Tengelmann "Gewaltige Zäsur"

In manager magazin spricht der sonst publikumsscheue Handelschef Erivan Haub erstmals über seine Umbaupläne: Reorganisation der Handelsketten, eine mögliche Zusammenarbeit mit Ahold und Börsenpläne für Obi.

Mülheim - Die Mülheimer Handelsgruppe Tengelmann wird radikal umgebaut. Erivan Haub (66), allein geschäftsführender Gesellschafter des Firmenverbunds (Tengelmann, Kaiser’s, Plus, Kaiser’s Drugstore etc.), erklärt in einem Interview mit dem manager magazin, daß die Gruppe an einer völlig neuen Führungsstruktur arbeitet. "Das ist für uns eine gewaltige Zäsur", sagt Haub, der sich zum ersten Mal in einem Interview zu seinem Unternehmen und zur Rolle seiner Familie äußerte.

Der Kern des Umbaus: Die bisher als Offene Handelsgesellschaften (OHG) geführten Einzelunternehmen der Gruppe sollen in GmbH umgewandelt werden. Eine Führungsholding, die Tengelmann Warenhandelsgesellschaft OHG, übernimmt die Steuerung. In einem zweiten Schritt, so Haub, könnte die Holding dann in eine AG oder KgaA umgewandelt werden. Der Familieneinfluß soll dabei auf jeden Fall gewahrt bleiben.

In der neuen Holding sollen maximal vier Manager sitzen: Erivan Haub als Vorsitzender, sein ältester Sohn Karl-Erivan als sein Stellvertreter sowie je ein Vorstand für das operative Geschäft und für die Verwaltung.

Haub hält es mittelfristig für denkbar, auch den Kapitalmarkt zu nutzen: "Wir haben die Chance, mit unseren gut laufenden Beteiligungen wie Obi oder den Textilmärkten Takko und Kik an die Börse zu gehen."

Gleichzeitig, so kündigte Haub an, sei die Gruppe "aufgeschlossen für strategische Partnerschaften". Vorstellen könne er sich zum Beispiel eine Kooperation mit dem holländischen Einzelhandelskonzern Ahold: "Ein familiengeprägtes Unternehmen, das gut zu uns passen würde."

Tengelmann, so Haub im Gespräch mit manager magazin, arbeite derzeit an einer umfassenden Reorganisation des Lebensmittelhandels. Die "Sanierungsphase" (Haub) werde mindestens drei Jahre dauern. Allein im Supermarktbereich beziffert Haub die jährlichen operativen Verluste auf rund 200 Millionen Mark.

An eine Trennung von Besitz und Management denkt Haub nicht: "Ich bin davon überzeugt, daß die Familie auch weiterhin operative Verantwortung tragen will und wird.

Spekulationen über seinen Rückzug aus der Tengelmann-Führung wies Haub ebenfalls zurück: "Ich erfreue mich bester Gesundheit und fühle mich fit."

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