Samstag, 25. Januar 2020

Thilenius-Kolumne Den Drachen füttern

China benötigt immer mehr Rohstoffe - Transportunternehmen profitieren davon. Der unerfahrene Anleger sei trotzdem vor einem Aktienengagement in die Schifffahrt gewarnt. Gleichwohl gibt es im China-Geschäft breit aufgestellte Unternehmen, die nicht nur wegen ihres geringeren Risikos interessant sind.

Der chinesische Drache hat scheinbar unstillbaren Appetit. Zur Förderung des Aufbaus importiert das Riesenreich große Mengen von Rohstoffen aus aller Welt. Diese müssen transportiert werden. Der Hunger des chinesischen Drachen lässt sich auch in Zahlen fassen: Die Mietpreise für Schiffe sprechen eine deutliche Sprache. Ein standardisierter Schiffstyp ist die "Panama-Klasse" die so heißt, weil sie die maximalen Dimensionen hat, um durch den Panamakanal zu passen.

 Georg Thilenius
Georg Thilenius
Der tägliche Charterpreis dieser Schiffe liegt zurzeit bei 42.000 Dollar. Im Jahr 2002 lag der Preis bei 19.100 Dollar und im Jahr 2001 bei 7300 Dollar. Nichts beschreibt den chinesischen Importboom deutlicher als diese Zahlen über die Transportkosten.

Aktienengagements in die Schifffahrt sind trotzdem nur dem zu empfehlen, der sich in diesem sehr schwankungsreichen Geschäft bestens auskennt. Der unerfahrene Anleger sollte trotz größter Gewinnversprechen diesem Bereich fernbleiben, da sich die Parameter dieses Geschäftes schnell ändern können.

Verschifft werden hauptsächlich Erz, Stahl, Aluminium und Getreide. Interessant könnten für den Investor also nicht nur die großen Bergbauunternehmen der Welt, sondern auch die Agrarhändler sein.

Zu den größten zählt das amerikanische Unternehmen Archer Daniels Midland. Das Unternehmen fungiert als Käufer, Transporteur und Verarbeiter von Agrarprodukten wie zum Beispiel Weizen, Malz und Sojabohnen. Derzeit befindet sich eine Fabrik zur Verarbeitung von Sojabohnen in China im Bau.

Solange der chinesische Importboom anhält, ist dies ein Unternehmen mit interessanten Chancen und überschaubarem Risiko. Für das Geschäftsjahr 2004 wird eine Erhöhung des Gewinns pro Aktie um 55 Prozent auf 1,07 Dollar und für das Jahr 2005 eine weitere Erhöhung um 5 Prozent auf 1,12 Dollar erwartet. Bei einem derzeitigen Kurs von 17 US-Dollar ergibt sich - bezogen auf den erwarteten Gewinn des Jahres 2005 - ein recht günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,2.

Hier trifft ein ansehnliches Gewinnwachstum auf eine recht günstige Bewertung. Seit dem Jahr 1999 hat sich der Gewinn von damals 0,31 Cent pro Aktie mehr als verdreifacht. Daraus ergibt sich eine Wachstumsrate im Gewinn pro Aktie von über 20 Prozent pro Jahr. Gemessen daran ist die aktuelle Bewertung, die deutlich unter der langfristigen Wachstumsrate liegt, recht günstig, insbesondere für ein Unternehmen mit geringem Risiko.

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