Tagesausblick Die Rufer in der Wüste

Hat da jemand was gesagt? Haben die G7-Staaten vor einem zu starken Euro gewarnt? Den Märkten ist es offenbar egal. Der anhaltend schwache Dollar belastet am Montag die Börse in Tokio.

Tokio/Hamburg - Zum Start in die neue Börsenwoche sind die Vorgaben aus Fernost verhalten. Die Aktienbörse in Tokio konnte sich am Montagvormittag zunächst nur knapp behaupten. Der Nikkei-Index  für 225 Standardwerte notierte zur Halbzeit ein Plus von 9,88 Punkten oder 0,09 Prozent beim Stand von 10 470,80 Punkten. Den Handel allerdings beendete der japanische Leitindex mit einem Minus von 58,31 Punkten oder 0,56 Prozent bei 10 402,61 Punkten.

Für den Dax rechnen Händler am Montag mit einem behaupteten Start. Die US-Börsen hatten am Freitag im späten Handel noch leicht zugelegt, allerdings rechnen Händler in Frankfurt nicht mit deutlichen Gewinnen im Dax. Der Euro, der am Montag Morgen erneut stark zugelegt hat, dürfte die Märkte bremsen.

Der Dollar notierte um 11.00 Uhr Ortszeit leichter mit 105,74-76 Yen nach 106,03-06 Yen am späten Freitag. Der Euro lag im frühen Geschäft deutlich fester bei 1,274 Dollar nach 1,2555-58 Dollar am späten Freitag. Auch zum Yen tendierte der Euro fester mit 133,65-69 Yen nach 133,15-19 Yen am späten Freitag.

G 7 Treffen: Warme Worte, wenig Wirkung

Damit zeigt sich der Kurs der Gemeinschaftswährung unbeeindruckt von den Statements der Notenbankchefs und Finanzminister der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7). Die hatten sich bei ihrem Treffen in Boca Raton im US-Bundesstaat Florida für stabile Devisenmärkte ausgesprochen und ein deutliches Signal gegen die Talfahrt des Dollar gesetzt.

Händler rechnen am Montag dennoch mit einem gut behaupteten Handelsauftakt an der Frankfurter Börse. Die US-Börsen waren nahe der Tageshöchststände aus dem Handel gegangen und lieferten entsprechend positive Vorgaben, sagten Händler. Der Einfluss des G7-Treffens vom Wochenende sei hingegen gering, nachdem der Höhenflug des Euro bisher nicht gestoppt wurde.

Schrempp muss wieder vor Gericht aussagen

Im Milliardenprozess des US-Investors Kirk Kerkorian gegen DaimlerChrysler  muss Konzernchef Jürgen Schrempp an diesem Montag erneut aussagen. Sieben Stunden hat Richter Joseph Farnan im Bezirksgericht in Wilmington (US-Bundesstaat Delaware) für die Verhandlung angesetzt.

DaimlerChrysler wird heute aber noch aus einem anderen Grund im Fokus der Anleger stehen: Die US-Sparte Chrysler ist im Geschäftsjahr 2003 knapp am operativen Gewinn vorbeigefahren und hat dabei einen minimalen Verlust ausgewiesen. Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, wertet DaimlerChrysler-Chef Schrempp diese "rosarote Null" bei der US-Sparte als "untrügliches Zeichen dafür, dass der angeschobene Turn-around jetzt erste Früchte trägt".

Zahlen von British Airways

Die britische Fluggesellschaft British Airways (BA)  legt am Montag Zahlen für das Ende Dezember abgelaufene Quartal vor. Nach Einschätzung von Analysten hat die Airline einen Gewinnsprung verzeichnet. Experten begründen diese Prognose mit mehr Passagieren sowie dem radikalen Kostensenkungs-Programm des Unternehmens.

Vor Steuern rechnen die Analysten im Schnitt mit einem auf 100 Millionen britischen Pfund gestiegenen Gewinn (Prognose-Spanne 63-128 Millionen Pfund). Ein Jahr zuvor waren es 25 Millionen Pfund. Operativ hat BA laut den Schätzungen 125 Millionen Pfund erzielt (Prognose-Spanne: 90-151 Millionen Pfund) und damit deutlich mehr als ein Jahr zuvor (53 Millionen Pfund).

British Airways hatte bereits gemeldet, dass der Passagierverkehr im dritten Geschäftsquartal um 3,6 Prozent zugelegt hatte. Die Auslastung erhöhte sich von Oktober bis Dezember auf 72,7 Prozent.

BDI-Chef Rogowski warnt vor neuem Reformstau

Der Abschied von Bundeskanzler Gerhard Schröder von der SPD-Parteispitze liefert weiter Stoff für Diskussionen. Industriepräsident Michael Rogowski hat nach dem Führungswechsel vor einer Drosselung des Reformtempos gewarnt.

Der designierte SPD-Vorsitzende Franz Müntefering gebe Anlass zur Sorge, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) dem "Handelsblatt". Rogowski äußerte Zweifel an der Bereitschaft Münteferings, im Schulterschluss mit Bundeskanzler Gerhard Schröder keine Abstriche bei den Reformen zuzulassen. "Mit Müntefering bringe ich Stichworte wie Ausbildungsplatzabgabe und höhere Erbschaftssteuer in Zusammenhang."

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