Konjunktur Heiter bis wolkig

Die Konjunkturberichte dieser Tage sind wie das Wetter im April - mal Sonnenschein, dann Regen. Während Wirtschaftsminister Clement weiterhin Optimismus schürt, rudert das Institut der deutschen Wirtschaft zurück.

Berlin - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat am Montag zwar seine Prognose eines Wirtschaftswachstums von 1,5 bis zwei Prozent bekräftigt. Dafür senkte das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) jedoch am selben Tag seine Wachstumsprognose auf "maximal" 1,5 Prozent ab. Clement räumte allerdings in Berlin ein, dass kein Anlass zum Ausruhen bestehe. Es gebe zwar Zeichen der Belebung, doch müssten sie "bekräftigt werden". Clement setzt weiterhin auf die Wirkung durch die Steuerreform und die Belebung der Weltwirtschaft.

Das Kölner Institut rechnet in diesem Jahr nur mit einer "allmählichen konjunkturellen Erholung ohne kräftigen Schwung". Die Prognose für das laufende Jahr werde daher reduziert, sagte IW-Geschäftsführer Rolf Kroker bei der Präsentation der traditionellen Frühjahrsumfrage in Berlin. Bei der Vorlage der Herbstumfrage war das IW "spitzgerechnet" noch von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,6 Prozent ausgegangen.

Deutschland bleibe damit auch im vierten Jahr in Folge in einer Seitwärtsbewegung, so lange wie nie zuvor in der Nachkriegszeit. Die Hoffnungen basierten vor allem auf den Export, das Binnenwachstum und die Investitionen ließen weiter zu wünschen übrig.

"Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist derzeit von einem gedämpften Optimismus geprägt", erklärte das arbeitgebernahe Institut am Montag in Berlin. Die Wirtschaft werde 2004 höchstens um eineinhalb Prozent wachsen. "Von einer durchgreifenden Erholung, die auch dem Arbeitsmarkt auf die Beine hilft, kann aber keine Rede sein." Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Belebung beruhe wieder einmal auf dem Export. Für das erste Quartal geht das IW von einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von rund 0,2 Prozent aus.

Keine Angst vor der Osterweiterung

Der in zwei Wochen einsetzenden Osterweiterung der Europäischen Union (EU) sehen die meisten Unternehmen gelassen entgegen, auch wenn viele Firmen eine Verschärfung des Wettbewerbs erwarten.

Die Aufwertung des Euro zum Dollar, die sich zuletzt allerdings wieder abschwächte, schlage sich "derzeit nicht allzu dämpfend auf die Exportperspektiven nieder", sagte Kroker.

Von der Osterweiterung der EU erwarten zwar rund 30 Prozent der deutschen Firmen einen starken Anstieg des Konkurrenzdrucks, etwa ein Drittel erwartet hier jedoch gar keine Veränderung. Die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet nicht mit einer steigenden Notwendigkeit zu Innovationen. Zwei Drittel der Firmen sehen keine wachsenden Anreize für eine Produktionsverlagerung ins Ausland als Folge der Osterweiterung.

Impulse von der Hannover Messe erwartet

Vor diesem Hintergrund warten die Unternehmen auf Signale, wie sie jetzt von der weltgrößten Industriemesse in Hannover kommen könnten. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) betonte am Eröffnungstag, Anzeichen für eine allmähliche Erholung seien inzwischen überwiegend vorhanden. Realistisch sei ein Wachstum zwischen 1,5 bis 1,7 Prozent, sagte BDI-Chef Michael Rogowski. Wegen des schwachen Anlaufs im ersten Quartal sei aber die Zwei-Prozent-Marke im Gesamtjahr nicht zu erreichen. Sorgenkind bleibe der Bausektor.

Zumindest die exportstarken deutschen Maschinen- und Anlagenbauer präsentieren sich in Hannover mit Zuversicht. Der Auftragseingang sei von Dezember bis Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent gestiegen, sagte der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Diether Klingelnberg. Dieser Anschub sei auch nötig, um das prognostizierte Umsatzziel für die Branche von plus zwei Prozent im laufenden Jahr zu erreichen. Mit einem "stürmischen Aufschwung" sei jedoch nicht zu rechnen. BDI und VDMA mahnten die Regierung, den strikten Reformkurs beizubehalten.

Die Bundesbank zählt zu den verhaltenen Optimisten. Die deutsche Wirtschaft ist nach ihrer Einschätzung weiter auf Erholungskurs. Die im Sommer vergangenen Jahres begonnene Aufwärtsbewegung setze sich "in kleinen Schritten" fort, heißt es im Monatsbericht April. Das BIP-Plus veranschlagt die Bundesbank im ersten Quartal im Vergleich zu den vorherigen drei Monaten auf saison- und kalenderbereinigt 0,25 Prozent. Damit sei das Vorjahresergebnis um 0,5 Prozentpunkte übertroffen worden.

"Wichtige Impulse kamen von der Außenwirtschaft; die binnenwirtschaftlichen Antriebskräfte blieben teils verhalten, teils schwach", schreibt die Bundesbank. Die Lage der Industrie habe sich im Januar und Februar auf dem gegen Ende des Jahres 2003 erreichten "relativ hohen Niveau" stabilisiert. Die Produktion folge der "vergleichsweise guten" Auftragslage. Die Bauproduktion habe sich im Februar von dem wetterbedingten Einbruch zu Jahresbeginn erholt.

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