Wochenausblick "Kapital wartet auf Einstiegskurse"

Der deutsche Aktienmarkt wird nach Einschätzung von Börsianern weiterhin seitwärts tendieren. Für Spannung sorgen die anstehenden US-Konjunkturdaten sowie die Zahlen von Dell und Credit Suisse.

Frankfurt am Main - Nach der Konsolidierung in der vergangenen Woche rechnen Experten in den kommenden Tagen mit stagnierenden oder sinkenden Kursen. "Die Gefahren nach unten sind wohl größer als die Ausbruchschancen nach oben", sagte Aktienstratege Christian Schmidt von der Helaba.

Dies sei aber nicht unbedingt ein Grund zur Sorge: Aus seiner Sicht wäre ein kurzfristig deutlicherer Kursrückgang eine mögliche Basis für einen weiteren Aufschwung. Viel noch nicht investiertes Kapital warte auf günstigere Einstiegskurse. Händler erwarten ein Pendeln des Dax  um die 4000-Punkte-Marke.

"Der Dax dürfte in der nächsten Zeit wohl zunächst um 4000 Punkte pendeln", sagt auch Heino Ruland, Marktanalyst beim Handelshaus Steubing, "bis die Leute mehr Zuversicht ins volkswirtschaftliche Wachstum bekommen und dann ihre Gewinnschätzungen anheben. Das sollte dem Markt den nächsten Impuls nach oben geben."

Erwartungshaltung bei den Anlegern ist hoch

Frank Schallenberger, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sagte, die Marktteilnehmer seien zwar mit der Quartalssaison und mit den Konjunkturdaten zufrieden. "Da die Erwartungen aber ziemlich hoch waren, ist die Neigung zu Gewinnmitnahmen seit Ende Januar deutlich gestiegen", ergänzte er. "Insgesamt spricht einiges dafür, dass die seit einer Woche andauernde Verschnaufpause noch einige Zeit anhalten wird." Eine ausgeprägte Korrektur sei allerdings eher unwahrscheinlich.

Seit seinem in der vergangenen Woche markierten Jahreshoch bei 4175 Punkten hat Deutschlands wichtigster Börsenindex rund drei Prozent verloren und notierte am Freitag nur noch knapp über der psychologisch wichtigen Marke von 4000 Punkten.

Bewegung in der zweiten Reihe

Bei den Unternehmen legen einige im MDax  und im TecDax  notierte Gesellschaften sowie wichtige ausländische Konzerne Zahlen vor. Als einziges Dax-Mitglied präsentiert ThyssenKrupp  am Freitag detaillierte Zahlen. "Die größeren Marktbewegungen werden aber durch Konjunktur-, nicht durch Unternehmens-Nachrichten ausgelöst", sagte Helaba-Experte Schmidt.

Am Montag legt der Lufthansa-Konkurrent  British Airways  Ergebnisse vor. Am Dienstag folgen unter anderem der Autobauer Renault  und der Elektronikkonzern Philips . Am Mittwoch präsentieren dann der Finanzdienstleister AWD  sowie die Parfümerie- und Kosmetikkette Douglas  Ergebnisse. Zudem veröffentlichen der Autohersteller Peugeot  und der Nahrungsmittelkonzern Danone  Zahlen. Auch der US-Getränkehersteller Coca-Cola  informiert über sein viertes Geschäftsquartal.

Am Donnerstag folgen Beru  und der Onlinebroker Comdirect . Im Ausland stellen die Großbanken Credit Suisse , Société Générale  und Barclays  ihre Bilanzen vor. In den USA berichtet der weltgrößte Computerkonzern Dell  über sein Schlussquartal. Am Freitag beschließen ThyssenKrupp und die Software AG  den deutschen Zahlenreigen dieser Woche.

US-Daten geben Richtung vor

US-Konjunkturdaten geben die Richtung vor

Da Börsianer von den Unternehmenszahlen in der kommenden Woche kaum Impulse für die Märkte erwarten, dürften vor allem Konjunkturdaten aus den USA in den Mittelpunkt des Interesses an den Märkten rücken. "Insgesamt sind wir für die Börsenentwicklung positiv gestimmt", sagt Carsten Klude, Aktienstratege bei M.M. Warburg. "Das Haar in der Suppe können wir bei den Makro-Daten momentan nicht finden."

Am Freitag steht etwa der an den Börsen viel beachtete vorläufige Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan für Februar an. Im Januar war der Index noch überraschend deutlich gestiegen. Der Index gilt als wichtiger Indikator für die Stimmung und das zukünftige Kaufverhalten der US-Verbraucher. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus und sind damit wichtige Stütze für die US-Konjunktur.

Am Mittwoch wird des Weiteren der Präsident der US-Notenbank Fed, Alan Greenspan, vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses zum Halbjahresbericht über die Währungspolitik Stellung nehmen. "Spannend wird die Greenspan-Rede sicher", sagt Marktanalyst Giuseppe Amato vom Handelshaus Lang & Schwarz. "Überraschungen sind allerdings nicht zu erwarten. Er wird wie üblich Seelenmassage für die Finanzmärkte betreiben."

Schwache Handelswoche an Wall Street erwartet

Auch die US-Aktienmärkte könnten in der kommenden Woche nach Einschätzung von Analysten inmitten der allmählich auslaufenden Berichtssaison weiter nachgeben. Die Investoren hätten hohe Erwartungen an die Unternehmen für das abgelaufene Quartal gehabt und würden nun Ausschau nach Faktoren halten, die den Markt nach oben treiben könnten.

"Unser Gefühl ist, dass der Markt weiter nachgeben wird", sagte Frederic H. Dickson, von D.A. Davidson & Co. in Portland. "Die Stimmung ist immer noch ziemlich gut, aber es gibt keinen herausragenden Grund dafür, dass die Leute Aktien kaufen", sagte er.

Die großen US-Aktienmarktindizes hatten in den vergangenen beiden Wochen nachgegeben, obwohl die Quartalszahlen der Unternehmen weitgehend robust waren. Viele hätten Kasse gemacht und Gewinn mitgenommen, nachdem die Kurse seit März vergangenen Jahres stetig gestiegen waren, sagten Analysten.

Bis Freitag hätten rund 80 Prozent der im S&P-500-Index gelisteten Firmen Quartalszahlen vorgelegt, wie Analyst Ozan Akcin von Puglisi & Co in New York ausrechnete. Der Markt versuche derzeit noch, sich einen Überblick zu verschaffen und so sei für die kommenden Wochen eine gewisse Schwäche zu erwarteten, sagte er.

Der Standardwerte-Index Dow Jones  hatte am Freitag 0,93 Prozent höher bei rund 10.593 Punkten geschlossen. Die US-Technologiebörse Nasdaq Composite  gewann 2,2 Prozent auf 2064 Punkte und der breiter gefasste S&P-500-Index zog um 1,26 Prozent auf 1142 Zähler an.