Nokia Nackenschlag für Anleger

Der Handy-Produzent hat den Nimbus der Unfehlbarkeit verloren. Nach einem schwachen Start in das laufende Geschäftsjahr reichen die Finnen ihrer Umsatzwarnung der vergangenen Woche jetzt schwache Quartalszahlen nach. Die Aktie schmiert ab.

Helsinki - Nokia  rechnet im zweiten Quartal angesichts wachsenden Konkurrenzdrucks mit einem Gewinnrückgang und schließt auch ein Minus beim Umsatz nicht aus. Für das laufende Vierteljahr werde ein Gewinn je Aktie von 0,13 bis 0,15 Euro prognostiziert nach rund 0,19 Euro im Vorjahreszeitraum, teilte der weltgrößte Handy-Hersteller am Freitag mit. Analysten hatten zuletzt im Schnitt 0,18 Euro prognostiziert.

Der Umsatz werde im Jahresvergleich stagnieren oder ebenfalls leicht zurückgehen. Der Ausblick bestätigt die Befürchtungen von Analysten, wonach Nokia an Konkurrenten wie Motorola  oder Samsung  Marktanteile verlieren könnte.

Für das erste Quartal gab der finnische Konzern einen Gewinn je Aktie von 0,17 Euro bekannt nach 0,16 Euro im Vorjahr. Der Umsatz sank auf 6,6 (6,77) Milliarden Euro. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem EPS-Gewinn von 0,17 Euro und einem Umsatz von 6,65 Milliarden Euro gerechnet.

Prognose im Vorfeld gesenkt

Bereits im Anfang des Monates hatte der Konzern seine Prognose für das Auftaktquartal gesenkt und damit die Aktienmärkte schockiert. Statt eines Umsatzzuwachses stellte Nokia einen Rückgang in Aussicht.

Die Märkte reagierten auf die Zahlen mit einem deutlichen Kursabschlag. Nokia-Aktien gaben nach Vorlage der Bilanz um 4,4 Prozent auf 12,91 Euro nach. "Sowohl der Ausblick auf den Gewinn pro Aktie wie auch auf den Umsatz für das zweite Quartal haben enttäuscht", sagte ein Händler der SEB Bank in Frankfurt.

Den Anschluss im Kerngeschäft verloren

Die Finnen laufen vor allem in der Handysparte der Marktentwicklung hinterher. Während weltweit in den ersten drei Monaten nach Schätzungen Nokias 29 Prozent mehr Mobiltelefone verkauft worden sind, konnte Nokia seinen Absatz nur um 19 Prozent auf 44,7 Millionen Stück verbessern. Damit macht der Preiskampf dem einstigen Branchenstar offenbar das Leben schwer. Denn trotz deutlich gesteigerter Absatzzahlen sanken die Erlöse aus den Handyverkäufen um 15 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro.

Nokia sei nicht in der Lage gewesen, vom saisonalen Aufschwung im Handymarkt in vollem Umfang zu profitieren, gab Konzernchef Jorma Ollila zu. Als Ergebnis sei Nokias Marktanteil um drei Prozentpunkte auf 35 Prozent gesunken. Langfristig will Ollila dem Unternehmen Nokia 40 Prozent des weltweiten Absatzes sichern.

Weitaus besser entwickelte sich der Verkauf von Netzwerktechnik. Hier legte Nokia den Angaben nach um 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Nokia erwartet in diesem Bereich eine beständige Marktentwicklung leicht oberhalb des Vorjahresniveaus.

Im Segment Multimedia wuchs der Umsatz um 60 Prozent. Mit Gesamterlösen von 776 Millionen Euro konnte Nokia mit dieser Sparte Teile der Einbußen aus dem Handygeschäft auffangen. Unternehmenslösungen verkaufte Nokia in den ersten drei Monaten für 189 Millionen Euro, fast doppelt so viel (95 Prozent) wie im Vorjahreszeitraum.

Deutsche Technologiewerte nicht in Sippenhaft

Nach Vorlage der Nokia-Zahlen haben sich deutsche Technologiewerte am Freitag lediglich etwas schwächer als der Gesamtmarkt entwickelt. Heftige Kursbewegungen blieben in Frankfurt aus.

Aktien des Chipherstellers Infineon  sanken um 0,5 Prozent auf 11,89 Euro. SAP-Titel  gaben um 0,4 Prozent auf 131,58 Euro nach. Siemens-Papiere  gewannen nach zwischenzeitlichen Verlusten 0,3 Prozent auf 61,75 Euro.

"Die Nokia-Umsatzwarnung von vergangener Woche hat die Anleger auf weitere negative Daten vorbereitet, daher reagieren die deutschen Techwerte nicht so stark", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Ein anderer Börsianer sagte: "Am Markt setzt sich die Erkenntnis durch, dass es sich um ein Nokia-spezifisches Problem handelt, daher werden nicht alle Techwerte pauschal in Sippenhaft genommen."

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