstanden als erwartet. Wer auf eine rasante Erholung der US-Wirtschaft gesetzt hat, sieht sich enttäuscht. Dow und Dax bauen ihre Verluste aus, der Euro klettert rasant.

Frankfurt am Main - Bis zum frühen Nachmittag pendelte der Dax  noch knapp unter seinem Vortagesschluss bei 4034 Punkten. Die US-Arbeitsmarktdaten für Juni, die um 14.30 Uhr MEZ veröffentlicht wurden, versetzten den Indizes jedoch einen Dämpfer: Der Beschäftigungszuwachs in den USA hat sich im Juni deutlich verlangsamt.

Die Zahl der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft kletterte lediglich um 112.000, teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von 250.000 Stellen gerechnet. Die Arbeitslosenquote blieb erwartungsgemäß unverändert bei 5,6 Prozent.

Dow Jones  und Nasdaq Composite  starteten nach den enttäuschenden Daten vom Arbeitsmarkt erneut mit Verlusten. In der Folge baute auch der Dax seine verluste auf 1,1 Prozent aus und fiel unter die Marke von 4000 Zählern.

Beeinflusst von der Zinswende und von wieder steigenden Ölpreisen hatten die US-Börsen bereits am Vortag schwächer geschlossen. Viele Anleger nahmen angesichts des bevorstehenden langen Wochenendes Glattstellungen vor, weil sie keine Risiken eingehen wollten. Am Montag sind die US-Börsen und -Finanzmärkte wegen des Unabhängigkeitsfeiertages (4. Juli) geschlossen.

"Der einzige positive Aspekt an den Arbeitsmarktdaten in den USA ist, dass eine aggressive Zinserhöhung durch die Fed in den kommenden Monaten unwahrscheinlich wird", sagte ein Händler. Die Zahlen belegen jedoch, dass der Aufschwung in den USA noch immer nicht voll auf den Arbeitsmarkt durchschlägt und damit nicht auf einem soliden Fundament steht.

GM meldet Absatzrückgang

Warnzeichen auch aus der Autobranche: General Motors  hatte im vergangenen Monat im heimischen Markt trotz hoher Verkaufshilfen einen Absatzrückgang von 15,1 Prozent verbucht. Der Verkauf bei Ford  fiel ebenfalls. Immerhin konnten die deutschen Autobauer - abgesehen von Volkswagen  - die Absätze in Amerika steigern.

Zudem habe der erneute Anstieg der Ölpreise die Stimmung am Markt belastet, sagten Börsianer. Die Trendwende an den Ölmärkten hatten die wieder gesunkenen Ölvorräte der USA und die Feststellung Saudi-Arabiens, die Ölpreise bewegten sich derzeit auf einem angemessenen Niveau, ausgelöst.

"Das sind keine guten Nachrichten. Wir könnten erleben, dass der Ölpreis wieder auf 40 Dollar anzieht", sagte Michael Metz, Stratege bei Oppenheimer & Co. Für ein Barrel (knapp 159 Liter) der marktführenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im August wurden am Abend in London mit 36,05 Dollar 1,55 Dollar mehr als am Vortag verlangt.

VW drückt den Dax - RWE gefragt

Keine guten Vorgaben also für den Dax , der am Nachmittag seine Verluste auf 0,6 Prozent ausbaute. Zu den wenigen klaren Gewinnern zählte am Freitag die Aktie des Energieversorgers RWE . Die Deutsche Bank hatte sich positiv zu dem Wert geäußert und das Kursziel auf 46 Euro erhöht. RWE hatte am Vortag im Rahmen einer Investorenkonferenz über die Aussichten für das Stromgeschäft informiert.

Autowerte zählten nach den Absatzzahlen aus dem wichtigsten Exportmarkt USA zu den Verlierern. So brach die Aktie von Volkswagen  um 2,13 Prozent auf 33,62 Euro ein. BMW  sanken um 0,97 Prozent auf 35,69 Euro und DaimlerChrysler  gaben um 0,93 Prozent auf 37,69 Euro nach. Einzig Porsche  hatte bei den US-Verkaufszahlen positiv überrascht.

Aixtron will zukaufen

Im TecDax  könnte die Aktie von Aixtron  in den Blick der Anleger rücken. Der deutsche Halbleiterausrüster Aixtron will das amerikanische Unternehmen Genus für insgesamt 117,7 Millionen Euro übernehmen.

Die Transaktion solle durch einen Aktientausch bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden. Die Aktionäre des Halbleiterausrüsters Genus sollen je Aktie 0,51 Aixtron-Hinterlegungsscheine (American Depository Receipt/ADR) erhalten, wobei ein ADR einer Aixtron-Aktie entspricht.

Billigflieger-Zoff in Hannover

Die Nachrichten aus den Unternehmen jedenfalls können am Freitag kaum Impulse für den Dax liefern. So zeichnet sich in der Reisebranche ein handfester Streit ab. Der Reisekonzern Tui  droht dem Flughafen Hannover Presseberichten zufolge für den Fall einer Ansiedlung der Billigfluglinie Easyjet mit der Verlagerung des Tui-Ferienfliegers Hapag-Lloyd-Flug.

Davon seien möglicherweise rund 1100 Arbeitsplätze am Flughafen betroffen, schreiben die "Hannoversche Allgemeine" und die "Neue Presse". Im Streit um die Ansiedlung von Easyjet hatten bereits die Billigflieger Hapag-Llyod-Express, Air Berlin und German Express mit dem Rückzug aus Hannover gedroht.

Siemens legt Standortpläne auf Eis

Die Siemens  hat derweil Pläne zum Ausbau des Standorts Braunschweig vorläufig auf Eis gelegt. Grund sei, dass die Höhe des Vergabevolumens der Deutschen Bahn noch nicht bekannt sei, sagte ein Sprecher der Siemens-Sparte Transportation Systems der "Braunschweiger Zeitung" (Freitag).

Die Bahn sei aber einer der Hauptkunden im Geschäftsgebiet Bahnautomatisierung. Ursprünglich habe Siemens rund elf Millionen Euro in Erweiterungsbauten in Braunschweig investieren wollen. Dort arbeiten etwa 3600 Mitarbeiter.

EM.TV: Schadenersatz von Haffa gefordert

EM.TV: Schadenersatz von Haffa gefordert

Der Filmrechtehändler EM.TV  fordert von früheren Vorständen und Aufsichtsräten wegen Fehlverhalten beim Erwerb der Formel-1-Beteiligung im Jahr 2000 rund 130 Millionen Euro Schadenersatz.

Betroffen seien die früheren Vorstandsmitglieder Thomas und Florian Haffa, Ulrich Goebel und Hans-Peter Vriens sowie die ehemaligen Aufsichtsratsmitglieder Nickolaus Becker, Axel Kollar und Mathias Schwarz, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend nach Börsenschluss mit.

EADS will nächste Ariane-Generation bauen

Das Nachfolgemodell der heutigen Ariane-Rakete soll einem Pressebericht zufolge von einem neuen Gemeinschaftsunternehmen aus dem Luftfahrtkonzern European Aeronautic Defence and Space Company (EADS)  und dem italienischen Finmeccanica-Konzern entwickelt und gebaut werden.

Die Sparte EADS Space Transportation und Finmeccanica hätten in einem Vorvertrag ein Unternehmen mit 70 Prozent EADS- und 30 Prozent Finmeccanica-Anteil vereinbart, berichtete die "Financial Times Deutschland". Das Unternehmen solle als industrieller Generalunternehmer für die nächste Raketengeneration tätig werden, sagte der Leiter wieder verwendbare Systeme der EADS Space Transportation, Axel Roenneke, der Zeitung. Die Ablösung der Ariane 5, die seit diesem Jahr von der EADS als Hauptauftragnehmer gebaut wird, wird 2020 erwartet.

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