Telekom Aktionäre wollen endlich Geld sehen

Vor der Hauptversammlung hat Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke Spekulationen über einen radikalen Umbau des Konzerns zurückgewiesen. Aktionäre sind verärgert über das Maut-Debakel sowie über die Dividendenpolitik: Trotz eines Bilanzgewinns von zwei Milliarden Euro werden Privatanleger auf Nulldiät gesetzt.

Berlin - "Wer erwartet, dass wir den Konzern auf den Kopf stellen, wird enttäuscht", sagte Ricke der Berliner Tageszeitung "Die Welt" (Samstagsausgabe). Veränderungen organisatorischer Art schließt der Vorstandschef der Deutschen Telekom  jedoch nicht grundsätzlich aus.

Spekulationen über eine mögliche Reintegration der börsennotierten Tochtergesellschaft T-Online  in den Konzern wies Ricke zurück. "Angesichts der Dynamik in diesem Markt kann und werde ich dies allerdings für alle Zukunft auch nicht ausschließen." Kurz vor der zweiten Hauptversammlung unter Rickes Führung wünschen sich Anleger vor allem mehr Dynamik in der T-Aktie : Das Papier ist im vergangenen Jahr hinter der allgemeinen Erholung an den Weltbörsen zurückgeblieben. Seit Mitte Februar hat die Aktie wieder rund 20 Prozent an Wert verloren.

Dividende erst 2005

Kurz vor der Hauptversammlung am Dienstag in Köln kündigte der Konzernchef an, dass die Telekom in diesem Jahr einen "vernünftigen" Jahresüberschuss erzielen wolle, um den Aktionären im Jahr 2005 eine Dividende zahlen zu können, "die im Vergleich zu unseren Wettbewerbern als angemessen betrachtet werden kann." Die Telekom werde sich allerdings nicht auf ein Dividenden-Rendite- Wettrennen einlassen, sagte Ricke der Zeitung.

Privatanleger wollen Dividende erzwingen

Enttäuschte Privatanleger wollen auf der Hauptversammlung am Dienstag durch eine Reihe von Gegenanträgen die Zahlung einer Dividende erzwingen. Sie sind gegen die Absicht des Managements, den Bilanzgewinn der AG von rund zwei Milliarden Euro in die Gewinnrücklagen einzustellen und nicht wenigstens teilweise auszuschütten.

Auch Aktionärsschützer zeigen Unverständnis für dieses Vorhaben und verweisen auf andere Konzerne, die selbst bei schlechter Geschäftslage noch Dividenden zahlten. Die Telekom hatte dies zuletzt für das Jahr 2001 getan und plant eine Ausschüttung erst wieder für das laufende Jahr.

15 Gegenanträge - Aufsichtsratsgehalt umstritten

15 Gegenanträge - Aufsichtsratsgehälter umstritten

Insgesamt liegen bislang 15 Gegenanträge zur Hauptversammlung des Konzerns vor. Davon befassen sich neun Eingaben direkt oder indirekt mit dem angekündigten neuerlichen Dividendenausfall. Zum Teil stellen die Aktionäre auch Verbindungen her zu der geplanten Neuregelung der Aufsichtsratsbezüge, für die feste und erfolgsorientierte variable Komponenten vorgesehen sind. Sie fordern unter anderem, die variablen Beträge nur zu zahlen, wenn auch Dividenden fließen.

Die geplante Regelung der Telekom zur Entlohnung ihrer Kontrolleure ist relativ komplex. Als feste jährliche Vergütung sind 20.000 nach bisher 25.000 Euro vorgesehen. Bei den kurz- und langfristig orientierten ertragsabhängigen Bestandteilen muss der Jahresüberschuss absolut und prozentual übertroffen werden.

So soll jeder Kontrolleur 300 Euro je 0,01 Euro erhalten, um die der Gewinn je Aktie den Betrag von 0,50 Euro übersteigt. Weitere 300 Euro sollen fließen, wenn der Gewinn je Aktie im zweiten Geschäftsjahr nach dem Referenzjahr um vier Prozent über dem Wert aus der direkt auf das Referenzjahr folgenden Periode liegt. Die Summe der variablen Komponenten darf nicht höher sein als das Fixum.

Laut Telekom entspricht die Regelung den Empfehlungen des Corporate-Governance-Kodex. Von Aktionärsseite wird aber unter anderem kritisiert, dass keine Vergütungsminderung im Falle eines Verlustes geplant sei, während die Anteilseigner selbst bei einem "ansehnlichen Bilanzgewinn" wie im Geschäftsjahr 2003 auf eine Dividende verzichten sollten.

Hoher Cash-Flow

Die Telekom hätte ohne große Not die Dividendenzahlung bereits jetzt wieder aufnehmen können, meint auch Hans-Richard Schmitz, der auf der Hauptversammlung die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vertritt.

Der Aktionärsschützer verweist auf den hohen Free Cash-Flow von 8,3 (Vorjahr: 4,8) Milliarden Euro und die Tatsache, dass das Entschuldungziel sogar übertroffen wurde. Zudem habe ein Konzern wie Bayer trotz 1,4 Milliarden Euro Verlust für 2003 immerhin noch eine gekürzte Dividende von 0,50 (Vorjahr: 0,90) Euro gewährt, betont Schmitz.

Der um Sondereffekte bereinigte Konzernüberschuss von 222 Millionen Euro rechtfertige eine Ausschüttung noch nicht, argumentiert dagegen der Vorstand. 2002 war ein Rekordverlust von (bereinigt) 4,8 Milliarden Euro angefallen.

SdK kritisiert Maut-Debakel

Zuletzt hatte die Telekom für 2001 eine gekürzte Dividende von 0,37 Euro je Aktie gezahlt, nachdem der Konzern in den Vorjahren 0,62 Euro je T-Aktie ausgeschüttet hatte. Doch nicht alle Aktionäre sind sauer: Schmitz' Kollege Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bringt ein gewisses Verständnis für die Haltung des Telekom-Vorstands auf. Auch seiner Meinung nach ist der Überschuss noch zu dünn für eine Ausschüttung. Ungeschoren kommt der Vorstand aber auch bei der SdK nicht weg: Wegen des Maut-Debakels will Labryga der Konzernführung die Entlastung verweigern.

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