Thilenius-Kolumne Was tun bei Aventis?

Nach der Übernahme von Aventis durch Sanofi sollten sich Aktionäre vor Augen führen, dass sich bei vielen frisch fusionierten Unternehmen zunächst eine gewisse Lähmung einstellt. Novartis und Pfizer könnten vorerst eine Alternative zu Sanofi-Aventis sein.

Es ist nur konsequent, daß die europäische Wirtschaft nachvollzieht, was die Politik mit der Wiedervereinigung Europas vorlebt. So schließen sich in Westeneuropa die beiden großen Pharmakonzerne Aventis  und Sanofi Synthelabo  zusammen. Die Vorgeschichte der Übernahme hat wie immer in derartigen Fällen viel Staub aufgewirbelt, der sich jedoch angesichts der großen Aufgaben der Zusammenführung der Unternehmen zum drittgrößten Pharmakonzern der Welt bald wieder legen wird.

Der Aventis - Aktionär muß nun entscheiden, was er mit seinen Anteilen am neuen Unternehmen machen will. Das kombinierte Unternehmen wird auf Basis der neuesten Zahlen einen Umsatz von 25,3 Milliarden Euro, einen Gewinn nach Steuern von 4,5 Milliarden Euro und 125.000 Mitarbeiter haben. Bedeutende Aktionäre werden das Kosmetikunternehmen L'Oreal mit Nestlé  als Großaktionär, die Kuwait Petroleum Corporation und der Ölkonzern Total sein. Total hat allerdings den Ausstieg signalisiert, um mit dem Verkaufserlös das Kerngeschäft im Ölbereich zu stärken.

Sanofi steht vor schwierigen Aufgaben

Durch Synergieeffekte verspricht sich Sanofi, den Gewinn mittelfristig um etwa 30 Prozent oder 1,6 Milliarden Euro auf über 6 Milliarden Euro zu erhöhen. Dies wäre eine gute Nachricht für die Aktionäre und würde sicher das Halten oder Zukaufen der Aktien rechtfertigen. Das Problem ist nur die offizielle Formulierung "mittelfristig".

Die großen amerikanischen Pharmakonzerne wie Pfizer , Eli Lilly oder Johnson & Johnson  erzielen seit vielen Jahren kontinuierliche Steigerungen im Gewinn pro Aktie von etwa 15 Prozent im Jahr, weitgehend unabhängig von konjunkturellen Zyklen. Die großen europäischen Konzerne wie GlaxoSmithKline  , Novartis  oder Roche kommen auf etwa 10 Prozent Steigerung.

Novartis, Glaxo, Aventis: Die Lähmung der frisch Fusionierten

Die Pharmabranche ist aufgrund der Alterung der Bevölkerung in den Industrieländern und der Verbesserung der Gesundheitsversorgung in den Entwicklungsländern eines der wenigen sicheren langfristigen Investments der Welt.

Die Geschichte anderer Zusammenschlüsse in der Pharamindustrie wie von Ciba Geigy und Sandoz zu Novartis, Glaxo Smithkline Beecham und Aventis zeigt jedoch eine gewisse Lähmung frisch fusionierter Unternehmen, bevor sich die erwarteten Synergien einstellen.

Weder Sanofi noch Aventis haben geglänzt

Weder Sanofi noch Aventis haben geglänzt

Sanofi und Aventis haben beide in den letzten Jahren nicht durch besondere Ertragszuwächse oder Kursgewinne der Aktien vor Beginn der Übernahmespekulation geglänzt. Dazu kommt, daß das Patentportfolio von Sanofi vom Ablauf eines wertvollen Patentes zum Ende des Jahres 2004 bedroht ist und die Produktpipeline von Aventis erst in späteren Jahren wirklich umsatz- und ertragsstarke Medikamente hervorbringen wird.

Bei realistischer Betrachtung wird nicht vor dem Jahr 2006 mit einer deutlichen Ertragssteigerung aus den Synergien und erst etwa zwei Jahre später aus höheren Umsätzen mit neuen Produkten zu rechnen sein. Der langfristige Aktionär wird daher die Aktien halten und sich über zwischenzeitliche Turbulenzen nicht wundern.

Der an baldigen Kurssteigerungen interessierte wird die Aktie verkaufen, den Erlös je zur Hälfte in Novartis und Pfizer anlegen und dann über einen Wiedereinstieg nachdenken, sobald Sanofi-Aventis kontinuierliche Steigerungen im Gewinn pro Aktie von 15 Prozent pro Jahr. erwarten läßt.

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