Dienstag, 20. August 2019

Lufthansa Zuschlag für Tickets

Bis 2005 will der Konzern mehr als eine Milliarde Euro einsparen. Auch Reisende bekommen den Sparkurs zu spüren: Die Fluggesellschaft will vom Herbst an beim Ticket-Verkauf Zuschlag erheben.

Frankfurt am Main - Vom 1. September an werden 45 Euro für Interkontinentalflüge und von 30 Euro bei Reisen innerhalb Europas gefordert, sagte der Vertriebs- und Marketingchef Thierry Antinori dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Die Zuschläge sind Bestandteil eines rigiden Sparkurses, mit dem die Lufthansa bereits in diesem Jahr mehr als 400 Millionen Euro einsparen will. In spätestens zwei Jahren sollen 1,2 Milliarden Euro erreicht sein. Die Aktie der Lufthansa Börsen-Chart zeigen legte am Montag im frühen Handel weiter zu, nachdem sie bereits in den Vortagen deutlich geklettert war.

 Zuschlag für Tickets: Ab Herbst wird Fliegen mit der Lufthansa teurer
Airbus Industrie / Lufthansa
Zuschlag für Tickets: Ab Herbst wird Fliegen mit der Lufthansa teurer
Nach einem Rekordverlust von fast einer Milliarde Euro im vergangenen Jahr will die Fluggesellschaft 2004 wieder in die Gewinnzone fliegen. Mit Tarifabschlüssen unter dem Motto "mehr Arbeit für gleiches Geld" könnten die Perspektiven für alle Mitarbeiter wachsen, hatte der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Frankfurt gesagt. Die Alternative wäre, den Einstellungstopp in dem rund 93 000 Mitarbeiter zählenden Konzern fortzusetzen.

Vergangenes Jahr hatten der Irak-Krieg, die Lungenkrankheit Sars und die schwache Weltkonjunktur den Umsatz um 6,0 Prozent auf 16,0 Milliarden Euro sinken lassen. Unter dem Strich verbuchte Lufthansa einen Rekordverlust von 984 Millionen Euro (2002: plus 717 Mio).

Ursache des Verlustes sind vor allem außerordentliche Abschreibungen auf den Wert der Catering-Tochter LSG, die Mayrhuber in seinem ersten Amtsjahr vornahm. Im operativen Geschäft erzielte Lufthansa einen kleinen Gewinn von 36 Millionen Euro (2002: 718 Mio). Die Dividende soll ausfallen.

Mayrhuber verzichtet auf Ausblick

Bei der Ergebnisprognose verzichtete Mayrhuber auf konkrete Zahlen. "Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingt, in 2004 deutlich besser abzuschneiden", sagte er. Der Kurs der Lufthansa-Aktie Börsen-Chart zeigen legte bis zum Mittag um rund 1,5 Prozent zu.

Bei der Kapazitätsplanung setzt die Lufthansa 2004 auf ein Wachstum von rund 18 Prozent im Interkontinentalverkehr. So wurden neue Strecken etwa nach Peking oder Schanghai aufgenommen. Innereuropäisch geht die Lufthansa von einem Wachstum von 4 Prozent aus.

Reisebüros sollen Kunden eigene Rechnung stellen

Durch den Wegfall der Provisionen für die Reisebüros, die ihre Kosten den Kunden ab September selbst in Rechnung stellen sollen, will Lufthansa rund 100 Millionen Euro einsparen.

Bei der in tiefrote Zahlen gerutschten Tourismus-Beteiligung Thomas Cook sollen zehn Prozent der 5500 Stellen in Deutschland gestrichen werden. Im Catering-Bereich wurden seit September 2001 bereits 11 800 Stellen, überwiegend in den USA, abgebaut.

Anteil an Eurowings aufgestockt

Alle Prognosen setzt Lufthansa unter den Vorbehalt, dass es nicht zu erneuten globalen Krisen wie nach dem 11. September 2001 kommt. Die Anschläge in Madrid haben laut Lufthansa allerdings keine Auswirkungen auf die Buchungszahlen gehabt. Zu den Tarifen sagte Mayrhuber, es gebe mit allen Gewerkschaften intensive Gespräche. "Ich bin sicher, dass wir da zu Ergebnissen kommen."

Lufthansa kündigte an, zum 1. April ihren Anteil an der Fluggesellschaft Eurowings von 24,9 auf 49 Prozent aufzustocken. Eurowings fliegt als Regionalpartner der Lufthansa auf europäischen Strecken. Zudem ist Eurowings Eigentümerin der Billigfluglinie Germanwings. Die Billigflieger erhöhten den Preisdruck, sagte Mayrhuber. Allerdings habe die Lufthansa auch reagiert und die Kosten gesenkt.

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