Postbank Preisspanne zu hoch angesetzt?

Die Deutsche Post lässt sich ihre Bank-Tochter gut bezahlen. Die Aktien werden zu einem Preis zwischen 31,50 Euro und 36,50 Euro angeboten. Viele Analysten hatten ein deutlich günstigeres Angebot erwartet. Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann weist Vorwürfe zu hoher Preisvorstellungen zurück.

Frankfurt am Main - "Der Postbank-Börsengang kommt", zeigte sich Postchef Klaus Zumwinkel am Montag zu Beginn der Zeichnungsfrist für die Postbank-Aktie überzeugt. Und auch Anleger und Kapitalmärkte hoffen, dass der erste große Börsengang seit drei Jahren in Deutschland endlich das Eis bricht für weitere IPOs. Allerdings ist die Preisspanne zwischen 31,50 und 36,50 Euro aus Sicht von Fonds und Aktionärsvertretern relativ hoch. Ein Schnäppchen ist die Postbank-Aktie nicht, so die einhellige Meinung.

Selbst die Konsortialbanken hatten mit weniger gerechnet. Jeder Preis über 30 Euro je Aktie könne als sehr großer Erfolg für die Post gewertet werden, hieß es in den vergangenen Wochen aus Kreisen der begleitenden Banken.

Ausschlaggebend für die gewählte Bookbuilding-Spanne ist wohl das hohe Interesse ausländischer Investoren gewesen. "Insgesamt waren die Ausländer bereit, mehr zu zahlen", sagte ein Investmentbanker aus dem Konsortium. Und auch Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel hat bei der IPO-Präsentation am Montag auf das starke Interesse aus dem angelsächsischen Raum hingewiesen. "Die Postbank ist ein solides und wachstumsorientiertes Investment. Diese Einschätzung wurde uns in den vergangenen Wochen durch das Pre-Marketing mit über 300 Investoren eindrucksvoll bestätigt", betonte der Post-Chef.

Dass Fonds im Vorfeld eines Börsengangs eher einen niedrigeren Preis forderten, sei nur natürlich, sagte Zumwinkel. Diskussionen über den Preis der Postbank-Aktie waren auch deswegen aufgekommen, weil ein internes Papier der Konsortialführerin Deutsche Bank durchgesickert war. Darin wurde der Marktwert der Postbank nur mit 4,4 bis 5,3 Milliarden Euro eingeordnet. Die jetzt festgelegte Preisspanne geht von einem Marktwert von knapp 6 Milliarden Euro aus und orientiert sich damit eng an den Vorstellungen der Post. Die Kosten für die Werbung für den Börsengang bezifferte Zumwinkel auf rund 50 Millionen Euro.

Analyst: "Kaum Kursfantasie"

Marktexperten äußerten sich verhalten zu den IPO-Chancen. Nach Einschätzung eines Düsseldorfer Börsenhändlers dürfte es für die Konsortialbanken schwer sein, die Postbank-Aktien zu dieser Preisspanne zu verkaufen. Die Aktien seien definitiv zu teuer. Die Preisfestlegung trage die Handschrift der Bundesregierung, die ja bekanntlich Geld brauche, so der Experte.

Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler hält die Spanne für ziemlich hoch, sie biete Anlegern kaum Kursfantasie. "Man kann sicher fragen, ob eine Zeichnung der Papiere attraktiv ist. Da die Spanne aber recht weit ist, ist eine günstige Bewertung durchaus möglich." Der Bankenanalyst sieht den fairen Wert der Postbank-Aktie bei 36 Euro und geht davon aus, dass der Börsengang planmäßig kommt.

Aus Sicht von Deka-Fondsmanager Jens Meyer ist die Spanne etwa 10 Prozent höher als erwartet. "Ich hatte eher mit 33 Euro als obere Grenze gerechnet. Jetzt sehe ich wenig Kursfantasie, lasse mich in den anstehenden Gesprächen mit dem Management aber gerne vom Gegenteil überzeugen." Sein Kollege Boris Böhm von Nordinvest zeigte sich enttäuscht: "Für mich ist da nichts zu holen, (die Spanne) ist zu hoch."

Hohe Abschreibungen drohen

Hohe Abschreibungen drohen

Klaus Rotter von der auf Wertpapiergeschäfte spezialisierten Kanzlei Rotter rät von einer Zeichnung der Aktie ab. Da der Emissionserlös der Postbank dem Mutterkonzern zukomme und nicht wie üblich ins Unternehmen selber fließe, könne dieses Geld auch nicht in den Ausbau des Geschäfts investiert werden, so der Experte im Gespräch mit manager-magazin.de.

Zudem drohten hohe Abschreibungen. "Besonders gefährlich in der Bilanzierung der Postbank ist, dass sie Werterhöhungen bei Wertpapieren als Gewinne, Wertverluste zum Teil jedoch nicht als Verluste darstellt", heißt es in einer Mitteilung der Anwaltskanzlei. Derzeit würden die beiden größten Aktienpositionen der Postbank eine Wertminderung von 272 Millionen Euro aufweisen. Bis zum Einstandskurs müssten die Aktien noch um 82 Prozent steigen - für Dax-Werte eine unwahrscheinliche Performance. "Wir gehen deshalb von zukünftigen Abschreibungen aus, die die Jahresüberschüsse zukünftiger Jahre deutlich belasten", so Rotter.

Auch die aktuelle Geschäftsbilanz weist nach den Angaben Rotters Probleme auf: So beruhe die Steigerung des Jahresüberschusses von 2002 auf 2003 auf Einmaleffekten, die kaum zu wiederholen seien. Bereinigt um diese Sondereffekte sei ein "erheblicher Gewinneinbruch" verzeichnet worden. Zudem schwächelten die Kerngeschäftsfelder der Postbank. Bedenklich stimme auch die weiterhin enge Verflechtung mit dem Mutterkonzern Deutsche Post, die zu "massiven Interessenskollisionen" führe.

Zumwinkel: "Der Börsengang kommt"

Ungeachtet der Kritik hält Zumwinkel an einem für den 21. Juni geplanten Börsengang fest, eine Absage schließt der Post-Chef aus. "Wir sind ermutigt... . Deshalb kommt der Postbank-Börsengang, das habe ich immer gesagt." Eine Sonderausschüttung an den Mehrheitsaktionär der Post - den Bund - werde es nicht geben, bekräftigte Zumwinkel.

Die fast 82 Millionen Postbank-Aktien sollen in erster Linie institutionellen Investoren angeboten werden, nur etwa zehn bis 15 Prozent davon dürften am Ende an Privatanleger gehen. Schimmelmann sieht in der Postbank erwartungsgemäß ein Investment mit sehr begrenztem Risiko. "Ich glaube, wer zeichnet, auch als Privatanleger, geht kein größeres Risiko ein als im Prospekt dargestellt. Gehen Sie davon aus, dass das überschaubar ist", sagte der Bankchef.

Im grauen Markt wurden die Aktien der Postbank am ersten Tag der Zeichnungsfrist im unteren Teil der Angebotsspanne gehandelt. Im Handel per Erscheinen bei den Brokern Schnigge sowie Lang & Schwarz notierten die Titel bei dünnem Umsatz zwischen 32 und 32,50 Euro. Die Papiere des Post-Konzerns notierten mit einem Plus von 0,36 Prozent bei 16,79 Euro etwas schwächer als der Gesamtmarkt.

Postbank soll IPO-Markt in Schwung bringen

Nach bislang drei abgesagten Börsengängen in diesem Jahr hoffen Investoren, dass mit dem Postbank-IPO - dem größten in Deutschland seit über vier Jahren - der Markt für Neuemissionen wieder anspringt. Nachdem die Börsengänge von XFab, Siltronic und ATU an den Preisvorstellungen gescheitert sind und der Wincor-Nixdorf-IPO am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne gerade einmal so durchgerutscht ist, hatten viele Fondsmanager jedoch mit einem günstigeren Postbank-Preis gerechnet.

Der nun begonnene Preispoker wird deshalb auch mit einer Portion Skepsis begutachtet: "Man soll verhandeln, von mir aus auch hart verhandeln. Allerdings müssen sich alle Beteiligten darüber klar sein, dass im Falle eines Scheiterns der deutsche IPO-Markt tot sein wird", warnte ein Analyst für den Fall, dass die Postbank im letzten Moment doch noch einen Rückzieher machen muss.

Die größten deutschen IPOs seit 1999

IPO-Schwergewichte

Unternehmen 1. Börsentag Emissionsvolumen
1. Deutsche Post 20.11.2000 5842 Mio Euro
2. Infineon 13.3.2000 5397 Mio Euro
3. Epcos 15.10.1999 1320 Mio Euro
4. Deutsche Börse 5.2.2001 1072 Mio Euro
5. Fraport 11.6.2001 914 Mio Euro
6. Comdirect 5.6.2000 871 Mio Euro
7. Carrier 1 24.2.2000 816 Mio Euro
8. Lycos Europe 22.3.2000 672 Mio Euro
9. Deutsche Euroshop 2.1.2001 600 Mio Euro
10. Debitel 29.3.1999 552 Mio Euro
Die zehn größten Neuemissionen an der Börse seit 1999