Hannover Rück Entscheidung über US-Zukauf naht

Der weltweit viertgrößte Rückversicherer bestätigt seine Gewinnprognose und wird bis Ende Juli über einen Zukauf in den USA entscheiden. Vorstandschef Wilhelm Zeller sieht die Chancen auf einen Zuschlag bei 50:50. Ob die niederländische ING an der anderen Seite des Tisches sitzt, ließ Zeller offen.

Frankfurt - Der weltweit viertgrößte Rückversicherer Hannover Rück  wird nach den Worten seines Vorstandschefs Wilhelm Zeller in diesem Jahr einen Überschuss von 390 bis 430 Millionen Euro erzielen. Das Ergebnis je Aktie dürfte 3,20 Euro bis 3,60 Euro betragen.

"Das gilt, wenn wir keine gigantischen Großschäden bekommen", bekräftigte Zeller am Dienstag während einer Bankenkonferenz in Frankfurt. Im kommenden Jahr werde der Überschuss noch einmal im prozentual zweistelligen Bereich zulegen. "Die Analysten erwarten, dass unser Gewinn ab 2006 dann rückgängig sein wird. Das ist aber grottenfalsch", ergänzte der Vorstandschef.

Entscheidung über Zukauf in den USA

Hannover Rück entscheidet voraussichtlich bis Ende Juli über ein Angebot für das Portfolio eines US-amerikanischen Lebensrückversicherers. Es gebe Gespräche, sagte Vorstandschef Wilhelm Zeller am Dienstag am Rande einer Konferenz in Frankfurt. Um welches amerikanische Unternehmen es geht, wollte er nicht sagen.

"Bis Ende Juli sollten wir wissen, ob wir das beerdigen oder nicht." Die Chancen, bei einem Angebot den Zuschlag zu den Konditionen der Hannover Rück bekommen, schätze er auf 50 zu 50, sagte Zeller. Auch zu einen möglichen Kaufpreis äußerte sich der Vorstandschef nicht.

Portfolio von bis zu einer Milliarde US-Dollar

Zeller betonte, dass die Hannover Rück "nicht verzweifelt" darauf angewiesen sei, seine strategische Position zu stärken. Die Hannover Rück tätige Akquisitionen zur Ergänzung. "Wir zahlen also keine strategischen Preise." Das Portfolio, um was es gehe, sei "sehr groß" und "ein ziemlicher Brocken". Es habe ein Volumen von einer halben bis 1 Milliarde US-Dollar.

ING als möglicher Verkäufer

ING als möglicher Verkäufer - mehrere Interessenten

Kürzlich hatte die "Financial Times Deutschland" gemeldet, der niederländische Finanzkonzern ING wolle sich in den USA von seinem Lebens-Rückversicherungsgeschäft trennen. Die Investmentbank Lehman Brothers sei damit beauftragt worden, das Portfolio zu verkaufen. Unter den Interessenten befänden sich der Branchenprimus Münchener Rück, der Branchenzweite Swiss Re und die Hannover Rück.

Zudem führt die Hannover Rück Zeller zufolge Gespräche über das Portfolio eines zweiten amerikanischen Unternehmens. Dies sei aber lediglich im "Vorbereitungsstadium". Überdies sei eine europäische Gesellschaft in der vergangenen Woche nach bereits abgebrochenen Verhandlungen wieder an die Hannover Rück angetreten. Auch hier wollte der Vorstandschef keine Aussage machen, um welche Unternehmen es sich handelt.

Interesse an Frankona

Zeller äußerte Interesse an dem europäischen Lebensrückversicherungs-Geschäft des US-Mischkonzerns General Electric (GE). GE-Chef Jeff Immelt habe das Lebensrückversicherungs-Geschäft aber für zwei Jahre zum Kerngeschäft erklärt, sagte der Hannover-Rück-Chef. In Europa sei GE mit Frankona präsent.

Die Aktie der Hannover Rück  notierte gegen Mittag in einem knapp behaupteten Gesamtmarkt kaum verändert.