Öl "Auf Zwischenfälle nicht vorbereitet"

Nach der Machtübergabe im Irak und dem Ende des Streiks in Norwegen wird Rohöl wieder billiger. Experten geben dennoch keine Entwarnung. Anschläge oder ein kalter Winter könnten den Preis wieder in die Höhe treiben.

London/New York/Hamburg - An den internationalen Ölmärkten sank am Dienstag der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zeitweise auf weniger als 33 Dollar. Bereits am Vortag hatten die Ölnotierungen deutlich nachgegeben.

In den USA fiel der Preis für Rohöl zur August-Auslieferung am New Yorker Warenterminmarkt Nymex weiter um 29 Cent auf 35,95 Dollar je Barrel. Am Montag war der New Yorker Ölpreis sogar massiv um 3,5 Prozent auf 36,24 Dollar je Barrel abgesackt. Das war die niedrigste Marke seit Ende April.

"Damit sind die Chancen gestiegen, dass der Ölpreis bald wieder zu dem Niveau von 30 Dollar je Barrel zurückkehrt", sagte Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) der Nachrichtenagentur DPA. Das hatten die Wirtschaftsforschungsinstitute bei ihrem Frühjahrsgutachten ab Mitte dieses Jahres unterstellt.

"Öl ist nach wie vor nicht knapp und die Lage entspannt sich, weil es gegenwärtig nur gute Nachrichten gibt", sagte Matthies. Setze sich diese Tendenz fort, könnten auch die Verbraucher mit fallenden Preisen rechnen.

Angst vor schlechten Nachrichten

Es gibt gute Gründe für die Entspannung. Zum 1. Juli stockt die Opec ihre Förderobergrenze um zwei Millionen Barrel pro Tag auf. Anfang August steht eine weitere Produktionserhöhung von einer halben Million Barrel pro Tag an. Außerdem wird erwartet, dass die starke Ölnachfrage Chinas angesichts der Versuche des Landes, das Wirtschaftswachstum zu bremsen, etwas nachlassen könnte.

Ob die Märkte für dieses Jahr ihren Preisgipfel hinter sich gelassen haben, sei jedoch keineswegs sicher, betonte Matthies. "Das kann sich schlagartig ändern, wenn wieder schlechte News aus dem Irak oder Saudi-Arabien kommen."

Der Ölexperte Bruce Evers von der Investmentbank Investec gab sich ebenfalls zurückhaltend. "Wenn ein kalter Winter kommt, geraten wir wirklich unter Druck", sagte er. Jeder weitere Kapazitätsverlust im Irak würde den Ölpreis erneut in die Höhe treiben, meinte auch Paul Horsnell, Abteilungsleiter für Energieforschung bei der Bank Barclays. "Auf ernsthafte Zwischenfälle sind wir nicht vorbereitet".