Wochenausblick Der Dax kämpft mit der 4000er-Marke

In der kommenden Woche werden zahlreiche Unternehmen ihre Quartalszahlen vorlegen. Mit Spannung erwarten Analysten die Berichte von Infineon, SAP und Microsoft. Anstehende Konjunkturdaten und die Auseinandersetzungen im Irak könnten die Märkte jedoch trüben.

Frankfurt - Mit Spannung warten Börsianer auf den Auftakt der Berichtssaison der im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Unternehmen in dieser Woche. Quer durch alle Branchen gewähren einige namhafte Unternehmen dies- und jenseits des Atlantiks einen Blick in ihre Bücher.

An der Frankfurter Börse wird der Deutsche Aktienindex Dax  nach Aussage mehrerer Händler "weiter mit der Marke von 4000 Punkten kämpfen". Ebenso richtungweisend wie die Vorlage der Bilanzen dürften zudem die jüngsten Konjunkturdaten und das weitere Geschehen im Irak sein.

Nachdem einige Regierungen das angebliche Versöhnungsangebot des Terroristenführers Osama bin Laden an die Europäer bereits als Spaltungsversuch zurückgewiesen haben, befürchteten Börsianer nun weitere Geiselnahmen und terroristische Anschläge, sagte ein Händler. "Solche Reaktion würden die Aktienmärkte dann auch bei tendenziell positiven Unternehmens- und Konjunkturdaten belasten", meint ein Börsianer. Unklar ist noch, inwieweit die Tötung des neuen Hamas-Führers Abdel Asis Rantissi diesen Effekt noch verstärken wird.

Die Aktienexperten von der Commerzbank  gehen dennoch von einem positiven Verlauf der Berichtssaison aus, der sich in steigenden Kursen niederschlagen sollte. Aus der Fülle der vorgelegten Quartalsbilanzen dürften laut Händlern vor allem die Branchengrößen des Technologiesektors herausstechen. Besonders die zur Wochenmitte anstehenden Quartalsberichte der beiden Technologiekonzerne Infineon  und SAP  könnten dem Markt Impulse liefern, sagen Aktienexperten. Konjunkturdaten rückten dagegen in den Hintergrund.

So stehen am Mittwoch die Geschäftszahlen des Chipkonzerns Infineon an, einen Tag später folgen die Ergebnisse des Softwarekonzerns SAP. "Mit den Quartalszahlen widmet sich der Markt jetzt wieder verstärkt den Fundamentaldaten", sagt Oliver Plein, Volkswirt bei der Fondsgesellschaft Dit. "Die Frage ist, wo kommen die Gewinne der Unternehmen her?" Bis jetzt hätten Kosteneinsparungen den Firmen zu Gewinnsteigerungen verholfen. "Aber so langsam muss sich auch auf der Umsatzseite etwas tun", ergänzt er.

Bei Infineon dürfte die Prognose interessant werden, besonders weil der Ausblick des US-Chipkonzerns Intel in dieser Woche den Markt enttäuscht habe, sagt Aktienhändler Mustafa. Analysten zufolge dürfte Infineon angesichts schwacher Speicherchip-Preise im abgelaufenen Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht haben.

Steigert SAP den Gewinn?

Nach Einschätzung von Analysten hat dagegen der größte europäische Softwarehersteller SAP im ersten Quartal 2004 Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Die Experten gehen davon aus, dass der größte europäische Softwarehersteller erstmals seit zehn Quartalen wieder einen Anstieg der Lizenzumsätze verzeichnet. Darüber hinaus sei bei der Vorlage der Zahlen zum traditionell eher schwachen ersten Quartal "kaum etwas Spannendes zu erwarten", sagt ein Händler.

Neben Infineon und SAP legt auch der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft  seine Zahlen vor. Branchenanalysten erwarten für das dritte Quartal (Ende März) einen Anstieg von Umsatz und Gewinn. Auch bei dem US-Handyhersteller und Telekomausrüster Motorola  gehen die Experten für das erste Quartal ebenfalls von einer kräftigen Ergebnissteigerung aus.

Zahlen vorlegen wird auch der drittgrößte deutsche Pharmakonzern Schering , der den Anlegern in der kommenden Woche erneut eine Dividende von 0,93 Euro auszahlen will. Darüber hinaus veröffentlichen auch die US-Branchenkollegen Eli Lilly , Amgen , Merck & Co.  und Pfizer  ihre Zwischenbilanzen.

Gespannt hoffen die Pharmainvestoren bei der Hauptversammlung von Aventis  auf Details zur möglichen Übernahme von Sanofi-Synthelabo . Im SPIEGEL erhob unterdessen Aventis-Personalvorstand Hans-Werner Meier schwere Vorwürfe gegen die französische Regierung, die sich für eine Übernahme des Konzerns durch Sanofi einsetzt. Er wirft den Franzosen "nationalistisches Gerede" vor. Anzunehmen, Frankreich bekäme im Krisenfall weniger Impfstoff, wenn Aventis mit Novartis fusioniert, sei schlicht absurd", so Meier. Auf Grund der ständigen Einmischungen aus Paris wäre "ein Ordnungsruf aus Berlin absolut angebracht".

Angesichts der Vielzahl der Unternehmensnachrichten meinen Börsianern, dass die Konjunkturdaten in dieser Woche eher in den Hintergrund rückten. Für den Montag werden In den USA die Frühjahrsindikatoren erwartet, am Dienstag steht der Konjunkturbericht des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für Deutschland mit den Aprilzahlen an. Analysten der Deka-Bank rechnen bei der Veröffentlichung der ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland mit einer weiteren leichten Korrektur nach unten.

Am Mittwoch wird dann die US-Notenbank Fed ihren Konjunkturbericht, das sogenannte Beige Book, veröffentlichen. In diesem analysiert die Fed regelmäßig die Konjunkturentwicklung der zurückliegenden sechs Wochen. Volkswirte hoffen auf Hinweise für eine mögliche Erhöhung der US-Leitzinsen.