EADS "Tal der Trauer ist durchschritten"

Der Luft- und Raumfahrtkonzern schreibt wieder Gewinne. Der Markt für Zivilflugzeuge erholt sich. Gleichwohl wollen sich EADS und die Tochter Airbus stärker auf das Geschäft mit militärischen Flugzeugen konzentrieren.

Paris - EADS  ist 2003 in die Gewinnzone zurückgekehrt und sieht nach drei Jahren Krise erste Hoffnungsschimmer in der zivilen Luftfahrtbranche. Für das laufende Jahr stellte der nach Boeing weltweit zweitgrößte Flugzeugbauer eine kräftige Gewinnerhöhung in Aussicht.

"Wir haben das Tal der Trauer durchschritten", sagte EADS-Co-Chef Philippe Camus auf der Bilanzpressekonferenz am Montag in Paris. Die Passagierzahlen dürften weltweit um sieben Prozent, in der Region Asien-Pazifik sogar um 14 Prozent steigen, prognostizierte er. Die Flugzeugtochter Airbus, der mit Abstand größte Umsatzträger, rechne ab 2005 wieder mit steigenden Auslieferungen und Aufträgen. Die Aktionäre sollen von der guten Entwicklung im vergangenen Jahr mit einer um zehn auf 40 Cent je Aktie erhöhte Dividende profitieren.

Auftragseingang hat sich in 2003 verdoppelt

Die zyklische Branche steckt seit drei Jahren in einer Krise, die durch die Anschläge vom 11. September 2001 verschärft worden war. Als Beleg für eine Branchenerholung wertet der Konzern auch, dass sich der Auftragseingang 2003 verdoppelte. Zusätzliches Wachstum soll nun das florierende, aber noch kleine Verteidigungsgeschäft und die Raumfahrtsparte bringen, für die EADS 2004 nach harter Sanierung wieder mit Gewinnen rechnet. Zukäufe in den USA, um die Dominanz der Amerikaner auf ihrem Heimatmarkt zu knacken, schließt der Konzern nicht aus.

Die im MDax gelistete, aber hauptsächlich in Paris gehandelte EADS-Aktie konnte zunächst zulegen, schloss am Montag aber 1,32 Prozent leichter auf 18,65 Euro. Der MDax  gewann hingegen 0,3 Prozent auf 4980 Zähler hinzu.

Airbus hat Boeing überholt

Airbus konnte 2003 erstmals seit rund 30 Jahren den US-Erzrivalen Boeing ausstechen und mit 305 Flugzeugen mehr Maschinen als die Amerikaner ausliefern. 2004 werde Airbus wohl etwas weniger Flugzeuge an die Kunden bringen als im Vorjahr, bekräftigte Camus. Der Konzern rechne aber bei stabilen Umsätzen mit einem Anstieg des operativen Gewinns (Ebit) auf 1,8 Milliarden Euro - mehr als bislang angekündigt.

EADS will das Verteidigungsgeschäft forcieren

Um die Abhängigkeit von der zivilen Luftfahrt zu verringern, will die EADS das Verteidigungsgeschäft forcieren. Bislang erwirtschaftet Airbus zwei Drittel des Umsatzes und macht den Konzern damit anfällig für Konjunkturschwächen. Der Konkurrent Boeing ist weitaus stärker im Rüstungsbereich etabliert.

Der deutsche Co-Chef Rainer Hertrich sagte, der Auftragsbestand im Verteidigungsgeschäft habe sich im vergangenen Jahr auf 46 Milliarden Euro verdoppelt. "Dies unterstützt das Ziel, den Umsatz im Verteidigungsgeschäft von 2002 bis 2005 um über 50 Prozent zu steigern."

Ursache für den kräftigen Anstieg ist nicht zuletzt der Erfolg eines EADS-Konsortiums im Bieterstreit um einen milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag der britischen Luftwaffe. Die Gruppe konnte sich gegen Boeing durchsetzen und sich das Recht exklusiver Verhandlungen sichern. Damit stoßen die Europäer in einen Wachstumsmarkt vor, der bisher monopolartig von den Amerikanern dominiert wurde.

Dollarschwäche kein Grund zur Unruhe

Hertrich sagte, der Konzern habe trotz früherer Überlegungen derzeit keine konkreten Pläne, Produktion in den Dollar-Raum zu verlagern. Die EADS ist wie kaum ein anderes Unternehmen von dem Höhenflug des Euro betroffen, da Airbus fast nur in Europa produziert, seine Maschinen aber in Dollar verkauft. Der Konzern habe sich abgesichert, sagte Hertrich. Ab einem Euro-Kurs von 1,25 beginne es zwar etwas zu schmerzen, es gebe aber keinen Grund zu Beunruhigung. Kleinere und mittlere Zukäufe in den USA schließe er ebenso nicht aus wie den Ausbau von Partnerschaften vor Ort, sollten sich entsprechende Gelegenheiten bieten.

Dank Airbus wieder zurück in der Gewinnzone

2003 konnte die EADS dank des guten Abschneidens von Airbus und des Verteidigungsgeschäfts mit 152 Millionen Euro wieder einen Gewinn erwirtschaften nach einem Verlust von 299 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten. Der Umsatz kletterte auf 30,13 (29,90) Milliarden Euro.

Die EADS war 2002 wegen hoher Firmenwertabschreibungen, der Krise der Luftfahrtbranche und Problemen der Raumfahrtsparte in die Verlustzone geraten. Im vergangenen Jahr baute dieser Bereich seinen operativen Verlust mit 400 (268) Millionen Euro nochmals aus, 2004 rechnet EADS hier aber wieder mit Gewinnen.