Aventis Offizielles Werben um Novartis

Der Aventis-Aufsichtsrat sendet einen offiziellen Hilferuf an den Schweizer Novartis-Konzern. Doch aus Paris kommt weiter Gegenwind.

Straßburg - Im Kampf gegen eine feindliche Übernahme durch Sanofi Synthelabo  hat Aventis  den Schweizer Konzern Novartis  als "Weißen Ritter" offiziell zu Hilfe gerufen.

Der Aufsichtsrat des deutsch-französischen Pharmaunternehmens ersuchte Novartis am Freitag, in Gespräche über einen Zusammenschluss einzutreten. Damit ist eine Bedingung des Basler Konzerns erfüllt. Der Aventis-Aufsichtsrat hat in Straßburg einstimmig grünes Licht für die Aufnahme von Verhandlungen gegeben. Ferner hat das Gremium bekräftigt, dass das feindliche Übernahmeangebot von Sanofi nicht im Interesse der Aktionäre und der Mitarbeiter von Aventis sei.

Der Konzernchef von Aventis, Igor Landau, habe vom Aufsichtsrat ein Mandat zu formellen Gesprächen mit Novartis über einen Zusammenschluss der beiden Konzerne erhalten, hieß es. Der Aufsichtsrat ermächtigte Landau auch zu weiteren Gesprächen mit der französischen Regierung über die Zukunft des Konzerns.

Gegenwind aus Paris

Novartis hat eine Fusion mit Aventis jedoch auch davon abhängig gemacht, dass die französische Regierung eine neutrale Haltung einnimmt. Paris favorisiert aber das feindliche Übernahmeangebot von Sanofi-Synthélabo, das Aventis nach derzeitigem Börsenkurs mit 45 Milliarden Euro bewertet, und einen "nationalen Champion" in der Pharmaindustrie schaffen würde.

Premierminister Jean-Pierre Raffarin führte strategische Interessen etwa bei der Entwicklung von Impfstoffen zur Abwehr von Bioterrorismus-Attacken ins Feld, um Novartis außen vor zu halten. Novartis wiederum macht eine neutrale Haltung der französischen Regierung zur weiteren Bedingung für eine Fusion.

Gewerkschaften votieren gegen Novartis-Lösung

Drei französische Gewerkschaften haben sich gegen einen Zusammenschluss mit Novartis ausgesprochen. Schweizer Arbeitnehmerorganisationen äußerten sich ebenfalls besorgt. Eine Aventis-Novartis-Fusion würde den weltweit zweitgrößten Pharmakonzern nach dem US-Giganten Pfizer schaffen, die Kombination Aventis/Sanofi wäre die Nummer drei. Die französischen Gewerkschaften bekräftigten ihren Widerstand gegen beide Fusionspläne. Die CFDT befürchte den Verlust von 17.000 Arbeitsplätzen im Falle einer Fusion mit Novartis und von 10.000 bis 12.000 Stellen bei einem Zusammenschluss mit Sanofi.

Novartis könnte den Aventis-Aktionären deutlich mehr und vor allem mehr Bargeld bieten als der Sanofi-Konzern, der bis zu 81 Prozent des Kaufpreises von rund 46 Milliarden in eigenen Wertpapieren zahlen möchte. Aventis wehrt sich gegen Sanofi auch mit den Argumenten, den Aktionären würden von dem französischen Widersacher hohe Risiken aus einer drohenden Aberkennung des Patentschutzes für Sanofis Umsatzbringer Plavix aufgebürdet.

Novartis wollte sich am Freitagabend nicht zu dem Beschluss des Aventis-Aufsichtsrats äußern. Die Übernahmeschlacht um Aventis wird auch in Deutschland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt: Das Straßburger Unternehmen entstand Ende der 90er Jahre durch den Zusammenschluss der Frankfurter Hoechst AG und der französischen Rhône-Poulenc. Aventis beschäftigt weltweit rund 69.000 Mitarbeiter, davon 9000 in Deutschland. Novartis beschäftigt weltweit 78.500 Mitarbeiter in 140 Ländern. Sanofi machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,9 Milliarden Euro und war damit die Nummer 15 in der Welt.