US-Wirtschaft Zeit für eine Atempause

Die Konjunkturerholung in den USA gerät ins Stocken. Analysten sehen aber immer noch ein hohes Wachstumsniveau. Für die US-Notenbank Fed könnte die Verlangsamung bedeuten, dass sie wie geplant bei maßvollen Zinserhöhungen bleiben kann.

New York - Der Einkaufsmanager-Index fiel auf 61,1 von 62,8 Punkten im Vormonat, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Donnerstag mitteilte. Auch in Deutschland und der Euro-Zone verlor die Erholung der Industrie einer anderen Umfrage zufolge etwas an Schwung. Da das Wachstum hier aber noch auf wackligen Beinen steht, erwartet kaum jemand eine baldige Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB).

"Von den Beschäftigungs- und anderen Zahlen wissen wir, dass der Industriesektor gut läuft, auch wenn er hier und da einmal eine Atempause einlegt", sagte Volkswirt David Littmann von der Comerica Bank zum US-Index. Steven Wieting von der Citigroup sah in den Zahlen wie viele andere Volkswirte eine Verlangsamung auf hohem Niveau: "Sie zeigen immer noch eine lange Reihe von Industrieunternehmen, die in gesundem Maße wachsen."

Richard DeKaser von der National City Corp erwartet für das zweite Quartal einen geringen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts. Er rechnet mit einer Wachstumsrate von auf das Jahr hochgerechnet 3,5 Prozent nach 3,9 Prozent im ersten Vierteljahr.

Fed will Zinsen weiter maßvoll anheben

Analysten hatten im Schnitt genau diesen Rückgang des ISM-Indexes vorausgesagt. Ein Index-Wert von über 50 Punkten deutet auf eine Expansion im Verarbeitenden Gewerbe hin, Werte darunter zeigen ein Schrumpfen an. Der Beschäftigungsindex gab auf 59,7 (Mai 61,9) Punkte nach. Auch bei den Neuaufträgen ergab sich mit 60,0 (62,8) Zählern ein verlangsamter Zuwachs. Der Teilindex für die bezahlten Preise sank auf 81,0 (86,0) Punkte.

Die Fed leitete am Mittwoch mit der ersten Erhöhung der Leitzinsen seit mehr als vier Jahren einen neuen Zinszyklus ein. Der Schlüsselzins stieg um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent. Die Fed bekräftigte, die Geldpolitik künftig weiter in gemäßigtem Tempo straffen zu wollen. Von Reuters befragte Volkswirte rechnen nun mit weiteren moderaten Zinsschritten im August und in den kommenden 18 Monaten. Primärhändler rechnen mit weiteren Zinserhöhungen von 25 Basispunkten. Bis Ende des Jahres erwarten sie im Mittel einen Leitzins von 2,0 Prozent.

Europa schwächelt leicht

Auch in der Euro-Zone ließ die Dynamik in der Industrie etwas nach. Der Reuters-Einkaufsmanager-Index (EMI) für Deutschland fiel überraschend auf 55,9 von 56,2 Punkten im Mai, wie das Institut NTC mitteilte. Da sich auch das Wachstum der Auslandsnachfrage abschwächte, sprach NTC jedoch von einem Warnsignal für die allein am Export hängende Konjunkturerholung. Während auch in Italien und Großbritannien das Tempo nachließ, nahm in Frankreich die Industrie-Erholung Fahrt auf. Der EMI für die gesamte Euro-Zone sank leicht auf 54,4 von 54,7 Punkten.

Die EZB sieht nach den Worten ihres Präsidenten Jean-Claude Trichet nach wie vor keinen Bedarf für eine Zinserhöhung nach dem Beispiel der US-Notenbank. "Die Risiken für die Preisstabilität sind ausgeglichen, deshalb ändern wir unsere Geldpolitik nicht", sagte er nach der EZB-Ratssitzung, die beschlossen hatte, den Schlüsselzins in der Euro-Zone bei 2,0 Prozent zu lassen.

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