Zinswende US-Leitzins steigt um 25 Basispunkte

Die US-Notenbank hat am Mittwochabend wie erwartet den Leitzinssatz um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent erhöht und damit die Zinswende eingeleitet. Die bange Frage gilt jetzt der zukünftigen Geldpolitik. Dabei wandelt die Fed auf einem schmalen Grat.

New York - Die amerikanische Notenbank hat am Mittwochabend erwartungsgemäß den Leitzinssatz um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent erhöht. Damit steigen zum ersten Mal nach vier Jahren wieder die Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft. An der Wall Street reagierten die Aktienmärkte kaum. Finanzexperten und Volkswirte hatten diese Entscheidung einhellig erwartet. Am morgigen Donnerstag dürfte dagegen die Europäische Zentralbank (EZB) trotz der weiterhin hohen Inflation in der Euro-Zone die Leitzinsen in Höhe von 2,0 Prozent unverändert lassen, meinten Experten am Mittwoch.

Das robuste Wachstum und der aufkeimende Inflationsdruck zwangen nach Meinung der Experten die US-Notenbank zum Handeln und damit zu einem Ende der Phase rekordniedriger Leitzinsen. "Eine erste Zinserhöhung ist überfällig", schrieb die Commerzbank.

Entscheidend sei nun das künftige Tempo weiterer möglicher Leitzinserhöhungen. Die Commerzbank erwartet bis zum Jahresende eine Verdopplung des Leitzinses auf 2,00 Prozent. Das Tempo hänge in erster Linie von der Entwicklung der Kernteuerung ab. Das Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt erwartet bis zum Jahresende einen Leitzins von 1,75 Prozent.

Die US-Notenbank hatte nach dem Platzen des Internetbooms im Jahr 2000 und im Gefolge der Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 den Leitzins auf den niedrigsten Stand seit 46 Jahren gesenkt. In jüngster Zeit hatten die Währungshüter die Finanzmärkte kontinuierlich auf eine "maßvolle" Anhebung der Leitzinsen eingestimmt. Daher hätte alles andere als eine verhaltene Anhebung des Zinssatzes die Märkte in Unruhe gestürzt, so die Experten.

Börsianern zufolge warteten die Investoren weniger auf den Zinsbeschluss selbst, als auf den Kommentar, den die Fed üblicherweise nach der Zinsentscheidung veröffentlicht. Sie erhofften sich daraus Aufschlüsse über die künftige US-Geldpolitik. "Der Schlüssel wird darin liegen, ob die Fed weiterhin den Begriff 'maßvolles' Tempo verwendet, wenn sie sich zu den Zinsanpassungen im späteren Jahresverlauf äußert", sagte John Person, Analyst bei Infinity Brokerage Services. Sollte die Fed in ihrer Erklärung weitere nur moderate Zinsschritte signalisiere, könnten die Märkte die Sommer-Rally fortsetzen, fügte er hinzu.

Einkaufsmanagerindex Chicago enttäuscht kurz vor Zinsentscheid

Nur kurz vor der Entscheidung der Fed hatten Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung den Investoren an der Wall Street am Mittwoch die Kauflaune verdorben. Der Dow Jones  war leicht in die Verlustzone gefallen und pendelte kurz nach der Zinsentscheidung um seinen Vortagesschluss bei 10416 Punkten. Der Index der US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite , drehte gegen 20.40 Uhr (MEZ) mit 0,3 Prozent ins Plus und notierte bei 2041 Punkten.

Das Geschäftswachstum im Großraum Chicago hat sich im Juni deutlich verlangsamt, was an der Wall Street als Anzeichen einer Abkühlung der Konjunktur gewertet wurde. Der an den Finanzmärkten stark beachtete Chicagoer Einkaufsmanagerindex fiel auf 56,4 von 68,0 Punkten im Mai. "Der Chicagoer Bericht ist ein Signal, dass das Wirtschaftswachstum nachlässt", sagte Peter Bookvar, Stratege bei Miller Tabak & Co. Zusammen mit den erwarteten höheren Zinsen der US-Notenbank (Fed) hat dies das zu einem schwierigen Markt beigetragen, fügte er hinzu. Auch andere Marktteilnehmer warnten, die Unternehmensgewinne im dritten Quartal könnten doppelt getroffen werden, wenn sich die Konjunktur abschwächt und die Firmen höhere Kosten für Kredite bezahlen müssten.

Die Zeichen standen auf Zinserhöhung

Die jüngsten, soliden US-Konjunkturdaten sprachen eindeutig für eine Zinserhöhung: Im 1. Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt auf hochgerechneter Jahresrate um 3,9 Prozent zu. Volkswirte rechnen für das Gesamtjahr mit einem Wert von über vier Prozent.

Die Verbraucherzuversicht ist kräftig gewachsen, Investitionen steigen und damit nach langer Zeit auch die Zahl der Arbeitsplätze. In diesem Jahr wurden schon mehr als 1,2 Millionen neue Stellen geschaffen. Rund drei Millionen waren seit dem Platzen der Technologieblase 2000 abgebaut worden. Seit Januar 2001 hat die Notenbank die Zinsen 13 Mal auf ihren jetzigen Tiefstand gesenkt.

Mit den steigenden Haushaltseinkommen gehen allerdings auch die Preise nach oben: Die Inflation, im Dezember im Jahresvergleich noch bei 1,9 Prozent, stieg im Mai auf 3,1 Prozent. Anders als die Europäische Zentralbank soll die US-Notenbank neben der Funktion als Inflationshüter auch als Konjunkturankurbler fungieren.

Fed wandelt auf einem schmalen Grat

Deshalb wandert sie auf schmalem Grat, konstatierte die Commerzbank am Mittwoch. Einerseits soll der Preisauftrieb in Grenzen gehalten werden, andererseits sollen die Verbraucher, die immerhin zwei Drittel der US-Wirtschaft tragen, durch höheren Kreditzinsen nicht vom Konsum abgehalten werden.

Unmittelbare Auswirkungen einer Zinserhöhung erwarten Marktkenner aber nicht. Für eine nennenswerte konjunkturelle Bremswirkung sei ein Zinsniveau von über 5 Prozent erforderlich, so die Commerzbank. Die Hypothekenbanken haben ihre Ausleihesätze für langfristige Festzinskredite in Erwartung der Leitzinsanhebung bereits von 5,5 auf 6,5 Prozent erhöht.