Wella Deka Investment erwägt Klage

Auch die Investment-Abteilung der Sparkasse prüft nun rechtliche Schritte gegen den Einstieg des US-Riesen Procter & Gamble bei dem Darmstädter Haarpflegekonzern. Wird die Übernahme einer Sonderprüfung unterzogen?

London - Die Fondsgesellschaft Deka Investment erwägt einem Pressebericht zufolge eine separate Klage gegen die Übernahme des Haarpflegekonzerns Wella  durch den US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) . Die Anwälte des institutionellen Anlegers untersuchten derzeit einen Ansatz für eine solche Klage, berichtet die "Financial Times".

Deka unterstützt bereits inoffiziell ein Klägerkonsortium von Hedgefonds, die Anfang der Woche bei dem zuständigen Gericht in Darmstadt eine Sonderprüfung bei Wella beantragen wollen. Eine separate Klage der Deka würde eine weitere juristische Front im Streit zwischen P&G und den Wella-Vorzugsaktionären eröffnen.

Hintergrund des Streits ist die große Differenz zwischen dem P&G-Angebot für die Wella-Stämme (92,25 Euro) und den Vorzugsaktien (65 Euro). Einige Vorzugsaktionäre, darunter auch der US-Hedgefonds Elliott, hatten das Angebot als zu niedrig abgelehnt und dadurch eine Komplett-Übernahme durch die Amerikaner verhindert.

"Wir treten dem Konsortium (der Fondsmanager) nicht bei, marschieren aber wie immer Seite an Seite mit ihnen", sagte Deka-Fondsmanager Trudbert Merkel den Zeitungsangaben zufolge. "Wenn wir unsere neue Initiative einleiten, wird es in Absprache mit ihnen erfolgen". Deka hält 600.000 Wella-Vorzugsaktien.

P&G hält am alten Angebot fest

Erst auf der Hauptversammlung Anfang Februar hatte sich Procter & Gamble nochmals deutlich gegen die von den Minderheitsaktionären eingebrachten Forderungen ausgesprochen. Josef Broich, Sprecher der Minderheitsaktionäre, hat daraufhin angekündigt, einen Antrag auf Sonderprüfung beim zuständigen Gericht in Darmstadt zu stellen.

Broich vertritt ein Konsortium aus Minderheitsaktionären, vornehmlich internationale Investmentfonds, die rund 19 Prozent des Wella-Grundkapitals halten und die vollständige Übernahme Wellas durch P&G blockieren. Mit ihrer Klage wollen die Minderheitsaktionäre eine Sonderprüfung durchsetzen.

Dabei soll geklärt werden, ob es vom Wella-Vorstand im Zuge der Übernahme durch Procter & Gamble zu Pflichtverletzungen gekommen ist. Zudem solle geprüft werden, ob P&G unrechtmäßig Know-how aus dem übernommenen Unternehmen gezogen habe, was nur auf Grundlage eines Beherrschungsvertrages hätte erfolgen dürfen, sagte Broich.

Ein Beherrschungsvertrag hat seinen Preis

Der Vorwurf der Minderheitsaktionäre: P&G versuche, sich Wella einzuverleiben, obwohl der Konzern lediglich 81 Prozent des Grundkapitals besitzt. "Diese Großmannssucht können wir nicht dulden", sagte Matthias Schröder von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Nach Meinung der Kritiker hat das US-Unternehmen (Meister Proper, Pampers) Wella zu einer bloßen Betriebsabteilung degradiert. Erst Anfang des Jahres hat Wella dem US-Konzern per Lizenzvertrag das Recht zur weltweiten Vermarktung seiner Produkte eingeräumt.

Ohne einen Beherrschungsvertrag sei eine solche schleichende Integration nicht möglich, so die Kritiker. Sofern P&G mit Wella einen Beherrschungsvertrag abschließe, müsste der US-Konzern Wella neu bewerten lassen und das Angebot an die Aktionäre deutlich erhöhen. P&G hatte den Vorzugsaktionären 65 Euro je Vorzugsaktie geboten, die Minderheitsaktionäre halten aber einen Preis von 80 bis 100 Euro für angemessen. Ein Beherrschungsvertrag dürfte Procter daher rund eine weitere Milliarde Euro zusätzlich kosten.