Thilenius-Kolumne Im Reich der 1000 Wachstumschancen

Viele Investoren möchten vom China-Boom profitieren, scheuen sich jedoch vor dem Risiko. Es gibt aber auch sichere Anlagealternativen aus den USA, die vom Aufschwung in Fernost mit nach oben getragen werden.

Die Chinesen sind fleißige Leute. Seit die Volksrepublik vor einigen Jahren schrittweise vom Sozialismus befreit wurde, darf sie es nun auch dem Rest der Welt zeigen. Der frühere Staatschef Deng hatte den Unterschied zwischen Sozialismus und Marktwirtschaft einmal so formuliert: "Ob die Katze schwarz ist oder weiß, spielt keine Rolle. Hauptsache sie fängt Mäuse." Die marktwirtschaftlichen Katzen in China fangen nun kräftig Mäuse: Chinas Volkswirtschaft hat im vergangenen Jahr 9,1 Prozent zugelegt. So hoch war die Steigerungsrate zuletzt im Jahr 1997.

Damit ist China inzwischen die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. Allerdings startete dieses sehr spektakuläre Wachstum von einer sehr niedrigen Basis aus. Jahrzehntelang war China in einer Art Steinzeitkommunismus gefangen und hat sich daraus erst allmählich befreien können.

Im Zuge der allgemeinen Erholung der Weltwirtschaft könnten auch in China im Jahr 2004 noch höhere Wachstumsraten möglich sein. Fachleute erwarten ein Wachstum von nahezu zehn Prozent in der ersten Jahreshälfte 2004.

Da das Wirtschaftswachstum zum größten Teil an die Industrieproduktion und den Bausektor gekoppelt ist, wird die Nachfrage nach Rohstoffen sehr hoch bleiben. China hat schon 2003 55 Prozent der Zementproduktion der Erde und 36 Prozent Ihrer Stahlproduktion importiert.

Zentralbank zieht die Zügel an

Früher oder später wird die Zentralbank aus Angst vor einer Überhitzung der Wirtschaft eine straffere Geldpolitik verfolgen. Erste Ansätze davon waren bereits im Herbst vergangenen Jahres zu sehen. Die straffere Geldpolitik dürfte jedoch, angesichts einer niedrigen Inflation von 1,2 Prozent, nicht zum Abwürgen der Wirtschaft führen.

Ebenso wachsen die Exporte kräftig. Diese werden von einem niedrigen Kurs der Währung gestützt, was wiederum Amerika und Japan zur Kritik veranlasst, weil deren Produkte im Vergleich teurer werden. Eine allmähliche Aufwertung der chinesischen Währung in diesem Jahr wird weithin erwartet.

Sicheres China-Investment

Ein Investor, der sich in diesem langfristigen Trend der chinesischen Importe positionieren will, kann an ein Engagement in US-Metallwerte nachdenken. Hier bieten sich der weltgrößte Aluminiumhersteller Alcoa  und der Stahlhersteller US Steel  an. Vor allem US Steel dürften einerseits von einer kräftigen Erhöhung der Stahlpreise, die vor einigen Monaten in Gang gekommen ist, profitieren, anderseits auch von dem günstigen Dollar-Kurs. Der Dollar-Kurs ist an die chinesische Währung gebunden.

Verschiedene Analysten haben für US Steel gerade eben neue Gewinnschätzungen für das Jahr 2004 veröffentlicht. Sie gehen von einem Gewinnanstieg von bis zu vier Dollar pro Aktie aus. Im Jahr 2005 könnten dann etwa fünf Dollar erreicht werden. Die bringt die Aktie bei einem jetzigen Kurs von 36 Dollar auf ein recht günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis von neun für das Jahr 2004.

Da der Gesamtmarkt für das Jahr 2004 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 hat, ist hier auch relativ zum Gesamtmarkt noch erhebliches Potenzial zu sehen. Der Kurs von US Steel hat sich allerdings in den vergangenen zwölf Monaten schon kräftig gesteigert.

Angesichts chinesischer Nachfrage und auch dem kräftigen Wiederanziehen der amerikanischen Konjunktur und den günstigen Exportmöglichkeiten auf Grund des niedrigen Dollar, bietet US Steel eine gute Möglichkeit, vom Fleiß der Chinesen zu profitieren ohne den Risiken eines Investments in einem chinesischen Unternehmen in der Volksrepublik ausgesetzt zu sein.

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