Mittwoch, 20. November 2019

Ahold Auf dem Wege der Besserung

Nach dem milliardenschweren Bilanzskandal berappelt sich Ahold allmählich. Der weltweit drittgrößte Einzelhändler hat in 2003 knapp die Gewinnschwelle verfehlt. 2004 bezeichnet der Vorstand als Übergangsjahr.

Amsterdam - Ahold Börsen-Chart zeigen erholt sich allmählich von dem milliardenschweren Bilanzskandal und hat im Gesamtjahr 2003 nahezu wieder die Gewinnschwelle erreicht. "Ende vergangenen Jahres haben wir 2003 in vielerlei Hinsicht als verlorenes Jahr bezeichnet, aber die heute vorgelegten Zahlen zeigen, dass wir mit unserem Sanierungsprogramm in die richtige Richtung gehen", erklärte Firmenchef Anders Moberg am Montag.

Finanzchef Ryopponen mag noch keine schwarzen Zahlen versprechen
2004 nannte Moberg ein Übergangsjahr mit einem weiter schwierigen Marktumfeld in Europa und den USA. Der weltweit drittgrößte Einzelhändler will mit einem massiven Schuldenabbau und Anteilsverkäufen innerhalb von drei Jahren wieder Investment-Status erhalten, nachdem seine Anleihen Anfang 2003 auf "junk" heruntergestuft worden waren.

Ahold verbuchte im vergangenen Jahr einen Netto-Verlust von einer Million Euro nach einem Fehlbetrag von 1,2 Milliarden Euro 2002. Finanzchef Hannu Ryopponen sagte, ohne Berater- und Bankgebühren hätte der Konzern wieder schwarze Zahlen geschrieben. Analysten hatten im Schnitt mit einem Überschuss von 38,5 Millionen Euro gerechnet. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen erzielten die Niederländer einen Gewinn (Ebitda) von 1,065 Milliarden Euro nach rund 2,14 Milliarden Euro im Vorjahr.

Die US-Lebensmittelsparte, von der der Bilanzskandal vor gut einem Jahr ausgegangen war, kehrte im vierten Quartal in die Gewinnzone zurück.

Ahold hatte Anfang vergangenen Jahres die Anleger geschockt, als das Unternehmen gravierende Bilanzmanipulationen zugab. Vor allem wegen Fehlbuchungen bei der US-Sparte Foodservice waren Gewinne im Volumen von rund einer Milliarde Euro aufgebläht worden. Als Konsequenz mussten einige Top-Manager ihren Hut nehmen.

Das neue Führungsteam um Firmenchef Moberg und Finanzdirektor Ryopponen will im Rahmen des Sanierungsprogramms unter anderem mit Anteilsverkäufen die Schuldenlast bis 2005 um mindestens 2,5 Milliarden Euro reduzieren nach zuletzt rund 7,5 Milliarden Euro.

Für 2004 sagte Finanzchef Ryopponen eine moderate Ebitda-Verbesserung auf Konzernebene voraus. Im laufenden Jahr seien im Rahmen der Sanierung zudem weitere Sonderbelastungen zu erwarten, so dass es noch zu früh sei, um auch unter dem Strich schwarze Zahlen zu prognostizieren.

Aktie gibt nach den Zahlen ab

Der nach Wal-Mart Börsen-Chart zeigen und Carrefour Börsen-Chart zeigen drittgrößte Einzelhändler der Welt hatte im Januar für 2003 bereits einen rund zehnprozentigen Umsatzrückgang auf 56,1 Milliarden Euro ausgewiesen. 2004 sei insbesondere in den USA wegen des starken Wettbewerbdrucks nur ein moderater Erlösanstieg zu erwarten, erklärte das Unternehmen.

Analyst Patrick Roquas von Kempen & Co sprach von starken Zahlen. "Ahold bekommt allmählich ein neues Gesicht dank der Geschäftserholung, Anteilsverkäufen, Schuldenabbau und verbleibenden Geschäftsbereichen mit strategischem Wert." In einem allgemein schwächeren Branchenumfeld sanken die Ahold-Aktien allerdings am Nachmittag noch um knapp vier Prozent auf 6,73 Euro.

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