Aventis Aktionäre wollen mehr Geld sehen

Die Anteilseigner des von Sanofi-Synthélabo umworbenen Pharmakonzerns Aventis erwarten ein besseres Übernahmeangebot der Franzosen. Schadenersatzklagen aus Österreich könnten die Pläne durchkreuzen.

Paris/Hamburg - Mit Interviews und Anzeigen buhlen die Pharmakonzerne Aventis  und Sanofi-Synthélabo  in ihrem Übernahmekampf um die Gunst der Anleger. Beide Konzerne zeigen sich dabei siegessicher und verweisen auf Schwächen des Widersachers. Der französische Konzern Sanofi will seinen Konkurrenten für (ursprünglich) 47 Milliarden Euro in Aktien und in bar kaufen.

Aventis-Chef Igor Landau erklärte dem Pariser Sonntagsblatt "Journal du Dimanche": "Die Zeit spielt klar für uns." In wenigen Monaten werde Aventis weitere Produkte auf den Markt gebracht haben, während die Schwäche von Sanofi für die Aktionäre sichtbarer werde. So drohe Sanofi den Patentschutz für das Anti-Thrombosemittel Plavix in den USA zu verlieren, das 35 Prozent zum Gewinn beisteuere. Mit dem Produkt Ambien werde ab 2007 ein Fünftel des Sanofi-Umsatzes von Generika bedroht. Und der Rückzug des Hauptaktionärs Total  mache Sanofi zum Jahresende anfällig für feindliche Übernahmen.

Ebenso zuversichtlich zeigte sich Sanofi-Vorstand Hanspeter Spek. Die guten Aventis-Geschäftszahlen seien "offensichtlich mit heißer Nadel gestrickt" und hätten den Markt nicht überzeugt, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Ich habe noch keinen einzigen Investor getroffen, der nicht von unserem Konzept überzeugt wäre."

Aktionäre setzen auf ein besseres Angebot

Landau warnte, "durch eine feindliche Übernahme drohe der Verlust entscheidender Köpfe". Auf Landaus Forderung, die Zahl der Stellen zu nennen, die bei einer Übernahme verloren gingen, sagte Spek, der Forschungsstandort Deutschland solle erhalten bleiben.

Ob die Übernahme gelingt, hängt davon ab, wie die Aktionäre den Wert der Unternehmen im Verhältnis zum Kaufangebot einschätzen. Die wichtigsten Aventis-Aktionäre setzen auf ein verbessertes Angebot von Sanofi. Vom "Handelsblatt" (Montagausgabe) befragte Investmentfonds in Deutschland und Frankreich, die zu den zehn größten Aventis-Anteilseignern zählen, seien zwar grundsätzlich zu einem Verkauf ihrer Anteile bereit. Die meisten Fondsmanager forderten aber einen deutlich höheren Preis von 70 bis 75 Euro für ihre Aktien, schrieb die Zeitung. Sanofi hat bisher 59,50 Euro geboten.

Entscheidend werde nach Einschätzung der Fonds das Verhalten des größten Aventis-Aktionärs Kuwait Petroleum Corporation (KPC) spielen, der 13,4 Prozent an Aventis hält. Er wäre nach Informationen aus Finanzkreisen bei einem Preis von rund 75 Euro ebenfalls verkaufsbereit.

Aventis droht Schadensersatzklage

Eine neue Belastung droht Aventis unterdessen von anderer Seite. Nach einem Bericht des SPIEGEL könnte bei dem Pharmakonzern eine Schadensersatzklage von 63 österreichischen Blutspende-Opfern eingehen. Die Betroffenen hätten sich bei einer Blutspende der Firma Seroplas wegen mangelnder Hygiene mit Hepatitis C infiziert, schreibt das Nachrichtenmagazin in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Der an Seroplas beteiligte Frankfurter Hoechst-Konzern fusionierte später mit Rhône-Poulenc zu Aventis; das seitdem Anteile an Seroplas hält. Der Frankfurter Konzern war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Vor zweieinhalb Jahren hatten in Österreich laut SPIEGEL 259 Blutspende-Opfer von Seroplas eine Entschädigung von knapp 7,5 Millionen Euro erhalten. Bislang sei den 63 Geschädigten nur ein Drittel der damaligen Vergleichssummen angeboten worden, sagte der Wiener Anwalt der Geschädigten, der von "Opfern zweiter Klasse" sprach.