Märkte Autowerte leiden unter Gerüchten

Autowerte zählen zu den größten Verlierern im Dax. Bei VW geht das Rabatt-Gespenst um. DaimlerChrysler muss womöglich einen höheren Verlust seiner Tochter Mitsubishi verkraften. Im MDax sind die Aktien des Pharmakonzerns Merck gefragt.

Hamburg/Frankfurt am Main - Nachdem die Börsen am vergangenen Freitag unter einer Flut schlechter News noch deutliche Abschläge verzeichnet haben, präsentierten sich die Märkte am Montag in etwas stabilerer Verfassung, notierten aber gleichwohl im roten Bereich. Positve Überraschungen gab es vor allem von Unternehmen aus der zweiten Reihe. Sowohl der Pharmakonzern Merck als auch der Staatsfinanzierer Depfa  präsentierten gute Zahlen.

Der Dax  eröffnete leicht im Minus und gab im Verlauf des Vormittags 0,4 Prozent auf 4042 Zähler nach. TecDax  und MDax  verzeichneten ebenfalls geringe Verluste. Für den weiteren Handelsverlauf erwarteten Marktbeobachter keine großen Schwankungen. Aktienstrategen machten eine "gewisse Lethargie" am Markt aus. Der deutsche Leitindex werde in den kommenden Tagen vermutlich in der Spanne zwischen 4000 und 4180 Punkten pendeln, hieß es.

Auf Grund eines Feiertages bleiben die US-Börsen heute geschlossen, zudem stehen keine wichtigen Konjunkturnachrichten an. Der Dow Jones  hatte am Freitag auf 10.627 Zählern geschlossen, ein Abschlag von 0,6 Prozent, der Nasdaq Composite  gab rund ein Prozent auf 2053 Punkte ab. Schlechte Daten zum US-Verbrauchervertrauen und ein Rekorddefizit in der amerikanischen Leistungsbilanz im Jahr 2003 hatte die Stimmung an der Wall Street getrübt. In Tokio schloss der Nikkei 0,1 Prozent leichter auf 10.548 Punkten. Der breit gefasste Topix verbesserte sich um 0,4 Prozent auf 1045 Punkte.

Autohersteller beim Klagen-Stelldichein vor Prodi

Im Fokus der Anleger standen zum Wochenauftakt erneut die Automobilhersteller. Die Vorstandschefs von fünf führenden europäischen Autoherstellern und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi bereiten einen Krisengipfel vor, berichtet das "Handelsblatt". Die Vielzahl strenger gesetzlicher Vorschriften mache den Unternehmen zu schaffen. Die Auto-Manager unter Führung von VW-Chef Bernd Pischetsrieder wollen Prodi überreden, die Weichen für eine neue Ära industriefreundlicher EU-Gesetzgebung zu stellen.

Darunter verstehen die Hersteller dem Bericht zufolge nicht nur einen Abbau der aus ihrer Sicht überbordenden EU-Regulierung, sondern auch eine Neu-Organisation der EU-Kommission, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu steigern. Das Treffen soll "der Auftakt einer massiven Lobby-Kampagne zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und Japan" werden.

Volkswagen: Das Rabatt-Gespenst geht um

Volkswagen: Das Rabatt-Gespenst geht um

Die Autowerte im Dax zählten zu den größeren Verlierern. Volkswagen  gaben mehr als zwei Prozent auf 38,73 Euro nach. Händler verwiesen auf Medienberichte, denen zufolge VW die Dividende kürzen dürfte. Zudem vertrieb erneut das Rabatt-Gespenst die Anleger. Die "Automobilwoche" berichtete, VW wolle den Absatz der Modelle Polo und Lupo unter anderem mit gesenkten Finanzierungszinsen ankurbeln. Zudem seien Sondermodelle des Polo und des Passat geplant. Erst kürzlich hatte Volkswagen auf den neuen Golf 5 durch die kostenlose Zugabe einer Klimaanlage einen erheblichen Rabatt eingeräumt. Bei VW war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Die Aktien von DaimlerChrysler  verloren etwa 1,60 Prozent auf 36,05 Euro. Der operative Verlust bei der Beteiligung Mitsubishi ist nach Presseberichten höher ausgefallen als erwartet. An dem Unternehmen ist DaimlerChrysler mit rund 37 Prozent beteiligt. BMW -Titel notierten etwa ein halbes Prozent leichter bei rund 33,60 Euro.

Merck überrascht die Analysten

Nach Vorlage von Zahlen und dem Verkauf von VWR haben Aktien des Pharmakonzerns Merck KGaA  am Montag in der Spitze um knapp vier Prozent auf rund 39 Euro zugelegt. Das Darmstädter Unternehmen hatte mit den Zahlen für das vierte Quartal die meisten Analysten positiv überrascht. Zudem wird der Konzern sämtliche Anteile am weltweiten Laborhandelsgeschäft VWR International verkaufen. Die Sparte werde für 1,68 Milliarden Dollar an den US-Finanzinvestor Clayton, Dubilier & Rice, Inc. (CD&R) veräußert, teilte Merck am Montag mit.

Depfa Bank übertrifft die Prognosen

Gute Nachrichten gab es vom Staatsfinanzierer Depfa Bank , die dank der hohen Nachfrage der öffentlichen Hand nach Finanzierungshilfen 2003 ihren Gewinn massiv gesteigert und die Prognosen dabei deutlich übertroffen hat. Der Konzerngewinn betrug 370 Millionen Euro, verglichen mit 236 Millionen Euro im Vorjahr, teilte die im MDax  gelistete Bank am Montag in Frankfurt mit. Die Depfa Bank übertraf damit die eigene, 2003 bereits zweimal angehobene Prognose von 350 Millionen Euro, und die Markterwartungen. Da die Aktie in der Vergangenheit sehr gut gelaufen ist, strichen die Investoren am Montag zunächst einmal die Kursgewinne ein. Die Aktie der Bank  gab um rund drei Prozent nach auf 120,56 Euro.

Spekulationen können Fraport nicht belasten

Die Aktie des Flughafenbetreibers Fraport  notierte am Vormittag fest im Plus. "Focus" berichtet, dass sich der Ausbau des Frankfurter Flughafens deutlich verzögern wird. Das Nachrichtenmagazin beruft sich dabei auf interne Berechnungen der Betreiber-Gesellschaft, denen zufolge die geplante Nordwest-Landebahn frühestens im Jahr 2009 fertig gestellt sei. Fraport-Sprecher Klaus Busch erklärte dagegen, das Unternehmen halte an seinem Ziel fest, die Bahn 2007 in Betrieb zu nehmen.

Sanofi mit Gewinnsprung

Sanofi Synthelabo  hat bereits vor Börseneröffnung überraschend gute Geschäftszahlen bekannt gegeben. Der französische Pharmakonzern bemüht sich derzeit um eine Übernahme des Rivalen Aventis .

Der Gewinn sei um 17,7 Prozent auf 2,069 Milliarden Euro gewachsen, teilte Sanofi Synthelabo am Montag mit. Die Markterwartungen beliefen sich lediglich auf 2,012 Milliarden Euro. Sanofi teilte ferner mit, der Gewinn je Aktie sei um 21,5 Prozent auf 2,94 Euro gestiegen. Für 2004 rechnet Sanofi bei gleich bleibenden Umsätzen mit weiterem Wachstum und eine Steigerung des Gewinns pro Aktie um etwa 15 Prozent.

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