Donnerstag, 23. Januar 2020

Thilenius-Kolumne Investmentchancen in Indien

Die aktuelle Situation in Indien ist in vielen Fällen vergleichbar mit dem Wirtschaftswunder in Deutschland. In den kommenden Jahren werden zweistellige Wachstumsraten erwartet. Von dem Aufschwung können auch Privatanleger profitieren.

Zwischen dem 20. April und dem 10. Mai dieses Jahres sind in der größten Demokratie der Welt etwa 670 Millionen Menschen zur Wahl gerufen. Die lange Zeit der Wahl erklärt sich aus der Größe des Landes und Sicherheitsgründen.

 Georg Thilenius
Georg Thilenius
Nachdem in früheren Jahren noch gewalttätige Religionskonflikte das Bild der indischen Politik bestimmt haben, geht es diesmal hauptsächlich um wirtschaftliche Fragen. Indien hat in den vergangenen drei Jahren erhebliche Fortschritte in der Liberalisierung, Privatisierung und Deregulierung gemacht. Das Wirtschaftswachstum liegt bei etwa 8 Prozent im Jahr.

Beide konkurrierenden Parteien wollen auch in den kommenden Jahren Wachstumsraten von 8 bis 10 Prozent im Jahr realisieren. Mit diesem Wachstum gehört Indien zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt.

Ein wenig erinnert dies an die Leistungen Deutschlands in der Wirtschaftswunderzeit in den 1950er und 1960er Jahren. Die Umfragen geben der Regierungspartei eine absolute Mehrheit von 280 Sitzen, während die Opposition etwa 165 Sitze erreichen würde.

Das große Land hat zahlreiche Probleme, geht mit diesen aber gelassen um. Eines davon ist das Alter des bisherigen Premierministers, der im Dezember dieses Jahres 80 Jahre alt wird. Der als möglicher Nachfolger gehandelte Innenminister ist auch schon weit über 70. In Indien scheint dies aber, auch eine Parallele zur Adenauerära in Deutschland, nicht zu stören.

Fachkräfte der Spitzenklasse

Wer in dieser dynamischen Volkswirtschaft am Beginn einer wahrscheinlich langen Wachstumsphase teilnehmen möchte, hat einige Auswahl. Zu den interessantesten Unternehmen gehören die aus den Branchen Informationstechnologie und insbesondere Software. Die indischen Mathematiker sind inzwischen an die Weltspitze vorgestoßen.

Der Softwareentwickler Infosys Technologies Börsen-Chart zeigen ist Indiens erstes börsennotiertes Unternehmen, das mehr als eine Milliarde Dollar Jahresumsatz erreicht. Für das Geschäftsjahr per 31. März 2004 wird eine Umsatzsteigerung von 33 Prozent erwartet. Für das kommende Geschäftjahr wird wiederum eine Steigerung von 30 bis 31 Prozent und eine Steigerung des Gewinns pro Aktie von 20 Prozent erwartet.

Knapp zwei Drittel des Umsatzes macht Infosys in Amerika. Die Entwicklung erinnert ein wenig an die Geschichte von SAP Börsen-Chart zeigen in den 1980er Jahren. Auf der Basis des für das kommende Geschäftsjahr erwartenden Gewinns pro Aktie von 2,32 Dollar beträgt das Kursgewinnverhältnis derzeit 33. Dies ist für ein Unternehmen mit Gewinnwachstumsraten in ähnlicher Höhe ein durchaus angemessener Preis.

Vom Tiefkurs der vergangenen zwölf Monate ist die Aktie allerdings schon um 100 Prozent gestiegen. Auf Grund der immer wieder gegebenen Unsicherheiten der politischen Entwicklungen hat der Infosys-Kurs immer stark geschwankt. Mit einem Anhalten dieser Schwankungen, in beide Richtungen, ist zu rechnen.

Der langfristige Investor, der ein interessantes Investment in einem wirtschaftlich aufstrebenden Land und dort in einer Zukunftsindustrie sucht, kann trotz Schwankungen zugreifen. In den kommenden sechs Monaten sind sicher keine Wunder zu erwarten, dafür dürfte der Ertrag auf die Dauer der Zeit aber interessant sein.

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