Allianz Dresdner wieder im grünen Bereich

Gute Nachrichten muss man nicht zurückhalten, hat sich die Allianz gedacht und überraschte auf der Hauptversammlung am Mittwoch mit einem guten Quartalsbericht. Selbst das Sorgenkind Dresdner Bank arbeitet wieder profitabel. Die Aktie zog deutlich an.

Hamburg/München - Der Münchener Versicherungs- und Finanzriese Allianz  hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Sprung nach vorn gemacht. Konzernchef Michael Diekmann konnte vor rund 6000 Aktionären auf der Hauptversammlung einen deutlichen Gewinn- und Erlösanstieg vermelden.

So kletterte der operative Konzerngewinn im Berichtszeitraum um nahezu ein Drittel auf 1,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 650 Millionen Euro. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum wurde noch ein Verlust von 546 Millionen verzeichnet. Neben dem positiven Beitrag der Dresdner Bank habe auch das günstige Kapitalmarktumfeld zum Gewinnanstieg beigetragen, hieß es. Damit erzielte das Unternehmen den vierten Quartalsgewinn in Folge, nachdem es zuvor wegen der Probleme bei der Dresdner Bank und der Krise an den Kapitalmärkten viermal rote Zahlen geschrieben hatte.

Gute Stimmung auf der Hauptversammlung

Entsprechend entspannt war die Stimmung auf der Hauptversammlung. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sprach sogar von einer "neuen Ära", die mit dem seit einem Jahr amtierenden Vorstandschef Diekmann begonnen habe. "Man sieht, dass man hier auf dem richtigen Weg ist", sagte die Aktionärsschützerin.

Diekmanns Offenheit und Zielstrebigkeit sei beeindruckend. Nach dem Milliardenverlust 2002 habe der neue Chef eine gewaltige Aufholjagd gestartet und 2003 über 1,6 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet. "Man sieht, dass die Allianz sich bewegt", sagte Bergdolt. Auch Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, sagte: "Die Zahlen stimmen uns zuversichtlich."

Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann sagte, die Ergebnisse des ersten Quartals schrieben den positiven Trend des Vorjahres fort und zeigten, dass alle Segmente zur Verbesserung der Profitabilität beitragen. "Wir liefern, was wir versprochen haben", sagte Diekmann. Aber um international wieder zu den erfolgreichsten Finanzdienstleistern zu gehören, müsse sich der Konzern noch gewaltig anstrengen. Eine Jahresprognose lehnte er ab. Ab 2006 wolle die Allianz wieder in der ersten Liga "oben mitspielen".

An der Börse wurden die Quartalszahlen mit einem deutlichen Kursplus honoriert. Die Aktie  schloss am Mittwoch mit einem Plus von 3,68 Prozent auf 90,88 Euro und führte damit die Gewinnerliste im Dax  an.

Dresdner bleibt trotz schwarzer Zahlen das Sorgenkind

Als "Achillesferse" und "Fass ohne Boden" kritisierten die Aktionärsvertreter aber die Dresdner Bank. Noch immer sei nicht klar, wie sie auf einen grünen Zweig kommen solle. Schneider sagte voraus, "dass wir zu unseren Lebzeiten keine angemessene Rendite mehr sehen werden".

Diekmann räumte ein, dass die Dresdner Bank ihr Ziel im vergangenen Jahr erneut verfehlt habe, wenigstens operativ aus der Verlustzone zu kommen. Aber 2005 müsse sie einen Überschuss in Höhe der Kapitalkosten vorweisen können. Die "Neue Dresdner" werde "effektiver und kundenorientierter sein". Ein Schwerpunkt sei der Ausbau des Vertriebs und die Zusammenführung der Versicherungs- und Bankprodukte.

Die seit Herbst 2002 defizitäre Dresdner Bank schaffte zumindest im ersten Quartal 2004 unter dem Strich ein positives Ergebnis. Operativ sei ein Gewinn von 170 Millionen Euro erwirtschaftet worden, sagte Diekmann.

Versicherungsgeschäft läuft wieder besser, Lob von Analysten

Versicherungsgeschäft läuft wieder besser

Bessere Zahlen konnte Diekmann im Kerngeschäft Versicherungen vorlegen: Zwar stagnierten die Beitragseinnahmen bei 25 Milliarden Euro. Aber die Schaden-Kostenquote verbesserte sich auf unter 96 Prozent. Bei Werten unter 100 Prozent arbeitet eine Versicherung im Schadensbereich profitabel. Im Bereich Lebens- und Krankenversicherung sei die Kostenquote bei steigendem Beitragsvolumen um fast einen Prozentpunkt gesenkt worden.

Die Allianz habe die Trendwende geschafft, sagte Diekmann. Allerdings müsse sie sich noch gewaltig anstrengen, um international wieder zu den erfolgreichsten Finanzdienstleistern zu gehören. "Wir wollen weiter wachsen, stetig, profitabel, mit klarem Kundenfokus und exzellenten Resultaten", kündigte er an.

Diekmann stellte auf der Hauptversammlung weitere Zuwächse in Aussicht, legte aber keine konkrete Prognose für das gesamte Geschäftsjahr 2004 vor. Die Allianz müsse jetzt "die Mentalität der Aufbauphase beenden" und einen harten internen Kampf ums Geld einführen: Künftig bekämen die profitabelsten Töchter das meiste Kapital für weiteres Wachstum. Das "stärkt die Starken und zwingt die Schwächeren zur Verbesserung", erklärte Diekmann. Ziel sei eine Rendite von 15 Prozent.

Lob von Analysten

Analysten bewerteten den Quartalsbericht positiv. Jochen Schmitt, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) hat in einer ersten Einschätzung die Allianz-Aktie als "Outperformer" und das Kursziel mit 132 Euro bestätigt. Die gemeldeten Zahlen hätten deutlich über LRP-Schätzungen gelegen. Vor allem die Combined Ratio sei mit unter 96 Prozent "äußerst erfreulich". Auch die Dresdner Bank habe positiv überrascht.

Werner Schirmer von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat die Aktie von "Halten" auf "Kaufen" hochgestuft. Die Ergebnisse seien "überraschend gut" ausgefallen. Insbesondere die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) im Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft habe sich "sehr erfreulich" entwickelt.

Das Quartalsergebnis übertraf auch die Schätzungen von Merck-Finck-Analyst Konrad Becker deutlich. Die Zahlen zeigten, dass die Neustrukturierung erfolgreich sei. Allerdings bleibe die Frage nach der Nachhaltigkeit, sagte Becker im Hinblick auf mögliche Schadenentwicklungen im Jahresverlauf.

Andreas Schäfer, Fondsmanager bei Activest, sagte, die Zahlen von Allianz seien positiv. "Auf den ersten Blick sehen die Zahlen ziemlich gut aus", sagte er. Schäfer wertete auch die bessere Entwicklung der Banksparte als positiv.

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