Thilenius-Kolumne Die Dotcom-Versuchung

Yahoo will den schnell wachsenden Internetmarkt in China erobern. Dabei setzt der Konzern auf die Kooperation mit einem dortigen Anbieter. Die US-Aktie ist bereits hoch bewertet. Der Anleger sollte aber einen Blick auf den potenziellen Partner "Sina.com" riskieren.

Natürlich ist auch ein Zugang zum Internet in China möglich. Davor stehen jedoch zum einen die Schwierigkeiten mit der chinesischen Schrift und zum anderen Restriktionen der Regierung, die die Inhalte des Internet kontrollieren möchte und viele ausländische Websites blockiert. Die Marktdurchdrängung des Internet ist in China noch nicht besonders hoch. Das Land zählt rund 80 Millionen Internetnutzer. Das sind etwa so viele Nutzer wie die Bundesrepublik Deutschland an Einwohner hat, jedoch lediglich 7 Prozent der chinesischen Bevölkerung.

Wer also Interesse an einem Investment in zukunftsträchtige Märkte im Frühstadium einer Entwicklung hat, wird über den Markt für Internet in China ernsthaft nachdenken. Dies tut auch Yahoo , einer der großen amerikanischen Internetanbieter. Yahoo möchte den schnell wachsenden chinesischen Markt mit einer neuen Auktionsbörse erobern. Anders als in anderen Ländern unternimmt Yahoo jedoch nicht den Alleingang, sondern tut sich mit einem chinesischen Anbieter "Sina.com" zusammen.

Da die Bewertung der Yahoo-Aktie mit einem Kursgewinnverhältnis (KGV) von Nahe 100 für den im Jahr 2005 zu erwartenden Gewinn sehr hoch ist und hohe Rückschlagsgefahr signalisiert, lohnt sich vielleicht ein Blick auf den chinesischen Partner. Bei Sina sieht die Bewertung tatsächlich sehr viel interessanter aus. Nach einigen Jahren mit Verlusten hat das Unternehmen zum ersten Mal im Jahr 2003 mit 0,76 Dollar einen Gewinn erwirtschaftet. Sina erwartet für das laufende Jahr 1,25 Dollar und für 2005 1,56 Dollar Gewinn pro Aktie.

Diese erwarteten Gewinnsteigerungen sind beachtlich. Bei einem derzeitigen Kurs von 40 Dollar, beträgt das KGV auf Basis des für 2005 erwarteten Gewinns den moderaten Wert von 26. Das für die Branche relativ niedrige Kursgewinnverhältnis ist Ausdruck der politischen Unsicherheit in China, wo Änderungen der wirtschaftlichen Verhältnisse oder Maßnahmen zur Dämpfung des starken Konjunkturaufschwungs über Nacht schwere Kurseinbrüche zur Folge haben können.

Eine weitere Unsicherheit besteht in der zum Teil sehr sprunghaften Entwicklung der Internetbranche. Daher empfiehlt sich ein eher zurückhaltendes Engagement in einen solchen Wert, dessen Anteil auf keinen Fall über 5 Prozent liegen sollte. Wer jedoch langfristig an den Siegeszug des Internet in China und die Partnerschaft mit Yahoo glaubt, kann Sina-Aktien zu einem Bruchteil der Bewertung von Yahoo erwerben.

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