Märkte Mifa kommt, Dax fällt

Mit den Mitteldeutschen Fahrradwerken gibt es heute endlich wieder einen Börsengang zu vermelden. Etwas Aufbruchstimmung kann der Dax, der mit deutlichen Verlusten in die Woche startet, gut gebrauchen. Teures Öl und massive Kursverluste in Japan verderben den Börsianern die Laune.

Hamburg - Erstmals seit fast zwei Jahren wird es am deutschen Aktienmarkt in dieser Woche Börsengänge geben. Den Auftakt macht am Montag die Mifa Mitteldeutsche Fahrradwerke AG, ehe am Mittwoch der wesentlich größere IPO des Geldautomatenherstellers Wincor Nixdorf folgen dürfte.

"Die Mifa-Aktien kamen sowohl bei institutionellen wie auch bei privaten Investoren gut an. Die Aktien sind überzeichnet. Die Erstnotiz am General Standard wird wie geplant am Montag stattfinden", sagte ein Mifa-Sprecher am Freitag.

Die in Sangerhausen in Sachsen-Anhalt ansässige Mifa hatte insgesamt 1,5 Millionen Aktien - 25 Prozent der Unternehmensanteile - zu einem Stückpreis von 9,25 Euro zum Kauf angeboten. Das Emissionsvolumen beläuft sich damit auf knapp 14 Millionen Euro. Mifa kämpft mit der Biria-Gruppe um die Führung des von einem harten Preiswettbewerb geprägten deutschen Fahrradmarktes.

Urban vor der Ablösung

Während die Mifa-Verantwortlichen angesichts der regen Nachfrage jubeln, herrscht beim Handelskonzern KarstadtQuelle  Untergangsstimmung. Dort steht Konzernlenker Wolfgang Urban nach Presseberichten vor der Ablösung.

Für Montag ist offenbar eine Aufsichtsratssitzung anberaumt, in der über die Ablösung Urbans entschieden werden soll. Der Essener Handelskonzern hat mit sinkenden Umsätzen und Erträgen zu kämpfen und ist schwach in das neue Geschäftsjahr gestartet.

Vor allem Urbans glückloses Agieren im maladen Warenhausgeschäft stößt im Konzern zunehmend auf Kritik. Einen Nachfolger soll es bereits geben. Neuer Vorstandsvorsitzender wird nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf das Unternehmensumfeld Christoph Achenbach. Der 46 Jahre alte Achenbach gehört dem KarstadtQuelle-Vorstand seit 2001 an. Er ist dort für das Versandhandelsgeschäft der beiden Tochtergesellschaften Quelle und Neckermann zuständig.

Teures Öl - Dax deutlich schwächer

Trübe Stimmung nicht nur bei KarstadtQuelle, sondern auch an den Börsen. Weitere Rekordhochs beim Ölpreis und wieder aufgeflammte Anschlagsfurcht werden die deutschen Aktienwerte der Einschätzung von Börsianern zufolge zur Eröffnung am Montag deutlich ins Minus drücken. Der Dax  dürfte zum Start deutlich unter die Marke von 3800 Punkten fallen.

"Der Rekord beim Ölpreis wird heute auf die Kurse drücken", sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Handelshaus Steubing. Der Kurs des Terminkontraktes für ein Barrel (159 Liter) der weltweit führenden Ölsorte Crude Light war zuletzt auf 41,65 Dollar geklettert, den höchsten Wert seit Einführung dieses Futures 1983.

Mit Blick auf die jüngsten Anschläge am Montag in den türkischen Metropolen Istanbul und Ankara sagte Händler Gregor Görtz vom Brokerhaus Lang & Schwarz: "Das rückt den Terrorismus und die von ihm ausgehenden Risiken wieder ins Bewusstsein der Anleger." Vor einem Besuch des britischen Premiers Tony Blair waren insgesamt vier Bomben vor türkischen Filialen der britischen Bank HSBC explodiert.

Citibank berechnete den Dax mit 3762 Punkten, nach einem Schluss von 3803,10 Zählern am Freitag. Das Handelshaus Lang & Schwarz sah das deutsche Börsenbarometer bei 3761 Stellen.

Japan - Nikkei bricht ein

Japan: Nikkei bricht ein

Die Vorgaben aus Übersee sind indes nicht berauschend. Uneinheitlich haben die US-Börsen den Handel am Freitag beendet. Während der Dow Jones  2 Punkte auf 10.0013 gewann, verlor der Nasdaq Composite  1,1 Prozent und lag schließlich bei 1904 Zählern. Händler verwiesen zur Begründung der schlechten Performance der Technologiewerte vor allem auf Dell  und BEA Systems  .

Die Börse in Tokio hat am Montag unter starkem Druck auf die Bankentitel deutlich nachgegeben. Der Nikkei  sackte auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Medienberichte, wonach die japanische Großbank UFJ Holdings im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Verlust von rund 100 Milliarden Yen verbucht hat, lösten massive Verkäufe im Bankensektor aus. Das wiederum setzte auch andere Titel unter Druck.

Am Handelsende notierte der Nikkei einen Verlust von 344,58 Punkten oder 3,18 Prozent und schloss bei 10.505,05 Punkten. Der breit gefasste Topix gab um 37,74 Punkte oder 3,46 Prozent auf 1053,77 Punkte nach.

Der Dollar notierte um 15.00 Uhr Ortszeit leichter mit 113,76-79 Yen nach 114,52-54 Yen am Freitag. Der Euro notierte fester mit 1,1962-65 Dollar nach 1,1826-28 Dollar am Freitag.

Ermutigendes aus den Unternehmen

Allerdings gibt es hoffnungsvolle Nachrichten aus den Unternehmen. Henning Kagermann, Chef des Softwareherstellers SAP, sieht sein Unternehmen in guter Ausgangsposition, den Umsatz mit Softwarelizenzen in diesem Jahr wie geplant um zehn Prozent zu steigern. Nach Jahren starker Investitionszurückhaltung steige bei Unternehmen wieder spürbar die Bereitschaft, mehr Geld für ihre Computersysteme auszugeben.

Das beschert dem Weltmarktführer bei Unternehmenssoftware bisher allerdings lediglich mehr, keineswegs aber größere Aufträge. Im Gegenteil sinke die durchschnittliche Größe der Aufträge seit mittlerweile sechs Quartalen in Folge, sagte Kagermann der "Welt" (Montagausgabe).

Volkswagen verkauft mehr Autos

Volkswagen  hat im April weltweit deutlich mehr Fahrzeuge verkauft als im Vorjahresmonat. Der Absatz aller Konzernmarken sei um 5 Prozent auf 443.700 gestiegen, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Vor allem die Marke VW-Pkw habe kräftig zugelegt.

In den ersten vier Monaten habe der Konzern ein Absatzplus aller Marken von 1,8 Prozent auf 1,65 Millionen Fahrzeuge verzeichnet. Nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder sollen die Auslieferungen im gesamten Jahr 2004 gegenüber dem vergangenen Jahr steigen.

United Internet mit gutem Quartal

Der Internetdienstleister United Internet  hat im ersten Quartal den Gewinn stärker gesteigert als von Experten erwartet. Der Vorsteuergewinn sei um knapp 65 Prozent auf 21,1 Millionen Euro geklettert, teilte das im TecDax  notierte Unternehmen am Montag in Montabaur mit.

Von DPA-AFX befragte Experten hatten mit einem Anstieg auf 18,1 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz stieg zwischen Januar und März um rund 18 Prozent auf 118,8 Millionen Euro. Hier hatten die Analysten ebenfalls einen geringeren Wert erwartet.

Hannover Rück verdient mehr

Die weltweit zu den fünf größten Rückversicherern zählende Hannover Rückversicherung AG  hat im ersten Quartal bei deutlich sinkenden Prämieneinnahmen etwas mehr verdient als von Analysten erwartet. Der Überschuss sei um gut 36 Prozent auf 96,9 Millionen Euro geklettert, teilte das im MDax  notierte Unternehmen am Montag in Hannover mit.

Von Analysten war zuvor im Schnitt mit einem Gewinnanstieg auf knapp 90 Millionen Euro gerechnet worden. Die gebuchten Bruttoprämien seien um 21,8 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro gesunken. Bei konstanten Wechselkursen hätte der Rückgang 15,2 Prozent betragen.

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