Konjunktur Spritpreise verhageln Stimmung

Die Rekordpreise für Benzin und die wachsenden Zweifel an einem Wirtschaftsaufschwung werden zum Stimmungskiller. Die Deutschen verlieren zunehmend die Lust am Konsum und blicken immer pessimistischer in die Zukunft.

Nürnberg - Das von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf Basis einer Umfrage im Mai errechnete Konsumklima für Juni rutschte auf 4,5 von 4,7 Punkten im Vormonat ab, wie die GfK am Mittwoch mitteilte. "Der private Verbrauch wird demnach als Konjunkturstütze in diesem Jahr ausfallen", zog GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl als Fazit aus der Umfrage. Die Verbraucher verlören mehr und mehr den Glauben daran, dass Probleme wie die Löcher im Staatshaushalt oder die Wachstumsschwäche in naher Zukunft zu lösen sind.

Entsprechend sank der Indikator zu den Konjunkturerwartungen im Mai auf minus 18 von minus 8,2 Punkten und damit den niedrigsten Stand seit einem Jahr. Noch drastischer drückte sich der Pessimismus der Bürger in ihren Einkommenserwartungen aus: Der Teilindikator brach auf minus zehn Zähler von plus 0,3 Zählern ein. "Auf Grund der prekären Lage der öffentlichen Haushalte wurden Sparvorschläge in die Diskussion eingebracht, die bei Umsetzung die Einkommenssituation der Bundesbürger beeinträchtigen würden", sagte GfK-Experte Bürkl. So wurde zuletzt vorgeschlagen, den Sparerfreibetrag abzuschaffen, was aber offenbar wieder vom Tisch ist.

Die Neigung zum Kauf langlebiger Güter wie Autos nahm folglich ebenfalls ab. Der Teilindikator Anschaffungsneigung gab mehr als 14 Punkte auf minus 41,1 Zähler nach. "Vor dem Hintergrund der sich nicht verbessernden Arbeitsmarktlage sind die Verbraucher offenbar nicht bereit, ihre Konsumzurückhaltung aufzugeben", sagte Bürkl.

Verschärft werde die Situation durch den Preisanstieg bei Energie, vor allem beim Benzin. "Muss mehr für Benzin ausgegeben werden, fehlen den Haushalten finanzielle Mittel für den Konsum an anderer Stelle", sagte Bürkl.

Privater Verbrauch fällt als Konjunkturstütze aus

Für das Konsumklima im Juni insgesamt zog Bürkl das Fazit, hohe und noch steigende Arbeitslosigkeit sowie die Diskussion um weitere Sparbeschlüsse würden dafür sorgen, dass sich die Konsumkonjunktur vorerst nicht wesentlich erholen könne. Im ersten Quartal hatte der private Konsum, auf den rund 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entfallen, zum Vorquartal stagniert. Insgesamt war die deutsche Wirtschaft aber wegen eines starken Impulses vom Außenhandel zum Vorquartal um 0,4 Prozent gewachsen, obwohl die Binnenkonjunktur schwach war.

Die unerwartet starken Daten zum Wirtschaftswachstum wirkten sich aber Bürkl zufolge nicht mehr in der Mai-Umfrage aus, die zuvor abgeschlossen worden sei. Die Stimmung bei den Unternehmen trübte sich im Mai nur leicht ein. Der am Dienstag veröffentlichte Ifo-Index war auf 96,1 von 96,3 Punkte gesunken.

Mit der Mai-Befragung wurde der Konsumklimaindikator nach Angaben der GfK überarbeitet und bis Januar 2000 neu zurückgerechnet.