Opec Saudi-Arabien knickt ein

Die steigenden Benzinpreise sorgen für schlechte Stimmung im Weißen Haus. Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen hat Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice Opec-Mitglied Saudi-Arabien deshalb zu einem klärenden Gespräch aufgefordert – offenbar mit Erfolg.

Washington - Saudi-Arabien gibt sich wieder kompromissbereiter. Das Land werde keinen Engpass auf dem Ölmarkt zulassen, erklärte der saudi-arabische Botschafter Prinz Bandar am Donnerstag nach einem Treffen mit US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice in Washington. Engpässe schadeten der Weltwirtschaft, und sein Land lebe nicht auf dem Mond. "Wenn die Weltwirtschaft Schaden nimmt, nehmen auch wir Schaden", sagte der Prinz.

Dabei hat die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) erst am Mittwoch beschlossen, ihre Produktion trotz des stark gestiegenen Ölpreises weiter zu drosseln. Die Entscheidung ist vor allem auf Druck Saudi-Arabien durchgesetzt, das einflussreichste Mitglied des Kartells und der größte Ölförderer der Opec.

Bei der US-Regierung war die Entscheidung der Opec, die Fördermengen um rund vier Prozent zu kürzen, auf öffentlich geäußerte Kritik gestoßen. Vertreter der Demokraten hatten sogar öffentlich Zweifel an der Zuverlässigkeit und Freundschaft des langjährigen US-Verbündeten Saudi-Arabien geäußert.

Prinz Bandar versicherte jetzt während des überraschenden Auftritts vor Journalisten am US-Präsidialamt: "Die Politik Saudi-Arabiens ist konsistent. Nummer Eins: Wir werden keine Verknappung am Markt dulden."

Der Diplomat teilte weiter mit, er habe eine Botschaft vom Saudi-Arabischen Kronprinzen Abdullah, dem faktischen Herrscher in Riad, an US-Präsident George W. Bush überbracht. Abdullah und Bush stünden schon seit längerem wegen der Entwicklung der Ölpreise in direktem Kontakt miteinander. Beide beobachteten die Marktentwicklung sehr sorgfältig und würden dies auch in nächster Zukunft weiter tun.

Sowohl US-Präsident Bush als auch Kronprinz Abdullah seien der Ansicht, dass höhere Energiepreise einen negativen Einfluss auf die Erholung der Weltwirtschaft hätten. Sein Land werde daher nicht näher bezeichnete Maßnahmen ergreifen, damit sich der Preis für Rohöl zwischen 22 und 28 Dollar pro Barrel (159 Liter) bewege, idealerweise durchschnittlich bei 25 Dollar, kündigte der Botschafter an. Am Donnerstag lag der Preis in New York bei 34,27 Dollar pro Barrel.

In Washington waren in den letzten Tagen kritische Stimmen, vor allem bei den Demokraten, laut geworden, die mehr Druck der US-Regierung auf den bisher engen Verbündeten Saudi-Arabien verlangten. Nach den jüngsten Entscheidungen der Opec-Staaten hatten die Öl- und Benzinpreise deutlich angezogen. Experten warnten bereits, zu hohe Energiepreise könnten die Belebung der Konjunktur im Wahljahr in den USA Gefahr bringen.

Senatoren der Demokraten hatten Bush schriftlich aufgefordert, ein paar ernste Worte mit den Saudis zu reden, weil sich Saudi-Arabien maßgeblich hinter die Entscheidung der Opec vom Mittwoch gestellt habe.