Euro-Höhenflug Welteke vertreibt Zinsängste

Bundesbankpräsident Ernst Welteke hat im Anschluss an das G-7-Treffen den starken Euro-Kurs als Stabilitätsfaktor niedriger Zinsen bezeichnet. Nach Ansicht von Analysten wird der Dollar langfristig weiter verlieren.

Berlin - "Ein hoher Außenwert der Währung unterstützt uns im Bemühen, die Inflation niedrig zu halten. Ist der Euro stark, können wir die Zinsen länger niedrig halten", sagte Welteke nach Abschluss des Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrieländer (G-7) in Florida der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagsausgabe) laut Vorabtext. Ein starker Euro sei der Geldpolitik "durchaus förderlich".

Das EZB-Ratsmitglied wandte sich zudem gegen Befürchtungen der Unternehmen, der hohe Wechselkurs bremse die Exporte und sei damit eine Gefahr für die inländische Konjunktur: "Es ist weniger das Wechselkursniveau als vielmehr große Kursschwankungen, die die Planungssicherheit von Unternehmen und Verbrauchern beeinträchtigen und dem Wachstum schaden können."

Äußerungen zu Gunsten eines starken Euro stehen Experten zufolge im Widerspruch zu den Bemühungen, den Aufwärtstrend der Währung zu bremsen. Die Finanzminister und Notenbankchefs hatten sich auf dem G-7-Treffen in Florida nach harten Diskussionen auf eine gemeinsame Warnung vor zu starken Wechselkursausschlägen geeinigt. Dies sollte auch als deutliches Signal an die Finanzmärkte verstanden werden, den Euro nicht weiter nach oben zu treiben. Die Europäer hatten die USA hierzu gedrängt, um Kursgewinn des Euro zum dem Dollar entgegenzusteuern.

Analysten sehen noch kein Ende der Dollar-Talfahrt

Der Dollar ist seit fast zwei Jahren, insbesondere wegen der hohen Defizite von US-Leistungsbilanz und -Staatshaushalt, auf Talfahrt. In den vergangenen Monaten hatte sich der Abwärtstrend noch beschleunigt und den Euro zuletzt auf ein Rekordhoch von knapp 1,29 Dollar getrieben. Im Euro-Raum steigt die Furcht, der starke Euro könne die lang erhoffte Konjunkturerholung bremsen.

Analysten hatten die die G-7-Erklärung in einer ersten Reaktion zurückhalten bewertet. Sie werde den Devisenmärkten kurzfristig eine Pause verschaffen, am längerfristigen Trend eines schwächeren Dollar aber nichts ändern.

Der Chef des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hatte die EZB am Wochenende aufgefordert, gegen den starken Euro-Kurs am Devisenmarkt zu intervenieren und dabei auch den Alleingang nicht zu scheuen: "Eine Notenbank, die abwerten will, kann sich durchaus allein gegen die Marktkräfte stemmen", sagte Sinn dem "Spiegel". Zinssenkungen im Euroraum - die zweite Möglichkeit, um dem Euro-Kurs entgegenzusteuern - seien dagegen angesichts der wieder anziehenden Konjunktur nicht zu empfehlen.