Continental Brüssel hat Bedenken

Kurz nach der gelungenen Übernahme des Autozulieferers Phoenix durch Continental hat die Europäische Kommission Bedenken angemeldet. Die EU kündigte eine "vertiefte Untersuchung" der Übernahme an. Außerdem könnte die Schließung des US-Werkes in Mayfield ein neues Rekordergebnis in diesem Jahr verhindern.

Brüssel - Die Europäische Kommission hat wegen wettbewerblicher Bedenken eine vertiefte Untersuchung der Übernahme angekündigt. Man wolle prüfen, ob das Verschwinden von Phoenix als unabhängigem Wettbewerber dazu führen könne, dass Continental eine "marktbeherrschende Stellung" in den Bereichen Luftfedern und schwere Fördergurte erlange.

Continental zeigte sich dagegen zuversichtlich, dass mögliche Bedenken der Wettbewerbshüter ausgeräumt werden können. Das Unternehmen erwartet eine Entscheidung noch vor Oktober.

"Intensiver internationaler Wettbewerb"

"Wir gehen angesichts des intensiven internationalen Wettbewerbs auf den Geschäftsfeldern von ContiTech und Phoenix nach wie vor davon aus, dass es kartellrechtlich keine grundsätzlichen Probleme geben wird", sagte Conti-Chef Manfred Wennemer. Die EU-Kommission hatte die Notwendigkeit einer intensiveren Prüfung ("Phase II") vor allem mit der nötigen Prüfung in den Bereichen Luftfedern und Fördergurte begründet. Nach Einschätzung von ContiTech-Geschäftsführer Gerhard Lerch bewege sich Conti jedoch in beiden Segmenten in stark spezialisierten Produktbereichen mit einem harten internationalem Wettbewerb.

Der Continental-Konzern hatte gerade erst eine entscheidende Hürde zur Übernahme des Spezialzulieferers Phoenix genommen. Wie der Autozulieferer am Dienstag mitteilte, konnte das Unternehmen "zum Ablauf der Angebotsfrist am Montag, 24.00 Uhr, über mehr als 75 Prozent der Phoenix-Aktien verfügen". Damit sei die als Bedingung genannte qualifizierte Mehrheit erreicht. Allerdings hängt der Erfolg des Übernahmeverfahrens noch vom Ausgang des kartellrechtlichen Verfahrens der EU-Kommission ab.

Reifenproduktion im US-Werk eingestellt

Um das verlustbringende Reifengeschäft zu sanieren, wird Continental außerdem die Produktion in den USA in dem Werk Mayfield einstellen. Zum Jahresende werde die Reifenproduktion in dem US-Werk auf unbestimmte Zeit eingestellt, teilte Conti mit. Dadurch entstehe eine Sonderbelastung von bis zu 120 Millionen Dollar in diesem Jahr, die ein erneutes Rekordergebnis des Konzerns in Frage stellt.

Von der Schließung der Reifenproduktion in Mayfield (Bundesstaat Kentucky) sind rund 830 Beschäftigte betroffen. Die Einstellung kostet Conti insgesamt höchstens 140 Millionen Euro, davon werden 2004 maximal 120 Millionen Euro ergebniswirksam, wie Unternehmenssprecher Hannes Boekhoff am Mittwoch sagte.

Damit ist fraglich, ob der Autozulieferer im laufenden Jahr erneut ein Rekordergebnis vorlegen kann. Konzernchef Manfred Wennemer hatte einen neuen Bestwert wiederholt von der Höhe der Restrukturierungskosten in den USA abhängig gemacht.