Postbank Erleichterung beim Zieldurchlauf

Die Postbank hat sich über die Ziellinie gerettet. Die Aktie notiert am ersten Handelstag über dem Ausgabepreis. Post und Postbank wollen die Pannenserie im Vorfeld des IPO möglichst schnell vergessen, auch wenn der IPO-Erlös kleiner ausfällt als erhofft. "Wir schauen in die Zukunft", heißt es.

Frankfurt am Main - Die Aktie der Postbank  schloss am Mittwoch bei sehr hohen Handelsumsätzen mit 28,84 Euro und lag damit 1,2 Prozent über dem Ausgabepreis. Mit 28,50 Euro hatte die Konzernmutter Deutsche Post am Dienstag einen Ausgabepreis am unteren Ende der bereits gesenkten Angebotsspanne festgelegt.

Laut einer Mitteilung der Post AG war die Aktie der Postbank mehr als zweifach überzeichnet. Rund 20 Prozent des Volumens der Aktienplatzierung wurde Privatanlegern zugeteilt. Die Erleichterung über den gelungenen Börsengang der Postbank hat auch die Post-Aktie  am Mittwoch steigen lassen. In den vergangenen Wochen habe die Sorge um ein Platzen des Börsengangs den Kurs kräftig belastet, sagte ein Händler einer ausländischen Großbank in Frankfurt.

IPO nach drei Jahren Flaute

Nach der IPO-Flaute der vergangenen drei Jahre und drei abgesagten Börsengängen in diesem Jahr war die Erstnotiz auf großes Medien-Interesse gestoßen. Im Frankfurter Börsensaal standen die Journalisten so dicht gedrängt wie schon lange nicht mehr. Kurz nach der Bekanntgabe der Erstnotiz zeigten sich Postbankchef Wulff von Schimmelmann und Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel erleichtert und zufrieden. Die gereichten Hände in die Höhe gestreckt lachten die beiden Manager in die Kameras.

Ein wenig gestellt wirkte die Pose aber schon. Nach den öffentlichen Querelen um die Bewertung der Postbank und den Indiskretionen der Deutschen Bank dürfte den Managern in den vergangenen Wochen das Lachen auch gründlich vergangen sein.

"Wenn die Entwicklung so weitergeht wie zur Börseneröffnung, bin ich mit dem ersten Tag sehr zufrieden", sagte Schimmelmann gleichwohl. Dass die Postbank nicht den Einzug in den Aktienindex Dax schafft, sondern im MDax notiert wird, sah Zumwinkel gelassen. "Das ist kein Wermutstropfen."

Post erlöst weniger als erhofft

Post erlöst weniger als erhofft

Der Bonner Logistikkonzern erlöst für die verkauften Aktien rund 1,55 Milliarden Euro - etwas weniger als Post-Chef Klaus Zumwinkel zuletzt prognostiziert hatte. Damit wird die gesamte Postbank an der Börse mit rund 4,7 Milliarden Euro bewertet. Zumwinkel hatte den Wert seiner Banktochter vor einigen Monaten noch auf mindestens sechs Milliarden Euro beziffert.

Zumwinkel deutete in Frankfurt indirekt an, unter Umständen doch die Mehrheit seiner Banktochter abzugeben. "Wir wären schlechte Kaufleute, wenn wir in den nächsten Jahren nicht alle Optionen erwägen würden", sagte er. Bisher hatte Zumwinkel immer betont, auf Dauer die Mehrheit von 50 Prozent plus eine Aktie an Deutschlands größter Filialbank halten zu wollen.

Zeitweise legten die Aktien der Postbank bis auf 29,15 Euro zu. Allein bis 11.32 Uhr wechselten rund neun Millionen Aktien den Besitzer - mehr als jede andere Aktie in Deutschland.

Kräftiges Tauziehen

Zumwinkel sah in der Rückschau ein kräftiges Tauziehen zwischen Eigentümer und Investoren. Zu den Pannen bei der Vorbereitung des Börsenganges äußerte er sich zunächst nicht. "Wir schauen in die Zukunft", sagte er.

Den Ausgabepreis von 28,50 Euro hatte die Deutsche Post am Dienstagabend in Bonn mitgeteilt. Anleger und Händler hatten das Preisniveau begrüßt. Eine rege Nachfrage von Großinvestoren und Privatanlegern zum Ende der Zeichnungsfrist sicherte den wichtigsten und lange Zeit gefährdeten Börsengang in Deutschland seit drei Jahren. Bei der Zuteilung der Aktien werden Aktionäre der Deutschen Post sowie Mitarbeiter des Post-Konzerns und Postbank-Depotkunden bevorzugt.

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Händler rechnen mit Stützungskäufen am ersten Tag

"Die Fonds und Banken werden in einer konzertierten Aktion dafür sorgen, dass der Kurs in den ersten Tagen nicht unter den überraschend niedrigen Ausgabepreis fällt", sagte Florian Weber, Chef-Händler beim Börsenmakler Schnigge. Ein Analyst bezeichnete den Ausgabepreis als "sehr günstig". Die Postbank sei gemessen an ihrer Dividendenrendite für Anleger attraktiv.

In den Analysten-Berichten zum Börsengang standen zwar keine expliziten Bewertungen - es lässt sich aber eine breite Spanne für den Wert der Postbank von etwa 4,7 Milliarden bis gut sechs Milliarden Euro ableiten. In den Büchern der Post steht die - gemessen an der Marktkapitalisierung - viertgrößte deutsche Bank mit 4,88 Milliarden Euro.

"Dieser Ausgabepreis ist jetzt attraktiv und lässt auch Spielraum nach oben zu", sagte Gottfried Heller, Chef der Fiduka Depotverwaltung. Mit dem Emissionspreis könnten sowohl die Postbank als auch Investoren leben, sagte ein Händler.

Preis am unteren Rand der neuen Spanne

Die Post hatte die Aktie in einer gesenkten Preisspanne von 28 bis 32 Euro zum Kauf angeboten. Zuvor hatten sich bei der Spanne von 31,50 bis 36,50 Euro nicht genügend Anleger gefunden. Damit wurde Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel zu einem niedrigeren Preis gezwungen, um den gesamten Börsengang nicht platzen zu lassen.

Sowohl Fondsgesellschaften wie Kleinanleger griffen schließlich verstärkt zu, wie aus Banken- und Fondskreisen sowie von Händlerseite bestätigt wurde. Bei der Zuteilung an Privatanleger wurden Aktionäre der Deutschen Post sowie Post-Mitarbeiter bevorzugt. Viele Fondsgesellschaften hatten angekündigt, etwa zu dem nun festgelegten Ausgabepreis zu zeichnen. Im "Graumarkt" hatte sich bereits ein Kurs unter 30 Euro abgezeichnet.

Anleihe mehr als vierfach überzeichnet

Insgesamt platziert die Post nach einer Verringerung des ursprünglich geplanten Volumens um etwa ein Drittel rund 55 Millionen Aktien im freien Handel an der Börse. Das restliche Drittel des Gesamtvolumens von 82 Millionen Aktien wird über eine Umtauschanleihe an den Kapitalmarkt gebracht. Diese Anleihe sei mehr als vierfach gezeichnet worden, teilte die Post mit. Der Kupon der Anleihe wurde auf 2,65 Prozent festgesetzt, die Prämie für die Anleihe beträgt 38 Prozent.

Für den Post-Konzern will Zumwinkel insgesamt rund 2,6 Milliarden Euro erlösen. Etwa eine Milliarde soll die Umtauschanleihe beisteuern, die Investoren nach drei Jahren in Aktien tauschen können, falls sie nicht eine Tilgung durch Geldzahlung bevorzugen. Für Privatanleger ist diese Anleihe bei einem Mindesteinsatz von rund 50.000 Euro nicht gedacht.

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