Stimmungshoch In Japan geht die Sonne auf

Nach jahrelanger Krise blickt die japanische Wirtschaft wieder überraschend optimistisch in die Zukunft. Die Stimmung in den Manageretagen der Großindustrie ist so gut wie seit 13 Jahren nicht mehr, berichtet die Bank of Japan.

Tokio - Auch kleinere Unternehmen, die in der bisherigen wirtschaftlichen Erholung hinterherhinkten, blicken dem am Donnerstag vorgelegten Quartalsbericht Tankan zufolge inzwischen optimistisch aufs laufende Geschäftsjahr. Der Tankan-Bericht gehört zu den wichtigsten Indikatoren für die Konjunktur der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Die neuen Daten übertrafen die bereits positiven Erwartungen an den Finanzmärkten und gaben den japanischen Aktienbörsen einen kräftigen Schub. "Das sind ohne Zweifel starke Daten", sagte Robert Feldman, Chef-Volkswirt bei Morgan Stanley. Der Dollar geriet gegenüber dem Yen unter Druck.

Der Diffusionsindex für die Wirtschaftsstimmung bei Großunternehmen des verarbeitenden Gewerbes kletterte den Angaben zufolge auf 22 und damit den höchsten Stand seit August 1991. Von Reuters befragte Volkswirte hatten einen Stand von 17 nach 12 im März erwartet. Der Index bildet den Saldo von Einschätzungen eines günstigen und eines ungünstigen Geschäftsumfeldes ab.

Auch bei Unternehmen des nicht verarbeitenden Gewerbes hellte sich die Stimmung auf 9 auf. Analysten hatten durchschnittlich mit einem Indexstand von 5 gerechnet. Der Index für kleinere Unternehmen wies mit plus 2 nach minus 3 im März erstmals seit November 1991 einen positiven Stand aus.

Heimische Wirtschaft gewinnt an Schwung

"Sehr starkes verarbeitendes Gewerbe", sagte Richard Jerram von ING Securities. "Das hatte sich zwar schon mit dem deutlichen Produktionswachstum in den vergangenen Monaten angedeutet, aber trotzdem ist das eine überraschend gute Zahl." Die Daten für das nicht-verarbeitende Gewerbe bestätigten, "dass die heimische Wirtschaft an Schwung gewinnt. Alles in allem sind es gute Zahlen", fügte er hinzu.

Allerdings war der Ausblick der Unternehmen insgesamt eher vorsichtig und wurde durch die hohen Ölpreise und Sorgen um ein verlangsamtes Wachstum in China und den USA gedämpft. "Bei den Großunternehmen gibt es einen leichten Einbruch beim September-Ausblick", sagte Norihiro Fujito von Mitsubishi Securities. "Aber er liegt immer noch auf einem extrem hohen Niveau. Darüber hinaus haben wir positive Daten für kleinere Unternehmen. Das alles ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Wirtschaft verbessert."

Das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist aufs Jahr hochgerechnet im ersten Quartal um 6,1 Prozent gestiegen, nach einem Plus von 7,3 Prozent im Quartal davor. Das war der stärkste Zuwachs seit 13 Jahren. Die Zahlen zeigten, dass die Hauptquelle für das Wachstum nun der heimische Markt ist. In den beiden vorausgegangenen Jahren setzten faktisch die Exporte das alleinige Glanzlicht.

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