Commerzbank Gewinn schießt in die Höhe

Gute Nachrichten gibt's auch schon 'mal ein wenig früher. Die Commerzbank hat überraschend ihre Zahlen für das erste Quartal vorgelegt, wagt aber noch keinen Ausblick. Der Titel ist vorbörslich stark gefragt.

Frankfurt - Die Commerzbank hat dank steigender Erträge im operativen Geschäft und einer niedrigeren Risikovorsorge in den ersten drei Monaten 2004 einen Gewinnsprung verzeichnet und rechnet auch im weiteren Jahresverlauf mit einer positiven Ergebnisentwicklung.

Der Quartalsgewinn nach Steuern betrage 254 Millionen Euro nach nur drei Millionen vor Jahresfrist, teilte Deutschlands drittgrößte Bank am Montag überraschend auf ihrer Internet-Seite mit. Vor Steuern blieben 415 Millionen Euro, verglichen mit 38 Millionen Euro. Ursprünglich sollten die Zahlen erst zur Hauptversammlung am 10. Mai bekannt gegeben werden. Vorbörslich waren die Aktien der Commerzbank  am Montag stark gefragt und legten mehr als drei Prozent zu.

Bankchef Klaus-Peter Müller betonte, dieses Ergebnis könne nicht auf das Jahr hoch gerechnet werden. "Der Vorstand ist jedoch zuversichtlich, dass die eingeleiteten Maßnahmen auch im weiteren Jahresverlauf zu positiven Ergebnissen führen werden", fügte er hinzu.

2003 hatte die Commerzbank nach milliardenschweren Abschreibungen auf ihr Beteiligungsvermögen einen Rekordverlust von 2,32 Milliarden Euro nach Steuern ausgewiesen. Müller hatte betont, er wolle das operative Ergebnis von 559 Millionen Euro aus 2003 in diesem Jahr deutlich übertreffen.

Im operativen Bereich - also dem Zins- und Provisionsgeschäft sowie beim Eigenhandel - übertraf die Bank die Ergebnisse aus dem Auftaktquartal des Vorjahres, als sie zudem einen Restrukturierungsaufwand von 104 Millionen Euro gebucht hatte.

Heute Gespräche mit Ratingagenturen

Der Zinsüberschuss stieg im Auftaktquartal 2004 den Angaben zufolge auf 718 (Vorjahresquartal: 705) Millionen Euro und der Provisionsüberschuss auf 597 (520) Millionen Euro. Der Verwaltungsaufwand war mit 1,10 (1,18) Milliarden Euro in den ersten drei Monaten ebenso rückläufig wie die Risikovorsorge für faule Kredite mit 238 (252) Millionen Euro. Im Gesamtjahr hält die Bank bei der Risikovorsorge einen Wert von unter 900 Millionen für erreichbar.

"Wir haben die Zahlen etwas vorgezogen, weil heute bereits die Gespräche mit den Rating-Agenturen", erläuterte ein Banksprecher.

Analysten zeigen sich positiv überrascht

In ersten Reaktionen sprachen Bankenanalysten von einem soliden ersten Quartal für die Commerzbank. "Operativ ist das erste Quartal besser als erwartet gelaufen und auch die Risikovorsorge ist runtergegangen", sagte Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim. Mit Blick auf die anstehenden Gespräche des Instituts mit den Rating-Agenturen fügte er hinzu: "Es könnte sein, dass sich das Rating der Commerzbank bald verbessert. Das wäre ein sehr gutes Signal für den deutschen Bankenstandort, wenn die Ratings endlich nach oben zeigen." Bei Standard & Poor's hat die Commerzbank ein Langfristig-Rating von A- mit negativem Ausblick und bei Moody's ein A2 und einen stabilen Ausblick.

Die Aktien der Commerzbank sind seit Jahresbeginn um 5,5 Prozent gesunken, während der europäische Bankensektor um 3,5 Prozent zugelegt hat. Am Freitag waren die Papiere mit 14,70 Euro aus dem Handel gegangen.