Thilenius-Kolumne Schöne neue Autowelt?

Die deutschen Automobilbauer geben sich optimistisch. Doch die Zulassungszahlen und andere Daten sprechen derzeit eine andere Sprache. Mit Geduld könnte sich der Kauf so mancher Aktie dennoch auszahlen.

Beim jüngsten Genfer Automobilsalon waren viele schöne neue und auch bekannte Modelle zu bestaunen. In der Branche herrscht Aufbruchstimmung und die Hersteller verbreiten Zuversicht. Diese Aufbruchstimmung und diese Zuversicht schlagen sich jedoch in diesem Jahr nicht in den Auftragsbüchern der Hersteller nieder.

Die Kommentare und Beobachtungen unabhängiger Beobachter stehen im starken Kontrast zu denen der Hersteller. Die neuen Zulassungszahlen für den Monat Februar im deutschen Markt dokumentieren zunächst einmal einen erneuten Absatzrückgang und geben kein Signal zum Optimismus.

Eine ähnliche Entwicklung haben wir auf der vergangenen Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt gesehen. Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten war auf beiden Autoschauen der Andrang riesengroß und das Echo in der Öffentlichkeit laut zu vernehmen. Doch in Umsätzen hat sich der neue Optimismus weder damals noch heute niedergeschlagen.

Impulse müssen aus dem Ausland kommen

Die Verkaufsstatistik und verschiedene Umfragen zeigen deutlich, dass dem deutschen Publikum neue Autos als zu teuer gelten. Angesichts anhaltender Arbeitslosigkeit und niedrigem Wirtschaftswachstum dürfte sich daran auf absehbare Zeit auch wenig ändern. Hilfe ist allenfalls von anziehenden Verkäufen in Exportländern mit stärkerem wirtschaftlichem Wachstum zu erwarten, hier vor allem in den USA.

Die stagnierende Absatzentwicklung in der Automobilindustrie spiegelt sich auch im Kursverlauf der großen und bekannten Hersteller wider. Für den Investor stellt sich nun die Frage, ob er überhaupt Schwerpunkte setzen und wo er sich dann unter Umständen engagieren soll.

Unter den großen Autoherstellern hat BMW  über die Jahre hinweg eine besonders konstante Ertrags- und Kursentwicklung aufzuweisen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,7 für den erwarteten Gewinn des Jahres 2005 ist die Aktie angemessen bewertet. Der auf Sicherheit bedachte Investor wird hier angesichts einer kontinuierlichen und wenig Überraschungen bietenden Modellpolitik sowie eines sehr langen Planungshorizonts des Familienunternehmens einen Schwerpunkt setzten.

Geduld könnte sich bezahlt machen

VW-Aktien jetzt nicht aussortieren

Die Aktie von Volkswagen  ist mit einem KGV von 8,1 auf vergleichbarer Basis deutlich günstiger bewertet als die Titel von BMW. Als Hersteller von Großserien ist Volkswagen jedoch besonders stark von der inländischen Konsumkonjunktur abhängig, die zurzeit wenig Aufhellung zeigt.

Wer VW-Aktien hat, sollte sie auf dem jetzt niedrigen Niveau nicht mehr verkaufen, sondern mit Geduld die Besserung erwarten, die sich auf Grund des zyklischen Charakters der Autokonjunktur wieder einstellen wird.

Angesichts der sehr langsamen Erholung sowohl der allgemeinen Konjunktur als auch der Autokonjunktur sollte nur ein sehr langfristig orientierter Investor jetzt VW-Aktien kaufen.

Chancen bei DaimlerChrysler

Für Käufe mit einem Zeithorizont von etwa drei Jahren ist DaimlerChrysler  die interessanteste Möglichkeit. Das Stammgeschäft in Deutschland fährt gute Gewinne ein. Die Sanierung von Chrysler macht langsam Fortschritte. Über die Sanierung bei Mitsubishi lässt sich gegenwärtig noch nicht viel sagen. Der Konzern will bei beiden Marken auf den Weg des Erfolges zurück. Der Zeitpunkt, wann dies gelingt, ist jedoch noch offen.

Das Chrysler-Geschäft in den Vereinigten Staaten hat einen sehr hohen Hebel. Die US-Autoindustrie ist immer schon ein extrem zyklisches Geschäft gewesen. Mit fortschreitender Konjunkturerholung und den hohen Wachstumsraten im Bruttosozialprodukt von etwa 4 Prozent wird sich auch der amerikanische Automarkt im Laufe der Zeit erholen, so wie in früheren Phasen der Konjunkturerholung. Diesmal scheint es nur länger zu dauern als nach der letzten Autokrise im Jahr 1993.

Der geduldige Investor sollte bei DaimlerChrysler  reich belohnt werden, zumal die Aktie heute nicht allzu weit über den Tiefkursen der Krisenjahre 1987, 1990 und 1993 notiert.

Frühling in der Halle


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