Hochtief Nettogewinn eingebrochen

Der Baukonzern hat mit seinen Jahreszahlen die Erwartungen verfehlt. Optimistisch stimmt der Ausblick im europäischen Baugeschäft. Die internationalere Aktionärsstruktur eröffnet zudem neue Möglichkeiten.

Essen - Hochtief  hat im vergangenen Jahr netto deutlich weniger verdient. Der Nettogewinn sei auf Jahressicht von 43,3 Millionen auf 16,2 Millionen Euro gesunken, teilte Deutschlands größtes Bauunternehmen am Montag in Essen auf der Bilanzpressekonferenz mit.

Bereits Mitte Februar hatte Hochtief erste Kennzahlen für 2003 veröffentlicht. Demnach stieg das betriebliche Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um rund 40 Prozent auf 220 Millionen Euro. Die Bauleistung schrumpfte wechselkursbereinigt auf 11,5 Milliarden Euro.

Ende vergangener Woche billigte der Aufsichtsrat eine vom Vorstand vorgeschlagene Dividendenerhöhung um 0,10 auf 0,65 Euro je Aktie. Damit wolle der Konzern "ein positives Signal für die weitere Entwicklung setzen", hieß es. Optimistisch zeigte sich das Unternehmen zur Auftragslage für das europäische Baugeschäft. "Der Auftragsbestand liegt auf einem erfreulich hohen Niveau", teilte Hochtief mit.

Über 300 neue institutionelle Anteilseigner

Der Markt reagierte auf die vorgelegten Zahlen mit einem Kursabschlag. Im MDax  gehörten die Hochtief-Aktien mit einem Minus von 3,3 Prozent auf 22,62 Euro zu den größten Verlierern. Einem Frankfurter Händler zufolge habe das Ergebnis mit 16 Millionen Euro klar unter den Schätzungen gelegen. Hochtief begründete den Rückgang mit Steuereffekten sowie erhöhten Anteilen anderer Gesellschafter.

Durch den Ausstieg des früheren Großaktionärs RWE  im vergangenen Monat hat Hochtief nach eigenen Angaben mehr als 300 neue institutionelle Investoren gewonnen. Die aktuelle Aktionärsstruktur bedeute für den Konzern einen Neubeginn, betonte der Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Keitel. Der Anteil der Aktien im Streubesitz habe sich auf 80,5 Prozent nahezu verdreifacht. RWE halte nun noch 9,6 Prozent zur Bedienung der Umtauschanleihe. Die restlichen knapp zehn Prozent halte Hochtief als eigene Aktien.

Zur regionalen Verteilung sagte Keitel, mit 56 Prozent sei der weitaus größte Teil des RWE-Pakets in Großbritannien platziert worden. In Deutschland seien es 22 Prozent und in den USA 14 Prozent gewesen. Die übrigen acht Prozent seien vornehmlich im übrigen Europa platziert worden. Hochtief habe damit jetzt eine internationale Aktionärsstruktur, die zur globalen Aufstellung des Unternehmens passe und dem Konzern zudem "ganz neue Möglichkeiten" eröffne.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.